Putin hat Geburtstag - Keine Siege zum 70er

07. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Der russische Machthaber Wladimir Putin feiert am Freitag seinen 70. Geburtstag. Anfang des Jahres überfiel er die Ukraine und vermutete wohl, das unabhängige Land bis zu seinem Geburtstag bezwingen zu können. Das ging daneben und auch sonst hat Putin aktuell wenig Grund zum Feiern.

Putin dachte wohl er feiert seinen 70. Geburtstag mit einem Sieg über die Ukraine, wurde bisher jedoch bitter enttäuscht. Seit Beginn seiner "Militärischen Spezialoperation" muss Russland immer wieder mit Niederlagen fertig werden. Zuletzt hat es bereits besetzte Gebiete wieder an die Armee des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verloren.

Pannen bei Einberufung

Mit der Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten hat sich der russische Präsident erhofft, das Ruder herumreißen zu können. Stattdessen fliehen russische Männer aus ihrer Heimat, um nicht an die Front geschickt zu werden.

Bisher wurden rund 200.000 Männer eingezogen, genauso viele überquerten im selben Zeitraum die kasachische Grenze. In einem unveröffentlichten Dekret steht sogar, dass Putin bis zu einer Million Russen einberufen könne.

Proteste nach Teilmobilmachung

Von Pannen bei der Ausbildung und Ausrüstung sowie illegalen oder schlecht organisierten Einberufungen ist zu hören. Putin selbst musste zugeben, dass Fehler begangen wurden und ordnete an diese zu korrigieren.

Putin versucht die Kontrolle im Land zu bewahren, doch sein Ansehen in der Bevölkerung sinkt stetig. Nach der Verkündung der Teilmobilmachung kam es zu Protesten in Russland, die von der Polizei jedoch schnell niedergeschlagen wurden.

Ukrainische Erfolge auf dem Schlachtfeld

Hohe Verluste an Soldaten und Equipment musste Putin bei seinem Angriffskrieg bisher in Kauf nehmen. Um die internationale Unterstützung der Ukraine zu unterbinden, hat Putin auch schon der mit der Verwendung von Atomwaffen gedroht. 

Einen kleinen Sieg konnte Putin trotzdem verbuchen. Mittels Scheinreferenden in den russisch besetzen Gebieten Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja in der Ukraine, hat er diese annektiert und zu russischen Staatsgebiet ernannt. Sowohl demokratisch als auch völkerrechtlich haben diese Referenden jedoch keine Rechtmäßigkeit. Zudem sind die betreffenden Regionen teilweise wieder in ukrainischer Hand.

Viele gebrochene Versprechen

Als Putin im Jahr 2000, nach dem Rücktritt seines Vorgänger Boris Jelzin, mit 48 Jahren an die Macht kam, galt er als Hoffnungsträger der liberalen Schichten in Russland. Er versprach der Bevölkerung damals ein demokratisches Russland. 20 Jahre später ließ er die Verfassung ändern und verschaffte sich damit das Recht, bis 2036 zu regieren - vorausgesetzt er kandidiert und gewinnt wieder. 

Damals bezeichnet er seine Kollegen in den USA und Europa noch als "unsere westlichen Partner". Das hat sich inzwischen geändert. Bei seiner letzten Rede meinte er, die USA wolle Russland zerstören und konstatierte beim Westen unter anderem "Satanismus" und den Wunsch, die traditionelle Familie abzuschaffen.

Kein Feiern mit Silvio

Seinen 65. Geburtstag verbrachte Putin noch unter anderem mit dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Mit dem italienischen Politiker verbindet Putin eine lange Freundschaft. Berlusconi schenkte Putin damals ein Bettwäsche-Komplettset mit einer Abbildung der beiden Politiker, wie italienische Medien damals berichteten.

Berlusconi wird allerdings dieses Jahr vermutlich nicht nach Russland reisen. Stattdessen wird Putin im prunkvollen Konstantinpalast in seiner Heimatstadt St. Peterburg die Staatschefs der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) empfangen, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag mit. Geplant seien am Freitag auch zahlreiche Telefonate.

Zur GUS, der Nachfolgeorganisation der vor rund 30 Jahren zerfallenen Sowjetunion, gehören unter anderem die autoritär regierten zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan. Ebenso die miteinander verfeindeten Kaukasus-Staaten Armenien und Aserbaidschan.

Der Kreml will damit wohl demonstrieren, dass der russische Machthaber trotz Angriffskrieg in der Ukraine international nicht isoliert.

Wer kommt überhaupt zur Feier?

Putin dürfte damit einmal mehr demonstrieren wollen, dass er trotz seines Angriffskrieges gegen die Ukraine international nicht isoliert ist. Ob dies gelingt, muss sich zeigen. Bisher wurde keine Gästeliste des "informellen Gipfels" veröffentlicht.

Astrid PozarekQuelle: Agenturen / Redaktion / poz