Corona: Mückstein will "zielgerichteter werben" - Ludwig fordert Verschärfung

11. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Während Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein den neuen Stufen-Plan der Regierung verteidigt, fordert Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) eine raschere Umsetzung. Die "sehr stark steigenden Zahlen" würden eigentlich erfordern, dass man die drei geplanten Stufen zusammenfasst und "sehr zeitnah umsetzt", so Ludwig am Samstag.

Nach Kritik am Stufen-Plan verteidigt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) die Maßnahmen mit dem Hinweis darauf, dass Beschlüsse nur umgesetzt würden, wenn sie auf breiter Basis getroffen werden. Dass in Stufe zwei und drei Maßnahmen erst sieben Tage nach Überschreiten der Grenzwerte in Kraft treten - was reihum für viel Kritik gesorgt hat - begründete er damit, dass dies "transparent" sei. Es brauche Zeit, bis die Maßnahmen der Bevölkerung kommuniziert werden können.

Für Mückstein habe die Landtagswahl in Oberösterreich "überhaupt keine Rolle gespielt" beim Beschluss der Corona-Maßnahmen. "Wir brauchen die Länder, damit wir eine hohe Akzeptanz der Impfung erreichen", sagte der Minister im "Ö1-Mittagsjournal".

Man müsse "zielgerichteter werben", um die Durchimpfungsrate zu steigern. Man wolle "zielgruppenorientierter" kommunizieren, um mehr Ungeimpfte zu erreichen. Das Impfen ist nicht nur ein Schutz für sich selber, sondern auch ein Akt der Solidarität", betonte Mückstein erneut.

PULS 24 Politik-Chefreporterin Manuela Raidl analysiert die neuen Corona-Maßnahmen der Regierung und die Reaktionen darauf.

Der am Mittwoch verlautbarte Plan sieht drei Stufen vor, abhängig von der Auslastung der Intensivstationen. Ab 15. September bzw. bei 10 Prozent Intensiv-Auslastung gilt wieder FFP2-Maskenpflicht dort, wo aktuell Mund-Nasenschutz vorgeschrieben ist (also Geschäften für den täglichen Grundbedarf) - und für Ungeimpfte im gesamten Handel. Zudem gilt "3-G" dann schon für Veranstaltungen ab 25 Personen, Antigen-Tests sind nur noch 24 Stunden gültig.

Ludwig fordert "rasche" Umsetzung

Nach den Beratungen der Regierung mit den Landeshauptleuten am Mittwoch hatte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sich - nach Kritik am zu zaghaften Vorgehen im Vorfeld - noch zufrieden gezeigt. "Ich freue mich, dass der konsequente Wiener Weg unterstützt wird", hatte Ludwig da noch das geschnürte Maßnahmenpaket begrüßt. Jetzt ist er hingegen "überzeugt, dass wir sehr viel konsequenter vorgehen müssen". Er glaube, man könne nicht zuwarten, "Einschleifregelungen" seien nicht mehr angebracht, sagte er am Samstag im Ö1-"Mittagsjournal".

Denn die Infektionszahlen würden "in manchen Bereichen explodieren, auch in Spitälern" und unter jungen Menschen. Damit sieht der Bürgermeister den konsequenteren Wiener Weg bestätigt - und drängte die anderen Länder und den Bund, jetzt so schnell wie möglich "österreichweit über die Bundesländergrenzen hinweg" den ganzen Dreistufen-Plan umzusetzen.

Stufe zwei (die Anfang Oktober erwartet wird) tritt sieben Tage nach Überschreiten der 15-Prozent-Auslastung in Kraft: In der Nachtgastronomie und bei Veranstaltungen ohne Sitzplätze mit über 500 Besuchern gilt 2-G, nur Geimpfte oder Genesene dürfen hinein. Sollten mehr als 20 Prozent der Intensivbetten Corona-belegt sein, verlieren - sieben Tage danach - in Stufe drei Antigentests gänzlich ihre Gültigkeit in "3-G"-Bereichen, Zutritt ist nur noch für Geimpfte, Genesene und mit PCR-Test möglich.

FPÖ: "Ludwig führt Wiener in Herbst-Lockdown"

Kritik für Ludwigs Vorstoß kam von der Wiener Ebene: FPÖ-Stadtrat Dominik Nepp warf dem Bürgermeister vor, "die Wienerinnen und Wiener nach dem Osterlockdown auch in den Herbstlockdown führen und wieder zuhause einsperren" zu wollen.

Es sei nicht nachvollziehbar, warum Mückstein an diesem Plan festhalte - der ein "schlechter politischer Kompromiss" und damit "zögerlich, zaudernd und zerfleddert" sei, heißt in einer NEOS-Aussendung.  Nötig wäre ein konsequenter Plan zur Steigerung der Impfrate, meinte NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker.

Quelle: Agenturen