APA - Austria Presse Agentur

USA erwägen wegen zunehmender Gewalt verzögerten Afghanistan-Abzug

21. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

Angesichts der wieder zunehmenden Gewalt der radikalislamischen Taliban in Afghanistan erwägt die US-Regierung einen langsameren Abzug ihrer Truppen aus dem Land.

Das US-Verteidigungsministerium habe die Lage in Afghanistan ständig im Blick und sei bereit, flexibel darauf zu reagieren, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag in Washington. Präsident Joe Biden hat angekündigt, den Truppenabzug bis zum September abzuschließen, daran soll vorerst nicht gerüttelt werden. 

Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatte im Februar 2020 in Doha ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Der Abzug der US-Truppen soll nach den Plänen von Trumps Amtsnachfolger Joe Biden bis spätestens zum 11. September abgeschlossen sein. Auch die übrigen NATO-Truppen sollen bis zu diesem Datum aus Afghanistan abgezogen sein. Österreich hat seine Bundesheer-Soldaten bereits aus Afghanistan abgezogen. Mitte Juni verließ der letzte österreichische Soldat das krisengebeutelte Land. 

Nach Pentagon-Angaben ist der US-Abzug derzeit etwa zur Hälfte abgeschlossen. Die US-Armee hat bereits mehrere Stützpunkte an die afghanische Armee übergeben und hunderte Flugzeugladungen Material ausgeflogen. Um der zunehmenden Gewalt vorzubeugen könnte der Rest des Abzuges verlangsamt werden. 

Zivilisten sollen sich bewaffnen

Die Gefechte zwischen den Taliban und der Regierung im Norden des Landes weiten sich aus. Binnen 24 Stunden sind mindestens acht weitere Bezirke in den Provinzen Tachar, Baghlan und Balch an die Islamisten gefallen, wie die Behörden am Montag bestätigten. Örtliche Politiker rufen mittlerweile selbst ehemalige Mujahedin-Kommandanten und Zivilisten auf, sich zu bewaffnen. Lokale Medien berichteten zudem über Taliban-Kämpfer am Rande der Stadt Masar-i-Sharif.

Quelle: Agenturen