APA - Austria Presse Agentur

Tirol investiert 4,7 Mrd. Euro in Pflege

20. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Das Land Tirol will kräftig in die Pflege investieren. Hochgerechnet auf die nächsten zehn Jahre wolle man insgesamt 4,7 Milliarden Euro in die Hand nehmen, informierte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) im Rahmen einer Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus am Dienstag. Im Rahmen des Grundsatzbeschlusses "Pflege Tirol 2030" sollen die drei Kernbereiche Personal, pflegende Angehörige und Struktur ausgebaut werden.

Als "Startschuss für die Umsetzung der Gesamtstrategie" bezeichnete Platter den Beschluss des Tarifmodells für die Tiroler Heime, in dessen Rahmen 26 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in den Bereich Pflegepersonal fließen sollen. "Unser Anspruch ist es, österreichweit die beste Pflege und Betreuung anzubieten", ließ der Landeshauptmann die anwesenden Pressevertreter wissen. Man sei hier "schon einen Schritt vorausgegangen" und wolle "Vorzeigeregion" sein. Mit Übernahme des Vorsitzes in der Landeshauptleutekonferenz im zweiten Halbjahr 2021 wolle er das Thema Pflege und Verhandlungen zur Gesamtfinanzierung österreichweit vorantreiben, meinte Platter.

Der Grundsatzbeschluss "Pflege Tirol 2030" umfasst die drei wesentlichen Bereiche Personal, pflegende Angehörige und Struktur. Der Aufbau des auf zehn Jahre angelegten Strukturplans Pflege werde Mitte des Jahres in enger Abstimmung mit der Versorgungslandschaft beginnen und die Jahre 2022 bis 2032 umfassen, ließ Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) wissen. Bis 2022 soll in Einrichtungen des Care Management Tirol zudem flächendeckend in allen Bezirken des Landes Beratung pflegender Angehörige angeboten werden. Eine Reduktion der Selbstbehalte und Auszeiten sollen Entlastung bieten.

Letzter Schwerpunkt sei die Schaffung zusätzlicher Personalkapazitäten. In den letzten Jahren habe man bereits 1.300 neue Ausbildungsplätze geschaffen, jetzt wolle man sich auf die drei- und fünfjährige Ausbildung konzentrieren, informierte Tilg. Im Herbst 2020 sei der erste Pflege-Pilot-Jahrgang an der Ferrarischule in Innsbruck gestartet. "Es läuft hervorragend", fand Tilg.

Als unabhängig vom Grundsatzbeschluss, aber dennoch der Attraktivierung des Pflegeberufs dienlich, wurde mit dem Tarifmodell für die Tiroler Heime ein "weiteres Herzstück" des Gesamtpakets präsentiert. Zusätzlich investiere man hier 26 Millionen Euro jährlich, um den Heimen ein wirtschaftlicheres Arbeiten zu ermöglichen, Pflegekräfte zu entlasten und die Qualität für die Bewohner zu steigern, informierte Platter und meinte: "Es handelt sich um einen Quantensprung im Bereich der Versorgungsqualität".

Ein Drittel der finanziellen Mittel für das Tarifmodell, so Platter, würden die Gemeinden einbringen. Der anwesende Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf verwies in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Synchronisierung der Pflegegehälter über die Gemeinden hinweg. "Von unschätzbarem Wert" sei das für die Heime, sagte Georg Berger, Vorstand Arge Tiroler Altenheime, früher hätte es Unterschiede zwischen "finanzstarken und finanzschwächeren Gemeinden" gegeben.

Durch das Tarifmodell könne man "Personal in entsprechender Menge und mit entsprechender Qualifikation" einstellen, der Pflegeschlüssel werde dadurch "entkrampft", da sich Aufgaben besser verteilen ließen und so der Fokus auf den "wertvollen Stunden am Menschen" liege. Man habe einen "großen Wurf" gelandet, fand Berger: "Jede in die Verhandlungen dieses Gesamtpakets investierte Stunde war ganz viel wert".

Landeshauptmann Platter bezeichnete den Bereich Pflege als "Zukunftsthema" und rechnete vor: bis 2040 werde sich der Anteil Über-85-Jähriger in Tirol auf rund 36.000 verdoppeln. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) sprach von "einem Paket mit vielen Nullen", pflichtete dem Landeshauptmann aber bei. Pflege sei eine "gesellschaftspolitische Frage". Man würde den Mensch in den Mittelpunkt stellen - und zwar "sowohl den, der Pflege bedarf, als auch den, der Hilfe und Unterstützung leistet". Bis 2030 würden in Tirol über 7.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, spielte auch Felipe auf den demografischen Wandel an.

Quelle: Agenturen