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Tirol: ÖVP-Clinch wegen Hörls Seilbahnen-Sager

07. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

In der Tiroler ÖVP tut sich zwei Tage vor dem Landesparteitag samt Obmann-Wahl und zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl offenbar eine Auseinandersetzung zwischen Bünde-Spitzen auf.

Die scheidende ÖAAB-Obfrau, Landesrätin Beate Palfrader und ihr wahrscheinlicher Nachfolger, LAbg. Dominik Mainusch, übten am Donnerstag unverhohlen Kritik an Wirtschaftsbund- und Seilbahn-Chef Abg. Franz Hörl. Der Grund: Hörls jüngste Aussagen zur Energieversorgung. Dieser schießt zurück.

"Werden uns zu wehren wissen"

Bei der "Langen Nacht der Seilbahnen" anlässlich der Eröffnung der runderneuerten Valiserbahn in St. Gallenkirch in Vorarlberg hatte der wortgewaltige Zillertaler Hotelier auch das Thema Energieversorgung angeschnitten. In seiner Rede meinte er unter anderem, dass das Montafon sehr viel Strom liefere und er trotz Energiekrise einen vernünftigen Preis sowie Versorgungssicherheit fordere.

"Und wenn heute in Wien die Frage gestellt wird, ob Seilbahnen und Schneeanlagen sicherheitsrelevante Einrichtungen sind, die auch versorgt werden müssen im Herbst (wenn das Gas knapp wird, Anm.), dann sage ich denen: 'Freunde, ich schaue nicht zu, wie das Wasser an mir vorbeirinnt und Strom für die Stadt produziert wird, und wir sitzen im Trockenen. Dann werden wir uns auch zu wehren wissen'". Den Strom, der im Montafon produziert wird, wolle er auch hier verwenden.

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Das Video der Rede vor der Talstation der Bahn sorgte unter anderem auf Twitter für einige Aufregung und wurde so interpretiert, dass für Hörl der Wintertourismus genauso essenziell zu sein scheine, wie etwa die Lebensmittelproduktion oder die Krankenhäuser. Dieser Interpretation schlossen sich offenbar auch Palfrader, bekanntermaßen mit Hörl nicht gerade in Parteifreundschaft verbunden, und Mainusch an.

Aussagen Hörls "sehr bedenklich"

Die Aussagen seien "sehr bedenklich", meinten beide in einer Aussendung am Donnerstag. Wenn Hörl der Ansicht sei, der Wintertourismus sei ebenso systemrelevant wie die Lebensmittelproduktion oder Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, dann finde sie das "höchst fragwürdig", so Palfrader. "Bei allem Verständnis für die Sorgen und Bedenken Hörls: Sollte das Worst-Case-Szenario eintreten, dann hat die Grundversorgung in der Bevölkerung oberste Priorität, darüber kann nicht diskutiert oder verhandelt werden. Wer das nicht begreift oder begreifen will, der betreibt Lobbyismus für ein paar wenige, aber sicher keine verantwortungsvolle Politik für alle", ließ Mainusch, derzeit geschäftsführender ÖAAB-Obmann in Tirol, den Zillertaler Parteifreund wissen.

Hörl konterte indes gegenüber der APA mehr als deutlich. Aktuell würden einige Fehlbeurteilungen und "vielleicht sogar bewusste Missinterpretationen" dazu genutzt werden, mediale Öffentlichkeit zu generieren, meinte er. Im Fall von Dominik Mainusch gehe es diesem darum, "sich selbst zu profilieren", griff Hörl den Zillertaler-"Landsmann" scharf an. Zudem legte Hörl Wert auf die Feststellung, dass Mainusch bis dato nur "bestellt" sei, Palfrader "zurückgetreten", während er hingegen "gewählt" sei.

Hörl wollte Versprechen einfordern

"Die Versorgungssicherheit der Menschen in Österreich und der essenziellen, infrastrukturellen Einrichtungen im Lande hat für mich selbstverständlich absolute Priorität gegenüber jeder Form der wirtschaftlichen Nutzung", stellte Hörl klar. Er habe in seiner Rede nur auf die zunehmende Diskussion zur Versorgungssicherheit hinweisen und "zumindest dieses Versprechen auch für diese Regionen einfordern" wollen. Denn im Montafon wie im Zillertal werde sehr viel elektrische Energie erzeugt, im Zillertal die siebenfache Menge des dortigen Verbrauchs. Beiden Tälern seien immer günstige Strompreise sowie Versorgungssicherheit versprochen worden. Ebendieses Versprechen wollte er einfordern, so der Nationalratsabgeordnete und Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp