APA - Austria Presse Agentur

Wundenlecken in der SPÖ nach Parteitag

28. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Die Aufarbeitung des SPÖ-Parteitags geht am Montag weiter. Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser wollte das Ergebnis von Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner nicht kommentieren. Der steirische Landesparteichef Anton Lang sparte nicht mit Kritik.

Mit nur 75,3 Prozent Zustimmung bescherten die sozialdemokratischen Delegierten ihren Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner ein enttäuschendes Ergebnis. Nun kommentierten weitere Parteigranden das Ergebnis. Insbesondere der steirische Landesparteichef Anton Lang übte harsche Kritik am Verhalten der Delegierten.

"Es ist doch einfach letztklassig, wenn bei ihrer Rede alle applaudieren und in der Wahlkabine dann ein Streichkonzert veranstaltet wird. Das finde ich stillos", sagte er gegenüber "Kronen Zeitung" und "Kleine Zeitung". Das Verhalten erinnere ihn an Menschen, die "nachts vor dem Computer sitzen und unter dem Deckmantel der Anonymität kritische Kommentare posten", verschärfte Lang seine Kritik noch.

Lang unterstützt Rendi-Wagner

Ihm sei es ein Rätsel, wie es überhaupt dazu gekommen sei, denn es habe genug Raum für Diskussionen gegeben. Man hätte Vorbehalte ansprechen und Rendi-Wagner damit die Chance geben können, darauf zu antworten. Seine Unterstützung habe die Chefin jedenfalls, versicherte Lang, auch wenn er nicht immer mit ihr einer Meinung sei. Laut Lang ist das Ergebnis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gekommen, nämlich in einer Phase, in der es für die Sozialdemokratie wieder aufwärts gehe. Er glaubt, dass angesichts des Ergebnisses bei den anderen Parteien die Sektkorken geknallt haben.

Nicht weiter auf das Thema eingehen wollte der Kärntner Landesparteichef Peter Kaiser. Der Landeshauptmann verwies auf entsprechende Journalistenfragen darauf, dass er persönlich beim Parteitag nicht anwesend gewesen sei. Die Kärntner Landespartei werde die Situation aber in der Parteivorstandssitzung nächsten Montag analysieren, sagte Kaiser. 

Eisenkopf: Entscheidung der Delegierten

Für die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf ist die Entscheidung hingegen "zur Kenntnis zu nehmen". Eisenkopf sieht bei der SPÖ derzeit keine Obfraudebatte. Die Entscheidung sei "zur Kenntnis zu nehmen", erklärte die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin am Rande einer Pressekonferenz am Montag.

Es gehe derzeit auch nicht um eine Obfraudebatte, sondern darum, dass die SPÖ gestärkt in die nächste Wahlauseinandersetzung gehe. Wer die Partei dann anführen wird, darüber zu diskutieren, sei eine normale Vorgangsweise. Wer für die Streichungen am Bundesparteitag gesorgt hat, konnte Eisenkopf nicht sagen: "Ich war nicht dabei in der Wahlzelle." Zuvor hatte schon Landesgeschäftsführer Roland Fürst Gerüchte dementiert, dass die burgenländische SPÖ hinter den Streichungen stecken könnte.

Babler: Rendi-Wagner "schlecht beraten"

Auch der niederösterreichische Landesparteichef Franz Schnabl hat schon am Sonntag Mutmaßungen zurückgewiesen, seine Landespartei könnte für die Streichungen verantwortlich sein. Er bedauerte das Ergebnis und attestierte dem Parteitag mangelnde Reife. Traiskirchens SPÖ-Bürgermeister Andreas Babler ortet das Problem darin, dass Rendi-Wagner "schlecht beraten von einem Netzwerk um sie herum" sei, wie er in der Gratiszeitung "Heute" erklärte.

In Oberösterreich, wo man im Herbst eine Landtagswahl zu schlagen hat, will man sich nicht mit "Führungsdebatten und Mutmaßungen" beschäftigen, betonte SP-Landesgeschäftsführer Georg Brockmeyer: "Wir sind in Oberösterreich sehr gut aufgestellt und ganz unabhängig von Wien für die Wahl gerüstet."

Rendi-Wagner selbst hatte bereits am Sonntagabend bekräftigt, dass sie weiter Parteichefin bleiben und auch als Spitzenkandidatin in die nächste Nationalratswahl gehen wolle. Sie könne den Auftrag von drei Viertel der Delegierten nicht einfach ignorieren, so Rendi-Wagner.

Quelle: Agenturen