APA - Austria Presse Agentur

U-Boot-Deal: Konzern verteidigt sich, Paris will Taten sehen

23. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Nach dem heftigen U-Boot-Streit hat Frankreich weitere Erwartungen formuliert seine Industrie verteidigt. Der Chef des französischen Marine-Konzerns Naval Group, Pierre Éric Pommellet, führte das Scheitern des 56 Mrd. Euro schweren U-Boot-Geschäfts mit Australien auf politische und nicht sachliche Entscheidungen zurück. Frankreich sei ebenso gut wie die USA und Großbritannien in der Lage, nuklear angetriebene U-Boote zu liefern, sagte er "Le Figaro" (Donnerstag).

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian forderte bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Antony Blinken indes konkrete Schritte von den USA, um neues Vertrauen aufzubauen. Ein Ende der Krise zwischen den beiden Ländern werde Zeit brauchen.

Zur Überwindung des Streits braucht es nach Ansicht Blinkens nun "Zeit und harte Arbeit". "Ich bin überzeugt, dass unsere gemeinsamen Interessen so stark sind, dass die Werte, die wir teilen, so unerschütterlich sind, dass wir weitermachen und gute Arbeit leisten werden", sagte er am Donnerstagabend (Ortszeit) am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Er sei persönlich mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian befreundet und schätze ihn sehr, so Blinken.

"Wir sind uns darüber im Klaren, dass dies Zeit und harte Arbeit erfordert und nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten unter Beweis gestellt werden muss", sagte Blinken über die künftigen Gespräche mit Paris. Ähnlich wie zuvor US-Präsident Joe Biden stellte er eine stärkere Unterstützung der Anti-Terrorbemühungen der Europäer in der Sahel-Zone in Aussicht. Frankreich bemühe sich außerdem, die europäischen Sicherheits- und Verteidigungskapazitäten zu stärken. Das sei auch im Interesse der Amerikaner. Außerdem werde man schauen, wie man die Zusammenarbeit im Indopazifik vertiefen könne.

Die USA hatten vergangene Woche ohne Absprache mit den Verbündeten einen Sicherheitspakt mit Australien und Großbritannien im Indopazifik ins Leben gerufen und damit eine tiefe diplomatische Krise mit Frankreich ausgelöst. Der Pakt ließ den U-Boot-Vertrag Australiens mit Frankreichs platzen, was in Paris zu wütenden Reaktionen führte. Le Drian hatte sich mit ungewöhnlich scharfen Worten über das Vorgehen beschwert. Frankreichs Botschafter in den USA und Australien wurden zu Konsultationen zurückgerufen.

Im Rahmen der Allianz entschied Australien sich für die Beschaffung atombetriebener U-Boote mit Hilfe aus den USA und Großbritannien. Im Geschäft mit Frankreich war es um dieselbetriebene U-Boote gegangen. Der Naval-Chef sagte, man verfüge aber als einziges Unternehmen der Welt über das Know-how, um sowohl konventionelle als auch Atom-U-Boote herzustellen.

In den kommenden Wochen will das Unternehmen nun die verbleibenden Kosten zusammenstellen, die Australien an Naval zu zahlen hat. Wie es aus dem Verteidigungsministerium in Paris geheißen hatte, sind im Zuge des Auftrags bereits rund 900 Millionen Euro geflossen. Insgesamt hatte das über mehrere Jahrzehnte laufende Projekt ein Volumen von 56 Milliarden Euro, die aber nur teilweise an Naval gegangen wären.

Pommellet sagte der Zeitung "Le Figaro", das Unternehmen habe keinerlei Vorwarnung erhalten, dass Australien sich zugunsten nuklear angetriebener U-Boote mit amerikanischer und britischer Unterstützung umentscheiden würde. Im Gegenteil: Am Tag der Bekanntgabe der neuen Sicherheitsallianz habe es zunächst aus Australien noch grünes Licht für einen Etappenbericht und die nächste Stufe des U-Boot-Projekts gegeben. Später am Tag habe das australische Verteidigungsministerium dann das Aus für das Projekt verkündet.

Der Verlust des Auftrags sei ein Schlag, bedeute aber nicht den Untergang von Naval, sagte Pommellet. Es gehe um zehn Prozent des laufenden Auftragsvolumens, das im Übrigen aus Bestellungen der französischen Marine sowie Aufträgen aus Indien, Brasilien, Ägypten, Belgien und den Niederlanden bestehe.

Am Mittwoch hatte es in dem Streit ein Telefonat auf Spitzenebene gegeben. Darin vereinbarten US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein persönliches Treffen im Oktober. Der zurückgeholte französische Botschafter soll außerdem wieder nach Washington. Das Telefonat der beiden Präsidenten wertete Le Drian als ersten Schritt zur Versöhnung.

Quelle: Agenturen