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Viele Schüler mit Deutschdefizit in Oberösterreichs Städten

05. Feb. 2026 · Lesedauer 5 min

In Österreich hatte zuletzt jedes neunte Volksschulkind Deutschförderbedarf. Am Land, wo es weniger Migration gibt, ist der Anteil dabei wenig überraschend mit knapp vier Prozent deutlich geringer als in den Städten (19) oder in mittel besiedelten Gebieten (10). Den höchsten Anteil an Kindern mit Deutschdefiziten gibt es aber nicht in Wien (20) als einziger Großstadt, sondern in mehreren Städten Oberösterreichs. Das zeigt eine Auswertung der Statistik Austria für die APA.

Am höchsten war der Anteil der Volksschulkinder, die wegen Problemen mit der Unterrichtssprache eine Deutschförderklasse oder -gruppe besuchen mussten, zuletzt mit über 25 Prozent in Wels. In Traun und Linz gab es im Schuljahr 2024/25 mit je 22 Prozent ebenfalls mehr "außerordentliche" Schülerinnen und Schüler als in der Bundeshauptstadt, in Steyr (19) und den Landeshauptstädten Salzburg und Graz (je 18 Prozent) waren es geringfügig weniger. In den Landeshauptstädten Sankt Pölten und Innsbruck wurde zuletzt bei 16 Prozent der Volksschüler davon ausgegangen, dass sie dem Regelunterricht voraussichtlich ohne besondere Förderung nicht folgen können. In Villach und Bregenz waren es 13 Prozent. In den übrigen Städten mit über 25.000 Einwohnern lag der Anteil zwischen zehn und elf Prozent in Baden bzw. Klagenfurt und 14 bzw. 15 Prozent in Leonding und Wiener Neustadt.

In Wien gibt es schon seit Jahren politische Debatten zum Umgang mit dem gestiegenen Anteil an "Außerordentlichen" vor allem in den Volksschulen. 2019/20 mussten dort noch 14 Prozent für maximal zwei Jahre separate Deutschförderklassen oder -kurse besuchen, weil sie beim Einstufungstest MIKA-D "ungenügend" oder "mangelhaft" abgeschnitten haben. Zuletzt war es jedes fünfte Kind. Die Einstufung findet üblicherweise bei der Einschulung statt, die überwiegende Zahl der "Außerordentlichen" konzentriert sich deshalb auf die ersten Volksschulklassen. Unter den Schulanfängern in der ersten Klasse bzw. Vorschule hatte in Wien zuletzt die Hälfte einen "außerordentlichen" Status, wobei die Mehrheit schon in Österreich geboren wurde und mehrere Jahre einen Kindergarten besucht hat.

Im Fünf-Jahres-Vergleich sind die Anteile an "Außerordentlichen" in allen 19 Städten mit über 25.000 Einwohnern um einige Prozentpunkte gestiegen, das Plus von 14 auf 19 Prozent ist im dicht besiedelten Raum im Österreich-Schnitt größer ausgefallen als abseits von Ballungsräumen. In absoluten Zahlen kommt Wien unter den Städten aufgrund seiner Größe auf die mit Abstand meisten Kinder mit Deutschförderbedarf (16.600), in Linz waren es zuletzt knapp 1.900, in Salzburg 1.000 und in Wels und Innsbruck rund 700.

Dass sich die Verteilung der Schüler mit Förderbedarf je nach Einzugsgebiet der Schule noch einmal deutlich unterscheiden kann, zeigen die Detailergebnisse der 23 Wiener Bezirke. Während im Durchschnitt zuletzt rund 20 Prozent der Volksschüler Deutschförderbedarf hatten, waren es in bürgerlichen Bezirken wie Wieden, der Josefstadt oder Währing nicht einmal zehn Prozent. In Bezirken mit vielen Zuwanderern wie Margareten, Favoriten oder der Brigittenau wurde unterdessen bei rund einem Drittel der Volksschüler Defizite festgestellt.

Aus Wissenschaft und Praxis gab es wiederholt Kritik am halbjährlichen MIKA-D-Test, über den seit Einführung der verpflichtenden separaten Deutschförderklassen 2018/19 der "außerordentliche" Status vergeben wird. Dieser sei nicht geeignet, um herauszufinden, ob die Deutschkenntnisse der Kinder bzw. jugendlichen Quereinsteiger reichen, um dem Unterricht folgen zu können. Im Vorjahr wurde schließlich eine Ergänzungsskala für jene Fälle eingeführt, in denen Schüler laut MIKA-D den Aufstieg in die Regelklasse knapp verfehlt haben. Für nächsten Herbst sind weitere Neuerungen angekündigt, um den Test treffsicherer zu machen. Geplant ist eine weiterentwickelte Version u.a. mit zusätzlichen Fragen für die 3. und 4. Klasse Volksschule und die Mittelschule, also für Kinder, die als Quereinsteiger zu einem späteren Zeitpunkt in das österreichische Schulsystem kommen.

Welser Bürgermeister kritisiert Bund

Für den Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) sind die Zahlen "schockierend", würden aber auch "den restriktiven Integrationskurs der FPÖ in Wels" bestätigen. Die Stadt habe bereits vor Jahren begonnen, die Sprachförderung in den Kindergärten massiv auszubauen. "Insgesamt sind in Wels über 50 Sprachpädagogen im Einsatz." In der Pflicht sieht er vielmehr den Bund: "Die Bundesregierung ist trotz dieses allseits bekannten Problems nach wie vor untätig. Damit werden die Integrationsprobleme verschärft, die Zukunft der Kinder gefährdet", so Rabl, der verpflichtende Deutschförderkurse am Nachmittag, eine verpflichtende Deutsch-Sommerschule im August, Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr für alle Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen, frühere Sprachstandfeststellungen und Sanktionen bis hin zur Streichung von Familienleistungen fordert.

Der oberösterreichische SPÖ-Chef Martin Winkler nahm die aktuellen Zahlen zum Anlass für eine Abrechnung mit ÖVP und FPÖ im Land. Er ortete in einer Aussendung "billigen Populismus statt wirkungsvoller Maßnahmen für bessere Integration und Bildung". Im blau regierten Wels zeige sich, dass die FPÖ kein Interesse an Sachpolitik und echten Lösungen habe. Unter Bürgermeister Andreas Rabl seien die Probleme mehr statt weniger geworden, so Winkler. "Leider nimmt sich die ÖVP die Falschen zum Vorbild." Von der Landesregierung forderte er "Optimierungen und Anpassungen" statt einer Kürzung der Mittel.

Zusammenfassung
  • In Städten Oberösterreichs wie Wels (über 25 Prozent), Traun und Linz (je 22 Prozent) ist der Anteil der Volksschulkinder mit Deutschförderbedarf höher als in Wien (20 Prozent) und anderen Großstädten.
  • In Wien hat zuletzt jedes fünfte Volksschulkind Deutschdefizite, bei den Schulanfängern sogar die Hälfte, wobei die Mehrheit dieser Kinder in Österreich geboren wurde und einen Kindergarten besucht hat.
  • Österreichweit ist der Anteil an Kindern mit Deutschförderbedarf in den letzten fünf Jahren in allen Städten mit über 25.000 Einwohnern gestiegen, im dicht besiedelten Raum von 14 auf 19 Prozent.
  • Der MIKA-D-Test zur Feststellung des Deutschförderbedarfs steht wegen mangelnder Aussagekraft in der Kritik und soll ab Herbst 2025 überarbeitet werden.
  • Politisch fordern der Welser Bürgermeister strengere Maßnahmen vom Bund, während die SPÖ mehr Mittel und echte Integrationsmaßnahmen verlangt.