APA - Austria Presse Agentur

Verstehen Sie Koglerisch?

18. Sept 2020 · Lesedauer 6 min

Vizekanzler Werner Kogler kann sehr lange und komplizierte Reden halten. Am Ende ist nicht immer klar, was er uns damit sagen will. PULS 24 hat deshalb einige seiner Aussagen für Sie übersetzt.

In einem Punkt könnten Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nicht weiter voneinander entfernt sein. Gemeint ist nicht die Haltung zur Aufnahme von Flüchtlingen, sondern die Rhetorik der beiden Politiker.

Während Kurz seine Worte stets mit Bedacht und rhetorisch korrekt (fast einstudiert) wählt, spricht Kogler frei aus dem Bauch heraus. Dabei entstehen oftmals verschachtelte und komplizierte Satzkonstruktionen. Versteht dabei überhaupt noch jemand, was uns der Vizekanzler sagen will?

Die Regierungs-Pressekonferenz am Donnerstag war wieder ein Paradebeispiel für die "koglerischen Sprachverwirrungen". PULS 24 hat deshalb einige Aussagen des Viezkanzlers transkribiert und für Sie übersetzt.

"Nach wie vor gibt es die Appelle zum Einhalten und Empfehlungen, der Maßnahmen und Empfehlungen, Regeln für die sozialen Kontakte, die ja noch stattfinden können und sollen. Insgesamt sollen sie aber verringert werden, weil das, wie wir aus allen epidemiologischen und mathematischen Studien wissen, das eine große Chance ist, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus' tatsächlich drastisch zu reduzieren und, dass wir irgendwann wieder einen Hügel, einen Peak erreichen von der jetzigen Entwicklung. Deshalb diese Maßnahmen. Das ist uns ja schon zum Teil vertraut."

Übersetzt: Halten Sie sich weiterhin an die Maßnahmen der Regierung und verringern Sie die sozialen Kontakte. Damit helfen sie die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

"Das andere ist, man sieht auch, dass ja im Gesundheitssystembereich mit Verzögerung von einigen Wochen, die Zahlen zu steigen beginnen. Das ist erstens, weil sich das wieder zu auch jetzt schon wieder älteren Personen, wenn sie so wollen, durchringt. Das ist das eine und das zweite ist, weil es grundsätzlich einen Zeitverzögerungseffekt gibt. Wir werden das genau im Auge haben, das hat uns ja vor allem im Frühjahr geleitet."

Übersetzt: Die Zahlen steigen auch im Gesundheitsbereich und bei älteren Menschen wieder.

"Aber ich finde, das ist sehr sehr zutreffend, was der Bundeskanzler sagt, bezughabend auf das Sozialleben, das Wirtschaftsleben. Also die Wirtschaft und die Beschäftigung. Und wenn wir, wenn wir es schaffen, das Infektionsgeschehen halbwegs im Griff zu behalten, dann wird es hier nicht zu so dramatischen Einschlägen kommen, wie wir das von früher her gewohnt sind. Und das ist wirklich ganz ganz wichtig und da geht es eben auch um die Verantwortung noch einmal. Oder um den Wirtschaftskammerpräsidenten zu zitieren an der Stelle: 'Von der Hirnlosigkeit von wenigen, ist es ein gar nicht so langer Weg zur Arbeitslosigkeit von vielen.' Also das treibt uns an: Gesundheitssystem aufrechterhalten, Funktionsfähigkeit, aber auch die Beschäftigungs- und die Wirtschaftslage."

Übersetzt: Halten Sie sich an die Maßnahmen, dann können wir einen zweiten Lockdown verhindern. 

