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Umfrage

Jede dritte Frau in EU ist Opfer von Gewalt

Heute, 11:06 · Lesedauer 3 min

Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet, findet zunehmend im digitalen Raum statt und wird von den Institutionen, die sich eigentlich mit ihrer Bekämpfung und Prävention befassen sollten, übersehen: Laut der am Dienstag veröffentlichten "EU-Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt" der EU-Grundrechteagentur und des Instituts für Gleichstellung leidet jede dritte Frau in der EU unter körperlicher und/oder sexueller Gewalt. Die EU-Staaten werden zum Handeln aufgefordert.

Gewalt in Paarbeziehungen, psychische Gewalt, wirtschaftliche Gewalt und Cybergewalt gehören laut Bericht zu den am weitesten verbreiteten Formen, würden jedoch am wenigsten wahrgenommen. Das Ausmaß der nicht gemeldeten Gewalt zeige, dass die Systeme nicht angemessen funktionierten.

"Systematisches Versagen"

Die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) und das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) forderten die Entscheidungsträgerinnen und -träger in der EU in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel daher auf, Recht, Politik und Praxis an den Erfahrungen von Frauen anzupassen.

"Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Grundrechte", erklärt FRA-Direktorin Sirpa Rautio. "In der gesamten EU werden die Rechte der Frauen auf Würde, Sicherheit und Gleichstellung nach wie vor in großem Umfang verletzt. Wenn Missbrauch normalisiert, verschleiert oder ignoriert wird, spiegelt dies ein systemisches Versagen bei der Wahrung von Rechten wider. Die Mitgliedstaaten haben klare Verpflichtungen, Gewalt zu verhindern, Opfer zu schützen und den Zugang zur Justiz zu gewährleisten - und diese Ergebnisse zeigen, dass noch immer dringender Handlungsbedarf besteht."

Jede zehnte Frau in der EU wurde von ihrem Partner laut Bericht bereits körperlich angegriffen und verletzt, Österreich liegt mit 8,6 Prozent aller Frauen nur knapp unter dem EU-Schnitt. 6,6 Prozent EU-weit und 4,9 Prozent in Österreich hatten Angst, ihr Partner könnte sie umbringen. Ebenfalls jede zehnte Frau gibt an, in ihrem Leben bereits Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein (Österreich: 8,7 Prozent). Am höchsten ist diese Zahl mit fast 22 Prozent in Schweden, am niedrigsten mit 2,3 Prozent in Bulgarien. Dies könnte daran liegen, dass in den skandinavischen Ländern mehr Gewaltverbrechen angezeigt werden.

Mehr lesen: "Österreich hat ein Problem mit Gewalt gegen Frauen"

Beziehungstaten seltener gemeldet

Europaweit werden Beziehungstaten seltener gemeldet als Gewalt durch Nicht-Partner: Nur 6,1 Prozent der Frauen in der EU zeigten körperliche oder sexuelle Misshandlung durch ihren Partner bei der Polizei an, gegenüber 11,3 Prozent, wenn sie von Nicht-Partnern angegriffen wurden. Fast die Hälfte der Opfer von Vergewaltigungen meldet Angriffe durch Fremde wegen Schamgefühl oder Selbstvorwürfen nicht. Angst vor Vergeltungsmaßnahmen des Täters und die Überzeugung, dass die Polizei nicht helfen könne, sind weitere Gründe.

Von psychischer Gewalt durch ihren Partner berichtete ein Drittel aller Frauen. Dazu gehören Demütigungen, Eifersucht, Einschüchterungen oder kontrollierendes Verhalten. Österreich liegt hier mit 36,9 Prozent etwas über dem EU-Durchschnitt. Auch die Digitalisierung spielt laut Studie eine immer größere Rolle: 8,5 Prozent der europäischen Frauen wurden im Internet gestalkt und 7 Prozent der berufstätigen Frauen wurden online sexuell belästigt. Der Aufenthaltsort jeder zehnten Frau wurde von ihrem Partner überwacht oder verfolgt.

"Wenn Frauen nicht darauf vertrauen können, dass Institutionen sie schützen, müssen wir uns fragen, was sich ändern muss - und nicht, was Frauen zusätzlich tun sollten", betont EIGE-Direktorin Carlien Scheele. "Diese Ergebnisse sind ein Fahrplan für Regierungen: Prävention, frühzeitiges Eingreifen, spezialisierte, geschlechtersensible und opferzentrierte Dienste müssen zum Standard werden und dürfen keine Option bleiben."

Die Umfrage wurde gemeinsam von Eurostat, FRA und EIGE durchgeführt und basiert auf über 114.000 Interviews, die zwischen September 2020 und März 2024 geführt wurden.

alert Hilfe bei häuslicher Gewalt

Sind Sie Opfer von Gewalt oder kennen jemand, der es ist? Hier finden Sie Hilfe:

Frauen-Helpline: 0800/222 555
Gewaltschutzzentrum: 0800/700 217
24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien: 01/71719
Frauenhaus-Notruf: 05 77 22
Männerberatung Wien: 01/603 28 28
Rat auf Draht - Hilfe für Kinder & Jugendliche: 147
Im Fall von akuter Gewalt: Polizei-Notruf 133

contact Hilfe bei sexueller Gewalt

Sind Sie Opfer von sexueller Gewalt oder kennen Sie jemanden, der es ist? Hier gibt es Hilfe:

  • Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555
  • Notrufnummer für Gehörlose und Hörbehinderte: 0800 133 133
  • Rat auf Draht - Beratung für Kinder und Jugendliche: 147 sowie Online-Beratung
  • Kindernotruf: 0800 567 567
  • Online-Beratungsstelle für Frauen und Mädchen bei sexueller und anderer Gewalt: HelpCh@t 
  • Frauen- und Mädchen-Beratungsstellen in den Bundesländern: Beratung und Unterstützung bei sexualisierter Gewalt
  • Kinder und Jugendanwaltschaften in Österreich: www.kija.at
Zusammenfassung
  • Jede dritte Frau in der EU ist laut einer aktuellen Umfrage von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen, wobei Österreich mit 8,6 Prozent bei körperlicher Gewalt durch den Partner knapp unter dem EU-Schnitt liegt.
  • Nur 6,1 Prozent der Frauen zeigen Misshandlungen durch den Partner bei der Polizei an, während psychische Gewalt – darunter Demütigungen und Einschüchterungen – von einem Drittel aller Frauen erlebt wird.
  • Digitale Gewalt nimmt zu: 8,5 Prozent der Frauen wurden im Internet gestalkt, 7 Prozent der berufstätigen Frauen online sexuell belästigt, und jede zehnte Frau wurde von ihrem Partner digital überwacht.