Papst Benedikt XVI. ist gestorben - Begräbnis am 5. Jänner

31. Dez. 2022 · Lesedauer 6 min

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am Samstag im Alter von 95 Jahren im Vatikan gestorben, wie der Heilige Stuhl bekannt gab. Die Trauerzeremonie ist für Donnerstag um 9.30 Uhr geplant.

"Mit Trauer teile ich mit, dass der emeritierte Papst Benedikt XVI. heute um 9.34 Uhr im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan verstorben ist", erklärte der vatikanische Pressesprecher Matteo Bruni. Ab Montag soll der verstorbene frühere Papst im Petersdom aufgebahrt werden, hieß es. 

Die Trauerzeremonie ist am Donnerstag um 9.30 Uhr geplant. Papst Franziskus wird die Trauerzeremonie im Petersdom leiten. 

Pummerin und Domkirchen läuten fünf Minuten

Als Zeichen der Trauer über den Tod des emeritierten Papstes läutete die Pummerin des Wiener Stephansdoms für fünf Minuten. Auch die Glocken der Domkirchen in ganz Österreich stimmten in das Trauergeläut ein.

Kardinal Christoph Schönborn erklärte auf Twitter, er denke "mit großer Dankbarkeit" an Papst Benedikt, mit dem er jahrzehntelang verbunden gewesen sei. "Er war mir als Theologe, Priester und Bischof ein Begleiter und Vorbild. Nun darf er die Freundschaft Jesu, die er verkündet hat, in Fülle erfahren".

Zuletzt hatte sich der Gesundheitszustand des 95-Jährigen verschlechtert. Weltweit hatten in den vergangenen Tagen Gebete für den emeritierten Papst stattgefunden. Mit einer Messe in der Lateranbasilika hatte die Diözese Rom am Freitagabend ihres ehemaligen Bischofs und Papstes gedacht. Für Benedikt XVI. wurde auch im Wallfahrtsort Fatima sowie in Lateinamerika gebetet.

Bei der Generalaudienz am Mittwoch hatte Papst Franziskus über den sich verschlechterten Gesundheitszustand des ehemaligen Kirchenoberhaupts berichtet.

Acht Jahre als Papst

Joseph Ratzinger wirkte von 2005 bis 2013 als Oberhaupt der katholischen Kirche. Der freiwillige Rückzug des stets konservativ agierenden Deutschen bedeutete historisch eine große Ausnahme.

Der 1927 als Joseph Ratzinger geborene Geistliche war vom 19. April 2005 bis zum 28. Februar 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche. Er war damit der erste deutschsprachige Papst seit fast 500 Jahren.

Zuvor war Ratzinger  von 1982 bis 2005, mehr als 23 Jahre lang, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation gewesen - in dieser Rolle wachte Ratzinger über die Glaubenslehre der katholischen Kirche. Ratzinger galt in diesen Jahren als Vertrauter des polnischen Papstes Johannes Paul II., dem er nach dessen Tod nachfolgte. Von 1977 bis 1982 war Ratzinger außerdem Erzbischof von München und Freising gewesen.

Galionsfigur der Ultra-Konservativen

Benedikt erwarb sich in seinen verschiedenen Aufgaben - auch innerhalb von Kirchenkreisen - den Ruf eines Konservativen. In der Öffentlichkeit stieß auch sein Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche auf Kritik. Benedikt XVI. trat zwar als entschiedener Aufklärer solcher Verbrechen auf, dieses Bild wurde aber unter anderem durch seine Ära als Erzbischof von München und Freising erschüttert.

Ratzinger kam am 26. April 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn zur Welt. Im Jahr 1951 wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Georg in Freising zum Priester geweiht. Seine Beiträge zum Zweiten Vatikanischen Konzil brachten Joseph Ratzinger Anfang der 1960er Jahre den Ruf als herausragender geistlicher Intellektueller ein. Für viele galt der Deutsche später aber auch als Sinnbild für die Krise der katholischen Kirche: Er vertrat eine konservative Lehre, mit der viele Menschen in Europa heute wenig anfangen können.

