Yad Vashem lehnt Kontakte zur FPÖ ab
Yad Vashem sei "offen" für Besuche der Gedenkstätte und "kontrolliert am Eingang weder ideologische noch andere Überzeugungen", betonte Dayan weiter. FPÖ und AfD seien aber "Parteien, die ihre Wurzeln im Nationalsozialismus haben, und sie sind keine Partner, wenn es darum geht, die Verantwortung Österreichs anzuerkennen und die Kultur der Erinnerung zu fördern, die in diesem Land zu Recht gepflegt wird", erläuterte Dayan. Yad Vashem sei zwar eine staatliche Institution, aber keine Regierungsorganisation, betonte er. "Wir sind keine Diplomaten." Er habe im Vorjahr bei einem Besuch in Wien Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) auch dazu ermutigt, keine Koalition mit der FPÖ einzugehen.
Netanyahu hatte am Sonntag eine Delegation von EU-Parlamentariern der rechten Fraktion "Patrioten für Europa" aus Ungarn, Österreich, Spanien und Frankreich empfangen. Teil der Delegation war auch der Leiter der FPÖ-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Vilimsky. Dieser sprach von einem "Treffen historischen Ausmaßes". FPÖ-Politiker wurden bisher von offiziellen Vertretern Israels gemieden, unter anderem aus Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Österreich. "Erstmals in der Geschichte der Freiheitlichen Partei wurde mit Harald Vilimsky ein Repräsentant offiziell von der israelischen Regierung und auch persönlich vom Ministerpräsidenten empfangen", hatte Vilimsky mitgeteilt.
IKG: "Wir sehen das kritisch"
Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) bestätigte auf APA-Anfrage, dass sich ihre Haltung gegenüber der FPÖ nicht geändert habe. "Die FPÖ ist der politische Arm der deutschnationalen Burschenschafter. Zahlreiche Verstrickungen mit Neonazis sind ebenso dokumentiert wie die Geschichte sowie die antisemitischen und israelfeindlichen Haltungen dieser Partei. Daher gibt es einen Cordon Sanitaire gegenüber den Freiheitlichen", betonte IKG-Präsident Oskar Deutsch. Dies habe der Vorstand einstimmig beschlossen und 2023 bekräftigt.
"Eine Reise nach Jerusalem im Rahmen einer EU-Delegation und ein beschnittenes Foto ändern diese Haltung nicht", hieß es in der Stellungnahme mit Blick auf die von der FPÖ verbreitete Aufnahme des Treffens, die Vilimsky neben der israelischen Verkehrsministerin Miri Regev und Netanyahu zeigt, nicht aber die anderen Delegationsmitglieder. "Allerdings hätte man sich für so eine Inszenierung auf israelischem Boden nicht vereinnahmen lassen dürfen. Wir sehen das kritisch." Anfang 2025 hatte Netanyahus rechtskonservative Likud-Partei einen Beobachterstatus in der "Patrioten"-Fraktion eingenommen. Der Likud habe jedoch angeben, innerhalb dieser Fraktion zu differenzieren und weiterhin keine bilateralen Beziehungen mit der FPÖ zu unterhalten, erinnerte die IKG.
Zusammenfassung
- Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kontakte zur FPÖ oder AfD unterhält und sieht aufgrund der historischen Wurzeln dieser Parteien im Nationalsozialismus keine Änderung dieser Haltung.
- Die Likud-Partei Netanjahus ist seit Anfang 2025 Beobachter in der rechten EU-Fraktion „Patrioten“, unterhält laut IKG aber weiterhin keine bilateralen Beziehungen zur FPÖ.
