APA - Austria Presse Agentur

Tote und Verletzte bei Massenprotest gegen Sudans Junta

31. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Bei Massenprotesten der Demokratie-Bewegung im Sudan gegen die neuen Militärmachthaber hat es nach Angaben des nationalen Ärztekomitees Tote und Verletzte gegeben. Mindestens drei Zivilisten starben demnach am Samstag in der Stadt Omdurman durch Schüsse von Milizionären. Über Twitter teilte das Ärztegremium mit, die Toten hätten Schusswunden im Kopf- und Bauchbereich.

Augenzeugen berichteten von einer großen Beteiligung der Bevölkerung an den Protesten sowie auch von Barrikaden mit brennenden Autoreifen.

Das in der Hauptstadt Khartum mit einem Großaufgebot vertretene Militär blockierte Brücken und wichtige Straßenkreuzungen. Im Staatsfernsehen erklärten Polizeivertreter am Abend, sie seien von einigen der Demonstranten angegriffen worden, hätten aber nur mit Tränengas und nicht mit scharfer Munition reagiert.

Das Militär hatte am Montag die Macht in dem nordostafrikanischen Land mit seinen 44 Millionen Einwohnern übernommen und international Protest und Empörung ausgelöst. Die Demokratie-Bewegung reagierte am Samstag mit einem Nationalen Tag des Widerstands. Sowohl die Vereinten Nationen wie auch die Europäische Union hatten das Militär zu Zurückhaltung gemahnt. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder wütende Proteste Tausender Sudanesen, bei denen nach jüngsten Angaben des nationalen Ärzteverbands vom Sonntag bisher neun Menschen zu Tode kamen. Ein 22-jähriger Zivilist, der vergangenen Montag durch Schüsse verletzt worden war, sei mittlerweile gestorben.

Die Militärführung im Sudan setzte vor den landesweiten Protesten erneut Botschafter ab. Dem Staatsfernsehen zufolge handelte es sich um Spitzendiplomaten in Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie der Türkei.

Sudans neuer Militärmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan will innerhalb einer Woche einen neuen Regierungschef ernennen. Er stand bisher gemeinsam mit dem entmachteten Regierungschef Abdullah Hamduk an der Spitze einer Übergangsregierung. Nach dem Putsch verkündete er deren Auflösung. Zudem verhängte er einen Ausnahmezustand. Der UN-Sonderbeauftragte für Sudan, der Deutsche Volker Perthes, traf den unter Hausarrest gesetzten Hamduk. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er am Sonntag mit: "Wir haben Optionen für eine Vermittlung und den Weg vorwärts für den Sudan diskutiert."

Laut dem sudanesischen Staatsfernsehen vom Sonntag will die Militärführung kommende Woche einen Ausschuss über das Schicksal der seit dem Putsch festgesetzten Politiker entscheiden lassen. Das Internet und viele Telefonleitungen sind weitgehend blockiert.

Im April 2019 wurde Langzeit-Machthaber Omar al-Bashir nach monatelangen Massenprotesten und einem Militärputsch aus dem Amt getrieben. Das Militär, angeführt von Al-Burhan, und die zivile Opposition einigten sich in einem Verfassungsabkommen auf eine gemeinsame Übergangsregierung, die den Weg zu Wahlen 2022 ebnen sollte. Demnach hätte sich Al-Burhan aus der Übergangsregierung bis Jahresende zurückziehen und Zivilisten Platz machen müssen.

Zudem plante die zivile Regierung umfangreiche wirtschaftliche Reformen, durch die das Militär erhebliche ökonomische Verluste hätte hinnehmen müssen. Das Militär war auch gegen eine vom entmachteten Regierungschef Hamduk vorangetriebene Aufarbeitung von Menschenrechtsverstößen, in die teilweise auch Al-Burhan und andere einflussreiche Generäle verwickelt gewesen sein sollen.

Quelle: Agenturen