Wagner-Chef rekrutiert im Gefängnis: Wer desertiert, wird exekutiert

15. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Jewgeni Prigoschin, Finanzier der Söldner-Gruppe Wagner, rekrutiert in russischen Gefängnissen und verspricht Häftlingen volle Amnestie und den Tod, sollten sie desertieren. Ein US-Thinktank sieht Prigoschin bereits als möglichen nächsten Verteidigungsminister.

"Ich nehme euch lebend, ich bringe euch nicht immer lebend zurück", mit diesen martialischen Worten soll Jewgeni Prigoschin in russischen Gefängnissen rekrutieren. Ein Video der Ansprache kursiert vielfach auf Sozialen Medien. "Wall Street Journal"-Ukraine-Korrespondent Matthew Luxmoore zitiert, dass verurteilten Verbrechern Begnadigungen gegen ihren Einsatz versprochen werden.

Wer desertiert, wird exekutiert

Fünf Minuten Bedenkzeit werde den Häftlingen geboten, sollten sie nach einer Untersuchung für tauglich befunden werden. Deserteure würden erschossen, es gebe keinen Rückzug, kein Zurückbleiben und kein Ergeben. Für die Rekrutierung zugelassen sei jeder zwischen 22 und 50, der körperlich fähig sei. Für Jüngere mache man eine Ausnahme, wenn die Eltern unterschreiben, für Ältere, wenn sie fit genug seien. 

Russen gehen die Soldaten aus

Prigoschin selbst leugnet Verbindungen zum Kreml oder Wagner und klagte auch schon gegen dementsprechende Behauptungen. In seiner Rede soll er sich aber dezidiert als Rekruteur der Söldner-Gruppe bezeichnen. Die Wagner-Gruppe ist seit Beginn des Kriegs in der Ukraine im Einsatz. Ihre werden - auch bei anderen Einsätzen - Kriegsverbrechen und besondere Grausamkeit nachgesagt. 

Die russischen Truppen kämpft - nicht erst seit dem aktuellen Erfolg der ukrainischen Offensive - mit Nachschubproblemen, auch bei den Soldaten. Bisher hat sich der Kreml noch nicht zu einer Generalmobilmachung durchgerungen. Rekrutiert wurde bisher verstärkt auch in den ukrainischen Gebieten Luhansk und Donszk, die bereits seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert werden.

Nächster Verteidigungsminister?

Nach dem Rückzug der Truppen aus der Region Charkiw nimmt der Druck auf Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu ständig zu. Laut "n-tv.de", die sich auf den US-Thinktank "Institute for the Study of War" (ISW) bezieht, wird Jewgeni Prigoschin von Militär-Bloggern in Russland bereits als möglicher Nachfolger gehandelt.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam