Übergangene Finanzamts-Beamtin: "Wurde einfach abgeschossen"

07. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Sie sei beim Hearing für den Posten des Finanzamtsvorstandes "hinausgeprüft" und "einfach abgeschossen" worden, schildert Christa Scharf PULS 24 die Vorgänge, wegen denen die WKStA gegen ÖVP-Chef August Wöginger ermitteln will.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) will wegen des Verdachts auf "Bestimmung zum Amtsmissbrauch" gegen ÖVP-Klubchef August Wöginger und vier Mitglieder einer ehemaligen Begutachtungskommission ermitteln. Der Vorwurf: Ein Bürgermeister wurde 2017 als Quereinsteiger Vorstand des Finanzamts für Braunau, Ried und Schärding. Übergangen soll dabei Christa Scharf, die ehemalige stellvertretende Leiterin des Finanzamts, worden sein, auf Intervention, wie Chats zwischen Thomas Schmid und ÖVP-Klubchef August Wöginger nahe legen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Scharf hatte diesen Posten ab 2005 und war die erste Ansprechperson für steuerliche Fragen. 

Schon nach Abschluss des Bestellungsvorganges sei ihr klar gewesen, dass "irgendeine politische Intervention dahinter gewesen sein muss", erzählt Scharf im PULS 24 Interview. Schon im Vorfeld wären ihr "Vermutungen" und "Unkenrufe" zugetragen worden. 

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"Hinausgeprüft"

Sie habe sich "ganz normal beworben", im Februar 2017 stellte sich die Finanzamtsangestellte dem Hearing. Bei der Fragerunde "fing's dann an", schildert Scharf. Siegfried Manhal, inzwischen Vorstand des Finanzamts Österreich, hätte sie immer wieder zum gleichen Thema befragt und nicht locker gelassen, "wie wenn er mich hinausgeprüft hätte". "Dann war ich wirklich verunsichert", so Scharf. "Ich hab' nicht mehr gewusst, was ich sagen soll." 

Bei einem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht hätte Manhal dann auf die Frage, was er denn von ihr hätte hören wollen, eben jene Antwort gegebenen, "die ich ihm schon dreimal gesagt hatte". Scharf glaubt nicht, dass sie von der Begutachtungskommission fair beurteilt wurde. "Ich bin da rausgegangen mit dem Gefühl 'das war's'. Ich sollte diesen Posten nicht bekommen." 

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"Einfach abgeschossen"

Das Bundesverwaltungsgericht gab Scharfs Beschwerde statt, sie bekam 5.000 Euro Entschädigung für die erlittene Beeinträchtigung. "Es ging mir nicht so sehr um die finanzielle Entschädigung, sondern einfach um Recht und Ordnung. Es kann nicht sein, wenn jemand jahrzehntelang korrekt und gut arbeitet (...)  und man gelobt wird für seine Arbeit und erfolgreich ist, dann plötzlich einfach abgeschossen wird." 

"Da müsste man mitfilmen"

Fachlich hätte man ihr nichts anhaben können, deshalb habe man sie "abmontiert", indem man Auftritt, Vortrag und Artikulation kritisierte. "Wie kann man das widerlegen? Da müsste man mitfilmen", erklärt Scharf ihre damalige Ohnmacht. "Da wurde nicht objektiv beurteilt." Nun habe sich ihre Vermutung der politischen Intervention durch die Chatprotokolle, die ihr zugespielt wurden, bestätigt, so Scharf.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam