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Van der Bellen "tief berührt": Trauer um Papst Benedikt XVI.

31. Dez. 2022 · Lesedauer 7 min

Am Samstag verstarb der emeritierte Papst Benedikt XVI. In Wien läutete die Pummerin, in Österreich die Glocken der Domkirchen, Fahnen wurden auf Halbmast gesetzt. In Österreich kondolierten Bundespräsident, Bundeskanzler und hohe geistliche Würdenträger, international äußerte sich neben Ursula von der Leyen auch Wladimir Putin.

Als Zeichen der Trauer über den Tod des emeritierten Papstes läutete nach Bekanntwerden des Todes die Pummerin des Wiener Stephansdoms für fünf Minuten. Auch die Glocken der Domkirchen in ganz Österreich stimmten in das Trauergeläut ein, wie die Österreichische Bischofskonferenz gegenüber Kathpress bestätigte.

Auch das offizielle Österreich trauert um Benedikt XVI. Auf den Dächer von Präsidentschaftskanzlei, Bundeskanzleramt, Parlament und Außenministerium wurden am Samstag die österreichische Flagge auf halbmast gesetzt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich "tief berührt" vom Ableben Benedikts XVI., der Österreich in besonderer Weise verbunden gewesen sei. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) würdigte den Verstorbenen als "bemerkenswerte historische Persönlichkeit" und als "großen Gelehrten schon in jungen Jahren".

Van der Bellen "tief berührt"

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen teilte über Twitter mit, dass die österreichische Flagge auf dem Dach der Präsidentschaftskanzlei auf Halbmast gesetzt wird. "Tief berührt habe ich vom Ableben des emeritierten Papstes Benedikt XVI. erfahren. Er war Österreich in besonderer Weise verbunden. Im Namen der Republik und auch persönlich möchte ich heute meine tiefempfundene Anteilnahme aussprechen. Durch seine neutrale und diskrete Vermittlung in zahlreichen Krisensituationen hat Benedikt XVI. die Außenpolitik des Heiligen Stuhls nachhaltig geprägt. Und ganz besonders hat er die Bedeutung des Dialogs der Religionen und Kulturen stets in den Vordergrund gestellt", teilte der Bundespräsident auf Twitter mit. 

"Gemeinsam trauern wir Katholikinnen und Katholiken um em. Papst Benedikt XVI.", twitterte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Den verstorbenen früheren Papst würdigte Nehammer als "bemerkenswerte historische Persönlichkeit" und "großen Gelehrten schon in jungen Jahren".
 

Scholz trauert um "deutschen" Papst

Deutschland trauert um den ersten deutsche Papst seit fast 500 Jahren. Mit dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verliere die Welt "eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen", sagte der deutsche Kanzler am Samstag. "Als "deutscher" Papst war Benedikt XVI. für viele nicht nur hierzulande ein besonderer Kirchenführer", schrieb der SPD-Politiker am Samstag auf Twitter.

Papst Benedikt XVI. ist tot

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ordnete Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden im Freistaat an. "Wir trauern um unseren bayerischen Papst", erklärte Söder in München. Der Tod von Benedikt XVI. berühre ihn genau wie viele Menschen in Bayern und aller Welt sehr. Mit Benedikt verliere die Gesellschaft einen überzeugungsstarken Repräsentanten der katholischen Kirche sowie einen der einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts, so Söder. 

Schönborn: "Begleiter und Vorbild"

Wiens Kardinal Christoph Schönborn gilt als jahrelanger enger Vertrauter Benedikts seit dessen Jahren als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Nach seinem Tod bezeichnete er Ratzinger am Samstag einen "Begleiter und Vorbild" als Theologe, Priester und Bischof und gedachte seiner mit unter anderem persönlichen Fotos mit dem ehemaligen Pontifex. 

Dank und Würdigung für den am Samstag verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, ausgesprochen. Joseph Ratzinger/Papst Benedikt sei in allen ihn übertragenen Aufgaben - vom Professor und Erzbischof bis hin zum Kardinal und Papsttum - stets ein "gläubiger Theologe mit einem tiefen und feinen Gespür für Wahrheit" geblieben, schrieb der Salzburger Erzbischof in einer ersten Reaktion auf die Nachricht des Todes laut Aussendung von kathpress. Als sein Vermächtnis bleibe vor allem "seine Liebe zur Kirche und ihrer Lehre", habe er es sich doch immer darum bemüht, "den Glauben der einfachen Gläubigen zu schützen und zu bewahren".

Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl würdigte Benedikt XVI. für dessen Demut und Intellekt: "Erlebt habe ich ihn als stets auf Gott schauend, der ihn nunmehr heim gerufen hat. Zudem war Benedikt XVI. ein großartiger Theologe, der uns viele interessante Gedanken und Bücher hinterlassen hat." Josef Marketz in Kärnten sprach von einem "charismatischen Papst mit Tiefgang und Souveränität".

Der frühere Grazer und Klagenfurter Diözesanbischof Egon Kapellari meinte, Benedikt habe gegen einen von manchen Beobachtern festgestellten "Abschied der Welt vom Christentum" gewirkt - und zwar in komplementärer, sich ergänzender Form zu seinem Nachfolger, Papst Franziskus. Im deutschen Sprachraum dominiere in der Auseinandersetzung um den Reformprozess "Synodaler Weg" zwar Enttäuschung über Ratzingers Leben und Wirken, doch gebe es auch "niveauvolle Kritik an solcher Kritik - und manche Enttäuschung wird später als Befreiung von Täuschung erfahren werden", meinte er.

Rücktritt "epochaler Entschluss"

Mit seinem Rücktritt als Papst habe Benedikt XVI. "dem Bild des Papsttums neue Humanität verliehen", so der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka in einer ersten Reaktion. "Sein epochaler Entschluss, zum 28. Februar 2013 auf sein Amt als Papst zu verzichten, bezeugt eine freie Demut im Amtsverständnis, die man aus evangelischer Sicht voll Hochachtung und Respekt wahrnimmt." Er fügte differenzierter in seiner Bilanz hinzu: "In seiner Amtszeit als Papst galt seine Aufmerksamkeit mehr einer Vertiefung des katholischen Selbstverständnisses und weniger der Weiterentwicklung des ökumenisches Gesprächs."

Der Tod sorgte auch für zahlreiche internationale Reaktionen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach allen Katholiken ihr Beileid aus. Mit seinem Rücktritt vom Papstamt 2013 habe Benedikt ein starkes Signal gesetzt, schrieb von der Leyen im Kurznachrichtendienst Twitter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte den früheren Papst als Verfechter für eine brüderlichere Welt.

Putin: "Verteidiger traditioneller christlicher Werte"

Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte den verstorbenen Benedikt XVI. als "Verteidiger traditioneller christlicher Werte". "Benedikt XVI. war eine herausragende religiöse und staatliche Persönlichkeit", erklärte Putin am Samstag in einem vom Kreml veröffentlichten Kondolenzschreiben an Papst Franziskus.

Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill, würdigte Benedikt XVI. als "herausragenden Theologen" und Verfechter "traditioneller Werte". "Die unbestreitbare Autorität Benedikts XVI. als bedeutender Theologe ermöglichte es ihm, einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der zwischenchristlichen Zusammenarbeit, zum Zeugnis für Christus in einer säkularisierten Welt und zur Verteidigung der traditionellen moralischen Werte zu leisten", schrieb Patriarch Kyrill in einer Erklärung.

Meloni: "Gigant des Glaubens"

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni würdigte Benedikt XVI. als "Gigant des Glaubens und der Vernunft". "Er war ein Mensch, der sein Leben in den Dienst der Weltkirche gestellt hat und mit der geistigen, kulturellen und intellektuellen Tiefe seines Lehramtes die Herzen der Menschen angesprochen hat", so Meloni in sozialen Netzwerken.

"Benedikt war ein Christ, ein Pastor, ein Theologe: Ein großer Mann, den die Geschichte nicht vergessen wird", so Meloni, die in einem Schreiben an Papst Franziskus ihre Trauer für den Tod des emeritierten Pontifex ausdrückte.

Das italienische Staatsoberhaupt Sergio Mattarella kondolierte dem Vatikan wegen Benedikts Tod. "Er war ein Intellektueller der stets den Dialog im Auge hatte", so der Präsident laut Rai 1.

Auch der italienische Außenminister Antonio Tajani trauert um Joseph Ratzinger. "Ich bin sehr traurig über den Tod von Benedikt XVI. Er war ein großer Papst und ein großer Theologe. Ich schätze seine Lehren und seine Art, den Glauben zu erklären. Ich werde seine Worte zur Verteidigung der christlichen Wurzeln Europas immer in meinem Herzen tragen", so Tajani auf Twitter.

Dieser Artikel wird ständig aktualisiert. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam