Ukrainischer Innenminister bei Hubschrauberabsturz nahe Kiew getötet

18. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Bei einem Hubschrauberabsturz nahe Kiew ist am Mittwoch der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj ums Leben gekommen. Bei dem Absturz in der Kleinstadt Browary habe es insgesamt 14 Tote gegeben, darunter ein Kind, teilten die staatlichen Rettungsdienste mit.

Zuvor war von bis zu 18 Toten die Rede. Zu den Toten zählte auch Vize-Innenminister Jehwhenij Jenin und ein Staatssekretär. Der Helikopter war bei einem Kindergarten abgestürzt, die Absturzursache ist unklar.

Neuer amtierender Innenminister wird der bisherige nationale Polizeichef Ihor Klymenko. Klymenko sei zum Vize-Innenminister ernannt worden, teilte Ministerpräsident Denys Schmyhal wenige Stunden nach dem Absturz mit. In dieser Funktion werde er aber die Pflichten des Ministers erfüllen.

Selenskyj: "schreckliche Tragödie" und "unaussprechlichen Schmerz"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet den Absturz als eine "schreckliche Tragödie", die "unaussprechlichen Schmerz" auslöse. Die genaue Zahl der Opfer werde ermittelt. Er habe den Geheimdienst mit der Aufklärung beauftragt, sagte er am Mittwochabend in einer Videoansprache. Er versprach Aufklärung. Monastyrskyj und der ebenfalls getötete Vize-Innenminister Jehwhenij Jenin seien keine Politiker, die "leicht ersetzt werden können".

"Es ist wirklich ein großer Verlust für den Staat", sagte Selenskyj. Den Freunden und Familien der Opfer sprach er sein Beileid aus. "In dieser Minute sind drei Kinder gestorben. Der Schmerz ist unbeschreiblich."

Hubschrauber traf auf Kindertagesstätte

Regionalgouverneur Olexij Kuleba schrieb auf Telegram, zum Zeitpunkt der Tragödie hätten sich Kinder und Personal in der Kindertagesstätte befunden. Mehrere verhüllte Leichen lagen in einem Hof in der Nähe der beschädigten Kita. Trümmer lagen über einen Spielplatz verstreut. Rettungskräfte waren vor Ort. Auf Videos in Internet-Plattformen war zuvor ein brennendes Gebäude zu sehen, und man konnte Menschen schreien hören.

Von ukrainischer Seite gab es keine Angaben, ob es zu dem Zeitpunkt des Absturzes russische Angriffe in dem Gebiet gab. Der ukrainische Geheimdienst SBU zieht jedenfalls drei Versionen für das Unglück in Betracht. Das seien ein Verstoß gegen die Flugvorschriften, technische Probleme oder eine gezielte Zerstörung des Helikopters. Russland äußerte sich zunächst nicht zu dem Absturz.

Hochrangige Bedienstete des Innenministeriums gestorben

"Bei dem Absturz in Browary kam die Führung des Innenministeriums der Ukraine ums Leben. Sie befanden sich im Hubschrauber des staatlichen Rettungsdienstes", sagte Polizei-Chef Ihor Klymenko. Der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, teilte in Browary - rund 20 Kilometer vom Stadtzentrum Kiews entfernt - mit, dass die Führungsriege des Innenministeriums auf dem Weg zu einem der Frontabschnitte gewesen sei. Nähere Angaben wollte er nicht machen.

Monastyrskyj war von Präsident Selenskyj 2021 zum Innenminister ernannt worden. Er war in diesem Amt für die Polizei und die Innere Sicherheit zuständig und ist der ranghöchste ukrainische Staatsvertreter, der seit Beginn des Krieges ums Leben gekommen ist. Neben Monastyrskyj sollen mehrere hochrangige Bedienstete des Innenministeriums gestorben sein, darunter sein erster Stellvertreter Jehwhenij Jenin.

Internationale Kondolenzen

International kamen umgehend Kondolenzen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer, Selenskyj sowie der gesamten Ukraine ihr tiefes Beileid aus. "Wir trauern mit Ihnen", schrieb die Deutsche auf Twitter. Ähnlich äußerte sich EU-Ratschef Charles Michel. Monastyrskyj sei ein guter Freund der Europäischen Union gewesen. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von einem weiteren "immensen Tribut, den die Ukraine in diesem Krieg zahlt".

Kiew-Browary KartePULS 24

Kiew-Browary Karte

Schallenberg "tief betrübt"

Tief betroffen reagierte auch Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP): "Mein Amtskollege Denys Monastyrskyj hat uns bei den EU-Räten, aber auch mich persönlich immer wieder über die dramatische Situation in der Ukraine informiert. Mein tiefstes Beileid an die betroffenen Familien und Angehörigen."

"Unser Gedanken und unser tiefes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei den Familien der Opfer", twitterte auch Bundeskanzler Karl Nehammer. Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) zeigte sich auf Twitter "tief betrübt über die Opfer des tragischen Hubschrauberabsturzes in der Nähe eines Kindergartens". "Zutiefst erschüttert von dieser traurigen Nachricht" zeigte sich auch Ewa Ernst-Dziedzic, Außenpolitik-Sprecherin der Grünen.

Laut dem Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, handelte es sich um einen Hubschrauber des Typs Airbus H225. Eine Kommission werde die Ursachen untersuchen. "Das wird nicht nur ein bis zwei Tage dauern, denn die Untersuchung einer Flugkatastrophe braucht eine gewisse Zeit", sagte Ihnat. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte 2016 gegen den H225 wegen Sicherheitsbedenken ein vorläufiges Flugverbot verhängt. Schon das Vorgänger-Modell AS332 war in mehrere Flugunfälle verwickelt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj