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Infektiologe: Gefahr durch Corona-Tod mittlerweile "sehr gering"

08. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Corona sei mittlerweile eine "ganz andere Krankheit als noch vor einem Jahr", sagt der Innsbrucker Infektiologe und Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin Günter Weiss. Damals habe man bei der Delta-Variante noch "schwere Fälle" festgestellt - dies habe sich mittlerweile "dramatisch geändert." Das Spitalssystem stehe trotzdem am Rand des Kollaps.

"Die Wahrscheinlichkeit an Corona zu versterben, ist mittlerweile eine sehr geringe geworden",  sagte Weiss. Vor einem Jahr habe es etwa noch viele Fälle von Lungenversagen gegeben, die Intensivstationen seien voll gewesen. "Eine Lunge, die aufgrund einer Corona-Infektion komplett versagt, haben wir seit Februar glücklicherweise nicht mehr gesehen". Die Omikron-Variante sei überwiegend milder in den Verläufen, die Immunität durch Impfungen und durchgemachte Infektionen besser. 

Corona meist "nicht mehr das Hauptproblem"

"Bei zwei Drittel bis drei Viertel der Menschen, die mit einer Covid-Infektion zu uns ins Krankenhaus kommen, ist Corona nicht mehr das Hauptproblem. Die restlichen Patienten haben Fieber und Atemwegssymptome, aber die wirklich schweren Fälle haben wir nicht mehr gesehen", so Weiss  In Zusammenhang mit Covid-19 komme es nun zu sogenannten bakteriellen Sekundärinfektionen der Lunge (Pneumonie), wie man es auch von der Influenza kenne.

Risiko neuer Mutationen bleibt

Auch die neuen Varianten wie BQ1 und BQ1.1 hätten - soweit man es derzeit beurteilen könne - nicht mehr diese fatalen Auswirkungen wie Infektionen mit früheren SARS-CoV2 Varianten wie Alpha oder Delta. Natürlich wisse man nicht, ob das auch so bleiben werde, ein Restrisiko für neue Mutationen mit schwerem Verlauf bestehe immer. Jedenfalls gelte: "Covid SARS-CoV2 wird ein Teil jener Virusinfektionen werden, die uns vor allem in der kalten Jahreszeit beschäftigen und plagen", so Weiss. Eine Notwendigkeit für staatliche Zwangsmaßnahmen gebe es, sollte die Lage annähernd so bleiben, jedenfalls nicht mehr. Individuelle Hygienemaßnahmen seien aber nach wie vor sinnvoll.

Ob die WHO Corona als Pandemie bald für beendet erklärt und künftig quasi eine Endemie ausruft, ist für Weiss nicht so entscheidend. Dies sei vielmehr ein "Streit um des Kaisers Bart". Er halte die Einstufung mittlerweile ohnehin mehr für eine "psychologische Geschichte."

Spitalsüberlastung durch Influenza und RSV

Mehr Sorgen als Corona machen Weiss derzeit andere Infektionen. Bei Influenza- und RSV-Infektionen müsse man Patienten ebenfalls isolieren. Dazu kommen Bettensperren wegen Personalmangels. Teils habe man keine Platz, müsse hospitalisierungspflichtige Patienten aber trotzdem aufnehmen. Das verschärfe den Druck auf die Kapazitäten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Spitals-System am Rand des Kollaps

Oft fehlen Nachbetreuungseinrichtungen oder Patienten können im heimischen Umfeld nicht betreut werden. "So bleiben oft Patienten länger im Krankenhaus, die eigentlich nicht hospitalisierungspflichtig sind". In Städten wie Innsbruck gebe es an Wochenenden auch kaum ambulante ärztliche Versorgung außerhalb des Krankenhauses. Sowohl Schwerkranke als auch Patienten mit eher banalen medizinischen Problemen strömen in die Notfallaufnahmen. Dadurch sei das System am Rand des Kollaps.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam