Screenshot/Reddit/Telegram

Video veröffentlicht: So lief Ludwigs Gespräch mit Fake-Klitschko

09. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist vor einigen Wochen auf ein russisches Comedy-Duo hereingefallen, das sich als sein Kiewer Amtskollege Vitali Klitschko ausgab. Nun haben sie ein zehnminütiges Video des Gesprächs veröffentlicht.

Im Juni diesen Jahres fielen mehrere Politiker und Prominente auf ein russisches Komiker-Duo herein, die sich in Telefon- und Videogesprächen mittels sogenannter "Deep Fakes" als Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko oder als ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj ausgaben. Mehrere Bürgermeister und Prominente, darunter etwa Schriftsteller Stephen King, ließen sich dabei zu peinlichen Aussagen hinreißen. Das Ziel des Komiker-Duos ist klar Stimmungsmache im Ukraine-Krieg und wird von der russischen Propaganda auch dementsprechend ausgeschlachtet.

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Auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) fiel auf den flaschen Klitschko herein. Während andere Politiker Verdacht schöpften und das Gespräch abbrachen, sprach das Bürgermeisterbüro bis zur Enthüllung von einem anregenden Gespräch, das insgesamt eine halbe Stunde gedauert haben soll.

Am Dienstag veröffentlichte das russische Duo "Vovan und Lexus" ein Video vom Gespräch mit dem Wiener Bürgermeister auf ihrem Telegram-Kanal und dem Foren-Portal Reddit. Während etwa die FPÖ vorab bereits von einem "persönlichen Ibiza" sprach, wich Ludwig in dem knapp zehnminütigen Clip den Versuchen der russischen Komiker, ihn zu peinlichen Aussagen oder Aktionen zu verleiten, weitgehend aus.

Ludwig wich Forderungen von Fake-Klitschko aus

So antwortete Ludwig auf die Klagen des falschen Klitschko über putintreue Russen in Wien zwar, dass es sich dabei um "reiche aber nur wenige Personen" handle. Bei dessen Vorschlag die reichen Russen in Wien zu enteignen, verwies der Bürgermeister aber auf die EU, die Sanktionen zu beschließen habe.

Auf die Aufforderung, ein Fest für den ukrainischen Nationalisten und NS-Kollaborateur Stepan Bandera in der Staatsoper zu geben "um es den Russen zu zeigen", reagierte Ludwig mit Skepsis und Unwissenheit. Er kenne den Namen nicht, sagte er und blickte dabei mehrmals zur Seite, offenbar zu seinen Mitarbeitern. Auch den Wunsch, zu springen und "Hoch lebe die Ukraine" zu rufen, ignorierte der Wiener Bürgermeister ebenso wie die Aufforderung, mit einer ukrainischen Fahne auf seinem Schreibtisch zu wedeln.

Allgemein steht dem Bürgermeister mehrmals die Skepsis ins Gesicht geschrieben. Immer wieder blickt er während des Gesprächs zur Seite zu seinen Mitarbeitern. Ausreichendes Misstrauen, um seinen Gesprächspartner kritisch zu hinterfragen oder gar das Gespräch abzubrechen, scheint das seltsame Gespräch bei Ludwig aber nicht geweckt zu haben.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos