PULS 24

Wien-Wahl 2020: Emotionale Konfrontationen beim großen Duellabend auf PULS 24

05. Okt 2020 · Lesedauer 7 min

Bei den Duellen der Spitzenkandidaten wurde es am Montag auf PULS 24 teils emotional. Nicht nur die Grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein und Heinz-Christian Strache (THC) suchten vergeblich nach Gemeinsamkeiten.

Jeder gegen jeden hieß es am Montagabend auf PULS 24. Die Spitzenkandidaten der Wien-Wahl haben sich bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn und Anchor Thomas Mohr packende Duelle geliefert. ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel sagte kurzfristig ab, weil am Montag ein Corona-Fall im Bundeskanzleramt bekannt geworden war.

Strache vs. Hebein: "Suche nach der Nadel im Heuhaufen"

Im ersten Wortgefecht trat Birgit Hebein (Grüne) gegen Heinz-Christian Strache (Team HC Strache) an. Es ging um das Thema Werte. "Würden wir nach Werten suchen, die uns verbinden, wäre das eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagte Strache zum Auftakt und warf Hebein vor, mit Linksextremen und Anhängern der prokurdischen PKK demonstriert zu haben. Hebein verteidigte sich und betonte, die Vorwürfe seien nicht richtig, sie sei auf einer friedlichen Frauendemonstration in Favoriten gewesen, die von Rechtsextremen angegriffen wurde. Im Gegenzug warf Hebein dem Ex-FPÖ-Politiker die hohen Spesenabrechnungen vor.

Emotional wurde es beim Thema Corona. Straches Umgang mit dem Virus sei "fahrlässig", sagte Hebein. Dieser verteidigte sich und sagte die Maßnahmen der Regierung und der Stadt Wien seien überzogen, Experten mit anderer Meinung würden nicht gehört werden. "Weltweit sind eine Millionen Menschen gestorben. Sie müssen das doch ernst nehmen", zeigte sich Hebein entsetzt.

Ludwig vs. Wiederkehr: Unzureichende Wirtschaftshilfen

Das Duell zwischen Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und NEOS-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr war weit weniger angriffig. Es ging um das Thema Wirtschaft. 

Der NEOS-Spitzenkandidat machte den Auftakt: Wien habe eine hohe Arbeitslosigkeit. Corona-Hilfen seien nicht angekommen. "Auch von Seiten der Stadt sehe ich viel zu langsames Handeln", sagte Wiederkehr. Ludwig konterte: "Wien ist der Wirtschaftsmotor Österreichs." Im Tourismus habe die Bundeshauptstadt durch die Coronakrise starke Einbrüche verzeichnen müssen. Die Stadt habe aber sofort mit wirtschaftlichen Unterstützungen gegengesteuert. Ludwig zeigte sich auch nachgiebig: "Sie haben Recht, wir müssen weitere Maßnahmen setzen."

Analyse: Strache vs. Hebein und Ludwig vs. Wiederkehr

Ludwig vs. Hebein: Verkehr als Hindernis einer Fortsetzung der Koalition?

Beim Duell zwischen Michael Ludwig und Birgit Hebein gerieten die aktuellen Regierungspartner beim Thema Verkehr aneinander. "Wir wissen im Grunde, es geht so nicht mehr weiter", sagte die Vizebürgermeisterin. Es liege ein guter Vorschlag zur autofreien Innenstadt am Tisch. Bürgermeister Ludwig hatte diesem bereits eine Absage erteilt. Er entgegnete, dass viele Interessengruppen in der Innenstadt gegen den Vorschlag seien. Außerdem sei der Verordnungsentwurf nicht verfassungskonform gewesen. 

Hebein glaubt nicht, dass es um das juristische Gutachten gehe. "Ich glaube es ist eine politische Willensfrage", sagte Hebein und zeigte sich hoffnungsvoll, dass die SPÖ nach der Wahl ihre Meinung ändern werde. Zu Regierungskonstellationen nach der Wahl äußerte sich Ludwig, der in allen Umfragen als Wahlsieger gesehen wird, nicht.

Keine Gemeinsamkeiten zwischen Nepp und Wiederkehr bei Migration

Bei Dominik Nepp (FPÖ) und Christoph Wiederkehr (NEOS) ging es um das Thema Migration. Wiederkehr stellte zu Beginn fest, dass die Unterschiede zwischen ihm und Nepp bei diesem Thema nicht größer sein könnten. Die Politik der Freiheitlichen sei "zynisch" und "menschenverachtend". Zur Aufnahme von Flüchtlingen aus griechischen Lagern sagte Wiederkehr: "100 Kinder, das ist eine Kapazität, die wir leicht stemmen können." Nepp fuhr seine gewohnte Verteidigungslinie. "Bevor sie auf die Tränendrüse drücken, wissen sie wie viele Kinder in Wien unter der Armutsgrenze leben?", fragt er. Nepp verwies auf straffällige Ausländer und kritisierte die Migrationspolitik der anderen Parteien. "Hass zu säen ist ihr Geschäftsmodell", antwortete Wiederkehr.

Wiederkehr vs. Strache: Einigkeit bei Kampf gegen Klimakrise

Im Duell Wiederkehr gegen Strache ging es um das Thema Klimakrise. Beide waren sich einig, dass die Klimaerwärmung bekämpft werden müsse. THC-Spitzenkandidat Strache sagte, es brauche dafür kostenlose öffentliche Verkehrsmittel und einen Ausbau der Park-And-Ride-Anlagen. Der NEOS-Spitzenkandidat fand Straches Interesse für die Klimakrise "erstaunlich". Die NEOS würden viel auf lokaler und städtischer Ebene machen wollen. Wiederkehr schlug beispielsweise das Ziel vor, Wien bis 2040 CO2-neutral zu machen. Auch die Forderung Bäche an die Oberfläche zu bringen, betonte Wiederkehr erneut. 

Ludwig vs. Nepp: Streitthema Wohnen

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig diskutierte mit FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp über das Thema Wohnen. Nepp machte den Anfang. Die Stadt habe die Möglichkeit die Abgaben und Gebühren zu senken um leistbaren Wohnraum zu schaffen. "Das Valorisierungsgesetz gehört gestoppt", sagte er. Das würde eine große Entlastung bringen. Ludwig konterte, die Wiener SPÖ kämpfe um eine Änderung des Mietrechtsgesetzes auf Bundesebene. Die FPÖ habe sich in der Regierung dagegen gewehrt. Der Bürgermeister betonte auch, dass der Wiener Gemeindebau eine Errungenschaft der Sozialdemokratie sei. Nepp sagte, die Stadt Wien würde zu wenig neue Gemeindewohnungen bauen. Ludwig wies das zurück.  

Nepp zu Strache: "Du bist Täter"

Das Duell zwischen Nepp und Strache zum Thema Transparenz war wie erwartet angriffig. Strache sieht die Spesenvorwürfe gegen ihn gelassen. "Das wird rasch aufgeklärt werden", sagte er. Nepp wies zurück, etwas von den Vorwürfen des Spesenmissbrauchs gewusst zu haben. "Es ist so, dass du Täter bist", sagte er zu seinem ehemaligen Parteikollegen. Letzterer würde versuchen die Freiheitlichen "anzupatzen".

Strache schrieb sich auf die Fahnen, die FPÖ mit den "richtigen Inhalten" aufgebaut zu haben. FPÖ-Spitzenkandidat Nepp kritisierte Straches "Ich-Ich-Ich-Modell". Nepp und die FPÖ würden hingegen das "Wir" betonen. Die FPÖ würde sich ohnehin als Original durchsetzen. "Du wirst eine ordentliche Überraschung am Sonntag erleben", sagte Strache.

Analyse: Strache vs. Nepp und Hebein vs. Wiederkehr

Hebein vs. Wiederkehr: Große Unterschiede beim Thema Arbeit

Das Thema Arbeit stand bei der Konfrontation zwischen Birgit Hebein und Christoph Wiederkehr im Zentrum. Die NEOS sehen den grünen Vorschlag einer 35-Stunden-Woche nicht sinnvoll. Das würde 400 Millionen Euro kosten, die Wiederkehr besser in der Bildung investiert sieht. Die 35-Stunden-Woche bedeute Entlastung und 70.000 Arbeitsplätze mehr, konterte die grüne Vizebürgermeisterin. "Wirtschaftspolitisch trennen uns sehr viele Wege", sagte sie. Wiederkehr forderte weniger Bürokratie. Um die Arbeitslosigkeit zu senken, sollten Restaurants mit nicht österreichischer Küche auch Lehrlinge ausbilden dürfen. Hebein hingegen will auf Ausbildung und Umschulung setzen, um mehr Menschen für einen Job zu qualifizieren. 

Ruhiges Duell zwischen Ludwig und Strache

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Heinz-Christian Strache duellierten sich zum Thema Corona. Strache sagte: "Wien könnte den Betrieben auch beistehen." Die Stadt Wien habe schnell geholfen und vor allem kleine Unternehmen und Arbeiter unterstützt, sagte Ludwig dazu. Der Bürgermeister sprach sich erneut gegen eine Vorverlegung der Sperrstunde aus.

Strache verteidigte das schwedische Modell, das keine strengen Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen vorsieht. "Die Angst und Panikmache ist der falsche Weg", sagte er. Ludwig kritisierte an dem Modell, dass es "viel mehr Todesfälle gegeben hat".

Nepp zu Hebein: Das ist "reine Autofahrer-Schikaniererei"

Im letzten Duell des Abends trafen Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) und Dominik Nepp (FPÖ) zum Thema Verkehr aufeinander. Die Stadt muss laut Hebein genügend Radwege schaffen und den öffentlichen Raum umverteilen. "Es geht darum, dass wir Alternativen anbieten", sagt die Vizebürgermeisterin. "Das was sie betreiben ist eine reine Autofahrer-Schikaniererei", sagte Nepp zur grünen Verkehrspolitik und warf Hebein vor, Parkplätze "vernichten" zu wollen und Autofahrer zu "sekkieren". Die Vorschläge der FPÖ seien nicht konstruktiv. "Sie sehen eine Lösung in mehr Autos und weniger Ausländer", konterte Hebein. 

Am Dienstag geht das Wien-Wahl-Spezial auf PULS 24 mit der "Krone"-Elefantenrunde weiter. 

Quelle: Redaktion / spe