Will: Statt beim Handel im Büro ansetzen, wo es "offenbar kein Corona gibt"

12. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Handelsverbands-Obmann Rainer Will prangert aufs Schärfste an, dass man den Handel schließt, jedoch wegschaut, wenn sich hunderte Menschen im Freien treffen oder ins Büro müssen. Der neuerliche Lockdown würde beinah eine Milliarde Verdienstausfall bedeuten und zehntausende Arbeitsplätze gefährden.

"Es geht immer mehr Unternehmen immer stärker an die Substanz", so Rainer Will, der Geschäftsführer des Handelsverbands, im PULS 24 Interview. Er reagiert damit auf die neuerliche Verlängerung des Lockdowns in Wien und Niederösterreich. Dort müssen die Geschäfte bis 2. Mai zugesperrt lassen. Burgenland könnte am Mittwoch noch nachziehen. "Es werden zehntausende Arbeitsplätze durch diese Maßnahmen weiter gefährdet und wir werden allein in Wien durch diese Lockdown-Verlängerung knapp eine halbe Milliarde an Umsätzen verlieren. Davon sind drei Viertel unwiederbringlich verloren." Bedauerlich sei das vor allem, weil der Handel kein Corona-Hotspot sei. 

Jeder Vierte kann Rechnungen nicht voll zahlen

Bei zwei Wochen Lockdown-Verlängerung in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wäre eine komplette Milliarde an Umsatzverlusten zu verzeichnen. "Jeder vierte Händler ist bei weitem schon nicht mehr in der Lage seine Rechnungen vollständig zu bezahlen." Der Handelsverband hätte ein wissenschaftliches Fundament vorgeschlagen, denn wie alle Studien bestätigen, wäre nicht der Handel für die steigenden Corona-Zahlen verantwortlich.

Treffen im Prater, "aber wir zerstören unsere Wirtschaft munter weiter"

"Vielleicht sollten wir ans Wochenende zurückdenken, an die Praterwiese, wo hunderte Menschen in Gruppen zusammengesessen sind, den Zwei-Meter-Abstand in keiner Weise eingehalten haben." Die AGES sage, so Will, 84 Prozent der Ansteckungen würden sich im privaten Bereich übertragen. "Aber wir zerstören unsere Wirtschaft munter weiter und glauben, dass wir uns in Sicherheit wiegen." Das wäre die falsche Maßnahme, die sowohl bei Arbeitsplätzen als auch im sozialen und psychologischen Bereich negative Auswirkungen habe. 

Die Händlerinnen und Händler hätten mittlerweile jede Planungsperspektive aufgegeben, denn jede Woche werde "eine Osterruhe verlängert um eine Frühlingsruhe und bald ist die Totenruhe für die Händler und für alle Arbeitsplätze da."

"Offenbar kein Corona" im Büro

Man solle in Kantinen und in Büros ansetzten, wo es "offenbar kein Corona gibt". Auf der Praterwiese, wo alle so täten als gebe es keine Pandemie schaue man weg. Das Ergebnis würde man in den Corona-Fallzahlen sehen. In Zukunft müsse man die falschen politischen Entscheidungen sicher revidieren, doch das sei jetzt keine Hilfe.

Man bräuchte rasche Hilfen. Es könne nicht sein, dass man komplett auf den Schulden sitzen bleibe. Man brauche eine Erhöhung des Ausfallsbonus und Kurzarbeitsboni für den Handel, die es in anderen Branchen bereits gebe. Und das "so rasch, wie die Lockdowns verhängt werden". Davon sei man meilenweit entfernt. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam