APA - Austria Presse Agentur

Was Trumps Corona-Erkrankung für die US-Wahl bedeutet

02. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania sind mit dem Coronavirus infiziert. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wahlkampf, sondern auch auf seine Glaubwürdigkeit. Außerdem gehört Trump mit 74 Jahren zur Risikogruppe.

Anstehenden Wahlkampfveranstaltungen des US-Präsidenten Donald Trump sind abgesagt. Das ist nur eine Folge davon, dass Trump und seine Frau Melania  mit dem Coronavirus infiziert sind. Immerhin zählt der Countdown bis zur US-Wahl nur noch 32 Tage. Die heiße Phase. Aber nicht nur für den Wahlkampf, auch für die Glaubwürdigkeit hat diese Entwicklung Einfluss.

Keine Wahlkampfauftritte mehr

Trump wird sich die kommenden Tage in Isolation begeben müssen, damit fallen anstehende Wahlkampfveranstaltungen für ihn vorerst aus. "Das bringt eine ganz neue Dynamik rein", sagt US-Experte Yussi Pick im Interview mit PULS 24 Anchor René Ach.

Jeder Tag, den Trump nicht Wahlkämpfen könne, sei problematisch. "Für einen Kandidaten, der so viele Prozentpunkte hinten liegt, ist jeder Tag kostbar", sagt Pick.

Sollte Trump länger in Quarantäne bleiben, wird er die nächste TV-Debatte am 15. Oktober nicht wahrnehmen können. "Es kann sein, dass die Debatte ein paar Tage verschoben wird", sagt Pick. Dafür bräuchte es die Zustimmung der Demokraten. Der US-Experte glaubt, dass Trump, nach dem Debakel beim ersten Duell, darauf beharren wird an weiteren Debatten teilzunehmen.

Für den demokratischen Spitzenkandidat Joe Biden ist die Reaktion auf Trumps Erkrankung schwierig. Einerseits müsse er ihm gute Genesung wünschen, er könne aber auch nicht zulassen, dass Trump seine Krankheit für den Wahlkampf nütze, sagt Pick. Joe Biden müsse "subtil aber doch auf Trumps Versagen im Corona-Management hinweisen". 

Mittlerweile hat Biden mit einem Tweet auf Trumps Erkrankung reagiert. Seine Ehefrau Jill und er wünschten Donald und Melania Trump eine "rasche Genesung". "Wir werden weiterhin für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten", schreibt der demokratisch Präsidentschaftskandidat. 

Der 77-Jährige Biden wird sich vermutlich auch auf das Coronavirus testen lassen, nachdem er bei der ersten TV-Debatte am Dienstag 90 Minuten ohne Maske mit Donald Trump in einem Raum war. 

Pick glaubt aber nicht, dass Trumps Corona-Erkrankung einen direkten Einfluss auf den Wahlausgang haben wird. "Wenn er gewinnt, dann, weil er es schafft, viele Menschen zu mobilisieren und noch mehr Menschen zu demobilisieren und zu versuchen möglichst wenige Briefwahlstimmen auszuzählen", sagt Pick.

Trump relativierte Gefahren

Trump hat die Gefahr des Coronavirus in der Vergangenheit immer heruntergespielt. Lange Zeit hat er sich geweigert, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen. Er hat Wahlveranstaltungen mit tausenden Personen abgehalten ohne Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Dabei haben sich nachweislich Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Der Republikaner Hermann Cain ist gestorben, nachdem er bei einer Wahlkampfveranstaltung von Trump war.

Dennoch relativiert Trump noch vor wenigen Wochen die Todeszahlen und sagte: "Es betrifft praktisch niemanden". Die Zahlen widersprechen seiner Aussage.

Mehr als 7,2 Millionen Infektionen sind seit Beginn der Pandemie nachgewiesen worden. Mehr als 207.000 Menschen starben in den USA. Das ist die höchste absolute Opferzahl weltweit. Wissenschaftler sagen, die hohe Zahl von Coronatoten in den USA hätte durch konsequente Maßnahmen verhindert werden können.

Trump gehört zur Risikogruppe

Mit 74-Jahren und Übergewicht gehört Donald Trump zur Corona-Risikogruppe. Die Chance an der Krankheit zu sterben und einen schweren Verlauf zu haben ist dadurch höher. Die Chancen auf Genesung stehen statistisch gesehen dennoch gut. Er ist angeblich asymptomatisch erkrankt und genießt die beste ärztliche Betreuung in den USA.

Sein Leibarzt Sean Conley hat bereits mitgeteilt, dass es dem Präsidenten und der First-Lady derzeit gut gehe.

Trump selbst zeigte sich von seinem gesundheitlichen Zustand überzeugt. Vor einem Monat meinte Trump, er habe keine Angst sich anzustecken. "Ich bin überhaupt nicht beunruhigt", sagte er.

Bekannt ist aber auch, dass Trump das Medikament Hydroxychloroquin nimmt, um einer Virusinfektion vorzubeugen. Studien zeigen allerdings, dass das Mittel wirkungslos ist.  

Was ist, wenn Trump schwer krank wird?

Sollte Trump tatsächlich arbeitsunfähig werden, würde Vizepräsident Mike Pence übernehmen. Sollte auch er sich infiziert haben wäre Nancy Pelosi, demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, an der Reihe. Die wohl schlimmste Entwicklung - zumindest aus Sicht von Trump und den Republikanern.

Quelle: Redaktion / spe