"Im Sport- und Kulturbereich allerdings, wurde ja vom Frühjahr heraus, in den Sommer hinein, ganz ganz viel in die Sicherheitskonzepte investiert. Deshalb bleibt es bei den maximalen Obergrenzen. Bitteschön nochmal, das sind maximale Obergrenzen von Outdoor 3.000 und Indoor 1.500. Da haben wir ja auch Erfahrungen gemacht, wie gut das gehen kann, beginnend bei den Salzburger Festspielen, aber auch bei den großen Häusern im Bund. Einige von uns waren ja auch bei den jeweiligen Premieren in der Oper, im Burgtheater aber auch durchaus bei den privaten Kulturbetreibern und –veranstaltern, die ihrerseits diese Präsentationskonzepte vorlegen, die ja von der Behörde genehmigt werden müssen, von der jeweiligen regionalen Gesundheitsbehörde. Das scheint auch eine gute Zusammenarbeit zu sein, jedenfalls, es kann sich das Ergebnis wirklich sehen lassen und deshalb dieser Schritt. Die regionale Gesundheitsbehörde hat aber die Möglichkeit, weil es maximale Obergrenzen sind, wenn es notwendig ist, weil Abstandsregeln nicht unbedingt leicht eingehalten werden können oder andere Hindernisse hier sind, um das entsprechen zu gestalten, diese Zahl ja entsprechend zu reduzieren. Das hängt eben von den Gegebenheiten ab und auch hier wieder die regionale Komponente, von der wir schon öfter gesprochen haben."

Übersetzt: Die Personenobergrenze bei Veranstaltungen bleibt wie bisher - sofern Veranstalter funktionierende Sicherheitskonzepte haben. Regionale Gesundheitsbehörden müssen diese Konzepte genehmigen und können die Obergrenzen, wenn nötig, herabsetzen.

Hier eine besondere lange Passage aus der gestrigen Ansprache:

"Wir haben da jetzt auch gesehen, dass das ja bei Fußballspielen mit der beginnenden Meisterschaft auch in anderen Sportbereichen ganz gut funktioniert. Wir stellen im Übrigen fest, dass es kaum Ansteckungen gibt offensichtlich, auch nach den Berichten gestern, auf einem Fußballplatz, im sportlichen Geschehen oder in der Sportausübung als solcher. Das schaut sehr gut aus. Ich habe auch gestern die Zahlen vom ÖFB diesbezüglich präsentiert bekommen, die die ich selber noch publizieren werde, und das deckt sich genau mit den Berichten, die wir gestern bekommen haben. Aber was es schon gibt, aber es gibt ein großes Aber. Und da möchte ich wirklich einen Appell daran knüpfen, dass wir diese hohen Zahlen für die Zuseherinnen und Zuseher und Fans aufrechterhalten können. Wir haben im Winter ein Après-Ski erlebt. Was heißt das? Das ist ja auch irgendwie logisch, man hat sich's ja damals schon denken können, dass sich diese exorbitante Ausbreitungsgeschwindigkeit sicher nicht über die Pisten eingeschlichen hat und die Viren von dort gesprungen sind und auch nicht unbedingt vielleicht am Sessellift, in der Liftgondel schon eher, aber sie wissen ja worauf das jetzt hinausläuft, mit Sicherheit beim Après-Ski. Das ist ja nun nichts Neues. Gestern wurde schon der Begriff geprägt 'Après-Soccer', ich möchte sagen 'Après-Fußball', da gilt jetzt ganz das gleiche, da muss man schon aufpassen und deshalb auch der Appell auch von mir, als leidenschaftlichen Fußball-Fan, dass es echt drauf ankommt, was auch nachher, bei den kleinen Vereinen auch, in den Kantinen passiert, wenn das Spiel zu Ende ist, da gibt es natürlich Hinweise, dass es hier zu Infektionen gekommen ist und klassisch jetzt 'Après-Fußball', wenn man sich dann in die Gastronomie begibt und ähnliches mehr oder vielleicht noch eine kleine Festivität anschließend neben dem Fußballplatz oder auch bei den größeren Stadien, das hat ja wirklich ganz gut funktioniert, denke ich, ihr habt das ja auch beobachten dürfen, aber nachher gilt eben das, was sonst auch im privaten Leben gilt, man muss aufpassen und soll nicht in großen Gruppen eng nebeneinander stehen, konsumieren, laut sprechen, et cetera, da gelten dann genau diese Einschränkungen natürlich wieder aber ich appelliere auch daran, dass sich wirklich alle daran halten, dann können wir das aufrechterhalten. Also es liegt an den Besucherinnen und Besuchern bei den Kulturveranstaltungen, bei den Fans im Sport, dass das so weitergehen kann."

Übersetzt: Sie sollen sich an die Corona-Maßnahmen halten, egal ob beim Sport, nach dem Sport oder im privaten Bereich. Sie können auch weiterhin zum Fußball-Match und ins Theater gehen, solange Sie danach nicht eng umschlugen und laut grölend mit anderen Menschen feiern.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe