APA - Austria Presse Agentur

Waffenruhe in Berg-Karabach offenbar brüchig

10. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

Bereits kurz nach Inkrafttreten der Waffenruhe für die Kaukasus-Region Berg-Karabach am Samstag haben Armenien und Aserbaidschan einander deren Bruch vorgeworfen. Das armenische Verteidigungsministerium in Eriwan beschuldigte Aserbaidschan, eine Siedlung in Armenien beschossen zu haben. Die aserbaidschanische Führung in Baku wiederum behauptete, feindliche Kräfte in Bergkarabach hätten aserbaidschanisches Territorium beschossen.

Armenische Kämpfer in Bergkarabach erklärten, das aserbaidschanische Militär habe nur fünf Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe am Mittag eine neue Offensive gestartet. Beide Konfliktparteien wiesen die Vorwürfe der jeweils anderen Seite zurück. Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew erklärte, die Parteien seien dabei, eine politische Lösung zu finden. Das ließ vermuten, dass die vereinbarte Waffenruhe nicht vollends aufgekündigt ist.

Nach tagelangen Gefechten um die Südkaukasusregion Berg-Karabach ist sie eigentlich seit Samstag 10.00 Uhr MESZ (12.00 Uhr Ortszeit) in Kraft. Die Vereinbarung kam nach stundenlangen Verhandlungen in Moskau unter russischer Vermittlung zustande. Seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen aserbaidschanischen und armenischen Truppen Ende September wurden auf beiden Seiten Hunderte Menschen getötet. Die gegenwärtigen Kämpfe sind die schwersten seit dem Krieg 1991 bis 1994, in dem rund 30.000 Menschen getötet wurden. Der Krieg endete seinerzeit mit einem Waffenstillstand, der allerdings wiederholt verletzt wurde.

In Berg-Karabach im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier. Völkerrechtlich gehört das Gebiet aber zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte. In den Ende September ausgebrochenen Kämpfen sollen Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein. Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, drohte eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Quelle: Agenturen