Hacker über neue Corona-Maßnahmen: "Werden nötig sein"

20. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Im Newsroom LIVE bei Anchor Thomas Mohr verteidigt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vehement das Fortbestehen der Gratis-Tests, kündigt eine Kombination aus Corona- und Grippeimpfung an rechnet unter Kanzler Schallenberg mit neuen Corona-Maßnahmen.

Mit 3.727 Neuinfektionen am Mittwoch wurde der zweithöchste Wert des Jahres erreicht. Dass der Wert so hoch sei, sei keine Überraschung für den Wiener Gesundheitsstadtrat. "Davon sprechen wir schon die ganze Zeit", es sei die 4. Welle. Nicht erklären könne er sich jedoch, warum manche Regierungsmitglieder bis vergangener Woche der Meinung waren, dass die Pandemie vorbei sei. Deshalb seien in Wien in der Vergangenheit strengere Corona-Regeln erlassen worden. Das sei nicht aus "Jux und Tollerei" passiert. 

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz sei "höchst an der Zeit". Weil man so tief ins Arbeitsrecht eingreife, hätte man dazu den Bund gebraucht. Das habe Monate gedauert. Über die bundesweite Regel sei Hacker "sehr zufrieden". Kontrollieren müssen stichprobenartig die Betriebe, diese wiederum würden stichprobenartig von der Gesundheitsbehörde überprüft, kündige Hacker an.

Hacker weiter für Gratis-Tests

Die Tests müssten bei 3G am Arbeitsplatz weiterhin gratis bleiben. Würde man sie kostenpflichtig machen, würde man "immer die Falschen" treffen. Schlechtverdienern könne man keine zusätzlichen Kosten aufbürden, "wenn's um die Sicherheit des ganzen Landes geht". Würde man das tun, müsste man sich auch überlegen, ob Tests für Schüler kostenpflichtig werden. Das sei "absurd".

Würde ein Nicht-Vorhandensein von Tests die Leute zum Impfen bringen, müsste Oberösterreich eine exzellente Impfquote haben. Das sei nicht der Fall, im Gegenteil. Dort wo es aus geografischen Gründen das schlechteste Testangebot gebe, sei auch die Impfquote am schlechtesten. 

Dass Italien Österreich bei der Impfquote seit Juli um rund zehn Prozent überholt hat, liegt laut Hacker nicht an kostenpflichtigen Tests oder Impfpflicht beim Gesundheitspersonal sondern am deren Corona-Management. Es gebe kein Regierungsmitglied in Italien, das behaupte, die Pandemie sei vorbei oder, so wie Ex-Kanzler Kurz, "Privatsache". 

Grippe- in Kombination mit Corona-Impfung

Auch in Wien gehen die Impfzahlen zurück. Während Anfang Juli noch teils 20.000 Personen pro Tag geimpft wurden, gibt es inzwischen Tage mit weniger als 1.000 neuen Erstimpfungen. Man sei "meilenweit" von den einst guten Zahlen entfernt, gibt Hacker zu. In Wien setze man deshalb verstärkt auf dezentrale Impfungen, etwa in Einkaufszentren oder im Gemeindebau. Man wolle unter anderem Corona-Impfungen auch mit Grippe-Impfungen kombinieren. Am 3. November beginne die Impfaktion, 450.000 Dosen stünden zur Verfügung, die Aktion werde durchgeführt, solange der Impfstoff reicht, theoretisch bis Ende März. Er rechne mit einer starken Grippewelle, weil die im Vorjahr ausgefallen sei. 

"Schwurbler" sollen "ohne Schutzausrüstung" ins Spital

In Wien seien rund sieben Prozent auf den Intensivstationen und rund 15 bis 18 Prozent auf Normalstationen voll geimpft. Dieser Prozentsatz bleibe seit Wochen praktisch gleich. "Schwurbler", die anderes behaupten würden "gehen mir schön langsam schon auf die Nerven", ätzt Hacker und lädt sie ein ohne Schutzausrüstung in Spitälern mitzuarbeiten. "Die sitzen daheim im Homeoffice und verbreiten Weisheiten und verunsichern die Bevölkerung mit Nonsense."

Neue Corona-Maßnahmen

Der Gesundheitsstadtrat hält es durchaus für möglich, dass sich die Corona-Strategie der Regierung unter Bundeskanzler Schallenberg ändert. Am Freitagabend würde eine gemeinsame Sitzung stattfinden. Die Zahlen würden anderes eigentlich nicht zulassen. "Es werden andere Maßnahmen nötig sein."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam