APA - Austria Presse Agentur

Warum und für wen Meinungsumfragen gemacht werden

28. Okt 2021 · Lesedauer 2 min

Die Korruptionsaffäre um die ÖVP und Sebastian Kurz löste in den vergangenen Wochen ein Polit-Erdbeben in Österreich aus. Meinungsumfragen rückten ins Zentrum der medialen Diskussion. Laurenz Ennser-Jedenastik, der am Institut für Politikwissenschaft an der Uni Wien zu Themen wie diesen forscht, erklärt den Nutzen solcher Umfragen für Politiker.

Für ihn müsse man zwischen Erhebungen unterschieden, die für die Öffentlichkeit gedacht sind, wie zum Beispiel die klassische Sonntagsfrage, und jenen, die nur parteiintern veröffentlicht werden. Zweitere dienen "strategischen Zwecken, dem Abtesten von Slogans und der Analyse, wie man selbst in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird", so Ennser-Jedenastik.

Parteiinterne Taktiken

Im Fall Kurz spielten parteiinterne Taktiken die Hauptrolle. "Erster Adressat war nicht die Öffentlichkeit", so der Politikwissenschaftler. Ob ähnliche Vorgänge wie im Fall Sebastian Kurz und der ÖVP, ihr wird vorgeworfen, Umfragen frisiert zu haben - es gilt die Unschuldsvermutung - in anderen Parteien vorkommen, sei für Ennser-Jedenastik "unmöglich zu sagen". Jedoch fügt er an: "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, ist das schon ein Level an krimineller Energie, von dem man nicht ausgehen sollte."

Frisierte Umfragen zu erkennen sei selbst für Fachleute schwierig, betont Ennser-Jedenastik: "Solange die Zahlen halbwegs plausibel sind und sich die Institute nicht zu sehr voneinander unterscheiden, kommt man nicht drauf."

Medien spielen große Rolle

Zu den Beschuldigten im konkreten Fall zählen mit Wolfgang und Helmuth Fellner auch zwei Medienmacher - es gilt die Unschuldsvermutung. Die Rolle der Medien in solchen Fällen beschreibt Ennser-Jedenastik wie folgt: "Die Qualität der Umfragen ist zumeist gleichzusetzen mit der Qualität des Mediums." Der Politikwissenschaftler betont zudem, dass den Medien als Auftraggeber der meisten Umfragen eine hohe Verantwortung zukomme und sie gewissermaßen "für Qualität bürgen".

Prinzipiell vermittle der Fall um Meinungsforscherin Beinschab aber ein falsches Bild von der Meinungsforschung, die laut Ennser-Jedenastik in den vergangenen Jahren immer seriöser und besser geworden ist. Ein weiterer Schritt in Richtung Transparenz könnte die Veröffentlichung aller Rohdaten sein, wie es bei öffentlichen Umfragen Gang und Gebe ist. "Das wäre ultimative Transparenz und würde schon sehr weit gehen. Aber Wünschen darf man sich es ja", meint Ennser-Jedenastik.

Maximilian PatakQuelle: Redaktion