APA/APA/AFP/MICHAL CIZEK

Zweite Runde der Präsidentenwahl in Tschechien begonnen

In Tschechien hat am Freitagnachmittag die zweitägige Stichwahl der Präsidentenwahl begonnen. Seit 14.00 Uhr haben knapp 8,4 Mio. Wahlberechtigte die Möglichkeit, ihre Stimme entweder für den ehemaligen Chef des Generalstabs, Petr Pavel, oder den früheren Ministerpräsidenten Andrej Babiš abzugeben. Vor zwei Wochen hatte der pensionierte Armeegeneral Pavel die erste Runde mit 35,40 Prozent knapp gewonnen. Er gilt laut Umfragen als Favorit auf die Wahl in das Präsidentenamt.

Babiš, Vorsitzender der oppositionellen Bewegung ANO, folgte im ersten Durchgang mit 34,99 Prozent auf dem zweiten Platz. Die jüngsten Umfragen deuten auf einen klaren Sieg Pavels hin. So geht beispielsweise die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos davon aus, dass Pavel 58,8 Prozent der Stimmen erhalten könnte, Babiš 41,2 Prozent. Auch die Umfrage der Agentur STEM prognostiziert einen großen Vorsprung Pavels - 57,6 Prozent gegen 42,4 Prozent für Babiš.

Laut Analysten, Medienkommentaren und Wettbüros ist nicht die Frage, ob Pavel gewinnt, sondern mit welcher Differenz. Ein Anzeichen dafür sei, dass Babiš im letzten TV-Duell am Donnerstagabend im TV-Sender "Nova" schon resigniert gewirkt habe und offenbar selbst nur eine minimale Chance für seinen Sieg sehe, meinte der Politologe Lubomír Kopeček von der Masaryk-Universität in Brünn.

Der Wahlkampf zwischen Pavel und Babiš konzentrierte sich vor allem auf zwei Themen - den Ukraine-Krieg und die kommunistische Vergangenheit beider Rivalen. Babiš wirft Pavel vor, Tschechien in den Ukraine-Krieg verwickeln zu wollen, während er (Babiš) sich für den Frieden einsetze. Pavel weist dies strikt zurück und bezichtigt seinen Rivalen seinerseits der "permanente Verbreitung von Lügen".

Pavel sowie Babiš, beide einst Mitglieder der Kommunistischen Partei (KP), beschuldigen sich gegenseitig einander auch, in den Geheimdiensten des kommunistischen Regimes tätig gewesen zu sein. Babiš wird eine Zusammenarbeit mit dem zivilen Nachrichtendienst (StB) nachgesagt, zu einer Zeit, als er in Marokko als Delegierter eines Außenhandelsunternehmens tätig war. Babiš bestreitet die Stasi-Zusammenarbeit. Demgegenüber ist Pavel mit Attacken konfrontiert, Offizier des kommunistischen Militärnachrichtendienstes gewesen zu sein, weil er noch vor der "Samtenen Revolution" eine Ausbildung an einer entsprechenden Schule begonnen habe. Pavel wehrt sich mit dem Argument, er habe "militärischer Diplomat" werden wollen.

Die Wahllokale werden am Freitag um 22.00 Uhr vorübergehend geschlossen. Am Samstag wird die Wahl ab 8.00 Uhr fortgesetzt und die Stimmabgabe um 14.00 Uhr endgültig beendet. Aussagekräftige Ergebnisse werden am Samstagnachmittag erwartet. Der Sieger wird den amtierenden Staatschef Miloš Zeman ablösen, dessen Amtszeit am 8. März zu Ende geht.

ribbon Zusammenfassung
  • Wahlberechtigte die Möglichkeit, ihre Stimme entweder für den ehemaligen Chef des Generalstabs, Petr Pavel, oder den früheren Ministerpräsidenten Andrej Babiš abzugeben.
  • So geht beispielsweise die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos davon aus, dass Pavel 58,8 Prozent der Stimmen erhalten könnte, Babiš 41,2 Prozent.
  • Auch die Umfrage der Agentur STEM prognostiziert einen großen Vorsprung Pavels - 57,6 Prozent gegen 42,4 Prozent für Babiš.