Als Präfekt der Glaubenskongregation trat Ratzinger für das priesterliche Zölibat, gegen die in Lateinamerika entstandene Befreiungstheologie und gegen die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen auf. 1998 ordnete er allerdings die Öffnung der zuvor streng geheimen Archive der Inquisition an, also der Dokumentation jener dunklen Zeit, als die Kirche sogenannte Ketzer verfolgen, foltern und hinrichten ließ.

Papst Benedikt XVI.dpa/dpaweb/dpa/POOL/A3730 Federico Gambarini

Papst Benedikt XVI. beim Besuch des Weltjugendtages in Köln im August 2005

Kritik an Umgang mit sexuellem Missbrauch

Sein eigener Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese München und Freising brachte Ratzinger bis ins hohe Alter Kritik ein. So warf ein umfangreiches Gutachten im Jänner 2022 einen Schatten auf das Wirken des späteren Kirchenoberhaupts. Dieses Gutachten zu sexuellem Missbrauch in dem bayerischen Erzbistum wurde wegen der Rolle Ratzingers zum Gegenstand öffentlicher Debatten, insbesondere in Deutschland.

Das Papier war vom Erzbistum München und Freising im Jahr 2020 in Auftrag gegeben worden. Eine Münchner Rechtsanwaltskanzlei untersuchte Fälle sexuellen Missbrauchs in dem Erzbistum von 1945 bis 2019, also auch die Jahre 1977 bis 1982, als der spätere Papst als Erzbischof von München und Freising wirkte.

82-Seiten-Stellungnahme

In dieser Zeit kam es zu einem der schwersten Missbrauchsfälle im Einflussbereich des Erzbistums. Das Verhalten Ratzingers in seiner Zeit als Münchner Erzbischof müsse neu bewertet werden, bilanzierte eine Gutachterin im Jänner. Der Fall: Der Priester Peter H. war aus der Stadt Essen nach München versetzt worden, nachdem er dort bereits Kinder missbraucht hatte. Auf dem Gebiet des Erzbistums München und Freising beging H. erneut Übergriffe und wurde dafür 1986 auch strafrechtlich verurteilt.

Im Dezember 2021 schickte Ratzinger eine 82 Seiten lange Stellungnahme an jene Münchner Kanzlei, die das Missbrauchsgutachten erstellte. "Benedikts Verteidigungslinie lautet fast durchgehend: 'Ich hatte keine Kenntnis'", fasste die "Süddeutsche Zeitung" die Antworten im Jänner 2022 zusammen. Der frühere Papst sei zu "wenig Selbstkritik" bereit.

Benedikts Rolle neu beleuchtet

Nicht nur die Jahre 1977 bis 1982, sondern auch Benedikts 82-seitige Stellungnahme wurde Anfang des Jahres von der Öffentlichkeit daher kontrovers diskutiert. Denn Benedikt behauptete zunächst, dass er bei jener Sitzung am 15. Jänner 1980 nicht dabei gewesen sei, als die Kleriker über den Einsatz des vorbelasteten Priesters berieten. Die Gutachter sagten dazu, das sei "wenig glaubwürdig". Sie lieferten auch eine Begründung: So zitierte einer der Gutachter, Ulrich Wastl, aus dem Protokoll der damaligen Sitzung. Laut diesem Protokoll hatte Benedikt in dieser Sitzung von einer Trauerfeier und einem Gespräch des Papstes Johannes Paul II. mit deutschen Bischöfen berichtet - und damit natürlich auch an der Sitzung teilgenommen.

Daraufhin korrigierte der emeritierte Papst die diesbezügliche Aussage in seinem 82-seitigen Schreiben: Benedikts Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, erklärte, dass dieser doch an der Sitzung am 15. Jänner 1980 teilgenommen habe. Der emeritierte Papst wolle aber betonen, dass die falsche Auskunft nicht aus böser Absicht geschehen sei, sondern Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme gewesen sei.

Historischer Rücktritt

Im Februar 2013 kündigte Benedikt XVI. an, er wolle als Papst zurücktreten. Aus eigener Entscheidung war davor zuletzt im Jahr 1294 ein Papst aus dem Amt geschieden, und zwar Coelestin V. Seit seinem Rückzug von der Spitze der katholischen Kirche lebte Benedikt in einem Kloster im Vatikan.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap