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Symbolische Herbergssuche vor dem Wiener Stephansdom

12. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Zwei Wochen vor Weihnachten hat die Initiative "Courage - Mut zur Mitmenschlichkeit" am Samstag mit einer symbolischen Herbergssuche vor dem Wiener Stephansdom an das Schicksal der Flüchtlinge von Lesbos erinnert. Dompfarrer Toni Faber bezeichnete eine Aufnahme darbender Flüchtlinge als "Gebot der Stunde". Mensch sein bedeute, in Not geratene Brüder und Schwester "als Menschen zu behandeln", mahnte er. "Ja, und die Ausrede gilt nicht, dass wir auch schon viel getan haben."

Er und der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler unterstützten die Initiative, die nach eigenen Angaben bereits Quartiere für mehr als 3.000 Flüchtlinge in Österreich identifiziert hat, "von ganzem Herzen", sagte Faber in einer kurzen Rede. Glettler und "Courage"-Initiatorin Katharina Stemberger hätten sich jüngst auf Lesbos selbst ein Bild von der Lage gemacht. Die Flüchtlinge führten dort "ein menschenunwürdiges Dasein" und müssten etwa auf dem Boden schlafen, während man in Österreich die Möglichkeiten habe, Lebensraum für sie zu schaffen, berichtete Faber. "Mach's wie Gott und werde Mensch, auch für diese Menschen in Lesbos", forderte der katholische Geistliche, der eingangs an Glaubensgründer Jesus Christus erinnerte. Dieser kam laut Überlieferung nach einer erfolglosen Herbergssuche in einem Stall zur Welt.

"Courage"-Initiatorin Katharina Stemberger bekräftigte, dass es beim Thema Lesbos nicht um Migrationspolitik gehe, sondern darum, "das Leid dieser Leute dort zu beenden". "Wenn man das nicht macht, ist es sehr herzlos", sagte sie der APA. Viele der auf Lesbos lebenden Flüchtlinge seien bereits anerkannt oder kämen aus Ländern mit guter Aussicht auf Asylstatus. Sie müssten auf der griechischen Insel in Unterkünften leben, die nicht winterfest seien. "Die Zelte brechen zusammen, sind überflutet", gab Stemberger ihre Eindrücke von einem Lokalaugenschein wieder. Bereits siebenjährige Kinder hätten Selbstmordgedanken "und müssen überzeugt werden, sich nicht das Leben zu nehmen".

Mit Blick auf die Linie der türkis-grünen Bundesregierung meinte Stemberger, dass Hilfe vor Ort "gut gemeint" sei. "Wenn man jemals dort war, sieht man, dass es nicht funktioniert." Sie widersprach unter Verweis auf Experten auch der Argumentation der Kanzlerpartei, wonach eine Aufnahme von Flüchtlingen einen "Pull-Effekt" auslöse. Auch sei es eine "Bankrotterklärung", so zu argumentieren. "Wenn die besonders leiden, dann wird keiner mehr kommen: Was ist das für eine Logik?"

Stemberger kündigte weitere Aktionen von "Courage" an, etwa kommenden Samstag am Platz der Menschenrechte in Wien-Neubau. "Man wird von uns hören", sagte sie. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass es zu einer Haltungsänderung bei der österreichischen Regierung kommen wird und verwies auf den wachsenden Zuspruch bei Bürgermeistern insbesondere im Westen Österreichs, aber auch "im kirchlichen Bereich".

Auch Faber sagte, er glaube, dass die österreichischen Bischöfe hinter der Initiative stünden. Einige Bischofskollegen in anderen europäischen Ländern seien aber noch zu überzeugen, "dass sie nicht Angst zu haben brauchen, dass dann Millionen andere kommen. Der konkrete Mensch vor mir, dem ist zu helfen, und das sind konkret an die 9.000 Menschen in Lesbos", betonte Faber.

Quelle: Agenturen