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"Wir wollen nicht kämpfen" - Russische Deserteure packen aus

09. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Laut der ukrainischen Armee sollen sich am Montag 20 russische Soldaten in der Region Luhansk ergeben haben. Sie sollen ohne "entsprechende Ausrüstung und Verpflegung" an die Front geschickt worden sein, berichten die Deserteure.

Bei den 20 Deserteuren solle es sich in dem meisten Fällen um frisch eingezogene Soldaten handeln. Die russischen Soldaten sollen demnach ihre Position über Funk an die ukrainische Armee bekannt gegeben haben – sie würden unbewaffnet in einem Keller auf ihre Festnahmen warten, hieß es. Das Nachrichtenportal "NEXTA" verbreitete dazu ein von der ukrainischen Armee veröffentlichten Video, das die russischen Deserteure zeigt, die eine Botschaft in die Kamera richten.

Ohne Training, ohne Führung

Die russischen Soldaten berichten davon, dass sie "ohne Training", "ohne entsprechende Verpflegung" und "ohne Führung" an die Front geschickt wurden. "Als Erstes sind die Offiziere weggerannt und haben uns zurückgelassen", so die Deserteure. Sie hätten drei Tage lang kein Trinkwasser bekommen. Mehrere Soldaten beteuerten, sie hätten keinen einzigen Schuss abgefeuert. "Wir wollen überhaupt nicht kämpfen", betonen sie. 

Noch ist unklar, ob es sich bei den Männern im Video tatsächlich um russische Soldaten handelt. Die Angaben der ukrainischen Armee sind noch nicht verifiziert.

"Glaube nicht, was du im Fernsehen siehst"

Außerdem berichtet die "Krone" von einem abgefangenen Telefonat zwischen einem russischen Soldaten und seiner Schwester. Dieser sprach von "zahlreichen Verlusten" und "toten Soldaten", die täglich weggebracht werden. "Glaube nicht, was du im Fernsehen siehst", so der in Luhansk stationierte Soldat.

Beschwerdebrief: 300 Tote binnen vier Tagen

Angehörige der 155. Marineinfanterie-Brigade der russischen Pazifikflotte sollen zudem einen Beschwerdebrief an den Gouverneur des Gebiets Primorje, Oleg Koschemjako, gerichtet haben. Innerhalb von vier Tagen sollen 300 Soldaten bei Kämpfen im Gebiet Donezk ihr Leben verloren haben. Der Telegram-Kanal "Grey Zone" veröffentlichte das Schreiben. Koschemjako räumte daraufhin zwar "schwere Kämpfe und Verluste" ein, diese seien jedoch nicht so hoch, wie die Soldaten beklagt hatten. Die Militärstaatsanwaltschaft sei eingeschaltet worden, um in der Sache zu ermitteln.

"Wir wurden reingelegt wie kleine Kinder" 

Bereits zu Beginn des russischen Angriffskrieges haben die ukrainischen Behörden Telefonate zwischen den russischen Soldaten und ihren Angehörigen abgehört. Die "New York Times" veröffentlichte zahlreiche dieser Telefonate, in denen die russischen Soldaten ihren Unmut über die Kriegszustände äußerten. Sie wurden "reingelegt wie kleine Kinder", beklagten sie. Sie berichteten ebenfalls von "mangelhafter Ausrüstung und Training" und äußerten heftige Kritik an Präsident Wladimir Putin und den militärischen Befehlshabern.

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Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj