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"Wir wurden reingelegt, Putin ist ein Narr": Russische Soldaten enthüllen Leid und Verzweiflung

29. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

"Wir wurden reingelegt wie kleine Kinder." "Sie sagten, sie würden uns trainieren. Diese Bastarde haben uns nichts gesagt." Telefonate russischer Soldaten, die die ukrainische Regierung abgefangen hat, enthüllen die Verzweiflung unter dem russischen Regiment.

Zu Beginn des russischen Angriffskrieges hörte die ukrainische Regierung Telefonate russischer Soldaten ab. Die "New York Times" hat eine Auswahl dieser im März aufgezeichneten Telefonate nun erstmals veröffentlicht. Sie spiegeln die Realität des Krieges und die Verzweiflung von Putins Truppen wider - viele der Soldaten sind enttäuscht und bereuen in den Krieg gezogen zu sein. Für sie hat sich das Scheitern der russischen Armee schon in den ersten Wochen abgezeichnet.

"Mama, ich glaube, dieser Krieg ist die dümmste Entscheidung, die unsere Regierung je getroffen hat."

"Wenn ich nach Hause komme, höre ich auf. Scheiß auf die Armee."

Moralische Krisen und mangelhafte Ausrüstung

Die russischen Soldaten führten unerlaubte Telefonate an ihren Verwandten und berichteten von Fehlschlägen auf dem Schlachtfeld und Hinrichtungen an Zivilisten. Sie äußerten außerdem Kritik an Wladimir Putin und den militärischen Befehlshabern. Die Soldaten sprachen von moralischen Krisen und einem Mangel an Ausrüstung und Training – sie wurden belogen, sahen sie ein.

"Niemand hat uns gesagt, dass wir in den Krieg ziehen werden. Sie haben uns einen Tag vor unserer Abreise gewarnt."

"Wir haben zwei oder drei Tage trainiert."

"Wir wurden getäuscht, wie kleine Kinder."

"Ich wusste nicht, dass das passieren würde. Sie sagten, wir würden trainiert werden. Diese Schweine haben uns nichts gesagt."

Geständnis: Zivilisten getötet, ukrainische Häuser geplündert

Nach wie vor leugnet die russische Regierung jegliche Kriegsverbrechen. Die Soldaten geben jedoch offen zu, Zivilisten gefangen genommen und getötet sowie ukrainische Häuser und Geschäfte geplündert zu haben. Sie widerlegen außerdem die russische Propaganda. Ein Soldat namens Sergej berichtete von einem "Berg von Leichen". Er gestand seiner Freundin, er sei "ein Mörder geworden".

"Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Leichen gesehen."

"Wir haben den Befehl erhalten, jeden zu töten, den wir sehen."

"Die wollen den Leuten im Fernsehen nur was vormachen, so nach dem Motto: "Es ist alles in Ordnung, das ist kein Krieg, nur ein Spezialeinsatz." Aber in Wirklichkeit ist es ein echter Scheißkrieg."

Extreme Verluste - Ein Sarg nach dem anderen

Die Soldaten berichteten von riesigen Verlusten in ihren Einheiten. Ein Soldat namens Andrej erzählte seinem Vater in einem Gespräch, dass "die Hälfte seines Regiments weg ist". Einer erzählte, dass 90 Männer um ihn herum getötet wurden, ein anderer berichtete von 600 getöteten Soldaten. Wiederum ein anderer erzählte von den Särgen von 400 Soldaten aus dem Fallschirmregiment, die auf ihre Heimkehr warten.

"Es gab 400 Fallschirmjäger, von denen nur 38 überlebt haben.... , weil ihr Kommandeur die Soldaten zum Tode verurteilte."

"Vanya, es kommen immer mehr Särge an. Wir begraben einen Mann nach dem anderen. Das ist ein Albtraum."

Viele der Soldaten möchten nicht mehr kämpfen, sagen sie. Sie fürchten jedoch die Konsequenzen. Einige berichteten, ihre Befehlshaber hätten ihnen gesagt, sie könnten strafrechtlich verfolgt und verhaften werden.

"Sie entlassen niemanden. Sie sagen, wer das tut, kommt für fünf Jahre ins Gefängnis."

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj