APA/APA/AFP/ADEM ALTAN

Türkei könnte gegen PKK Chlorgas eingesetzt haben

12. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Türkei setzt in Irakisch-Kurdistan Tränengas und womöglich Chlorgas gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ein, so das Ergebnis einer Untersuchung der Friedensorganisation International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW).

Beweise für den Einsatz von klassischen Giftgas wie Senfgas, wie die PKK teilweise gemeldet hatte, gebe es jedoch nicht. Der Einsatz von Tränengas als militärische Waffe ist illegal.

"Tränengas ist zwar zur Bekämpfung von Unruhen, zum Beispiel bei Demonstrationen, erlaubt, sein Einsatz im Militärkontext ist jedoch laut dem Chemiewaffenabkommen streng verboten", heißt es in dem Bericht der IPPNW. "Schon die Äußerungen des türkischen Verteidigungsministers stellen eine eindeutige Verletzung der Chemiewaffenkonvention dar. In seiner Rede vor dem türkischen Parlament beschreibt er den Einsatz von Tränengas in einer rein militärischen Auseinandersetzung", erklärte Jan van Aken, wissenschaftlicher Beirat der IPPNW Deutschland, in einer Pressemitteilung.

Indizien gefunden

Van Aken und Josef Savary reisten im September im Auftrag der IPPNW nach Irakisch-Kurdistan. Während der Untersuchung wurden leere Salzsäure- und Bleichmittel-Behälter zusammen mit Gasmasken-Containern bei einem Höhleneingang des Werxele-Gebirges gefunden. Mittels Salzsäure und Bleichmittel könnte Chlorgas hergestellt werden. Die Funde könnten ein Indiz für den Einsatz von Chlorgas sein, würden aber keinen Beweis darstellen, stellt die IPPNW in ihrem Bericht klar.

Die PKK spricht von 1.300 Chemiewaffenangriffe seit April 2021. Der Grund für die hohe Anzahl an "Chemiewaffenangriffen" sei, dass die Türkei gezielt PKK-Kämpfer aus Höhlenverstecken ausräuchere, heißt es im Bericht der IPPNW. Der PKK-Politiker Murat Karayilan sprach vom Einsatz von Tabun, Senfgas und Chlorpikrin, wie die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF berichtete. Angriffe mit diesen klassischen Giftgasen seien aber nicht belegt, stellt die IPPNW klar. Die Berichte der PKK gingen hauptsächlich auf beobachtete Symptome von PKK-Kämpfern zurück.

Regelmäßige Angriffe

Die PKK und nahestehende Medien hatten zuvor bereits vermehrt über angebliche Chemiewaffeneinsätze berichtet. Die Kandil-Berge an der Grenze zwischen Irakisch-Kurdistan und dem Iran ist das traditionelle Rückzugsgebiet der PKK. Türkische Streitkräfte greifen dieses Gebiet regelmäßig an. Die PKK führt aufgrund von Autonomiebestrebungen seit 1984 Krieg gegen den türkischen Staat. Die Türkei betrachtet die kurdische Untergrundorganisation mit sozialistischer Ausrichtung als Terrororganisation.

Quelle: Agenturen / koa