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Südkorea: Nordkorea feuert erneut Artilleriegeschoße ab

13. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Nordkorea hat erneut Artilleriegeschoße in die Gewässer entlang der innerkoreanischen Grenze abgefeuert. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Südkoreas Generalstab am Freitag berichtete, handelte es sich um rund 80 Geschoße in Richtung des Gelben Meeres nach Westen und weitere 200 Richtung Japanisches Meer. Diese landeten jeweils in den sogenannten maritimen Pufferzonen, welche 2018 zur Reduzierung der innerkoreanischen Spannungen eingerichtet wurden.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatte das nordkoreanische Militär ebenfalls Artilleriegeschoße abgefeuert. Fast zeitgleich kam es auch zum Abschuss einer Kurzstreckenrakete.

Seit Ende September hat das nordkoreanische Militär trotz internationaler Kritik in ungewohnt hoher Frequenz Raketentests durchgeführt. Damit sollte laut Eigenaussage der Regierung auch der Beschuss von südkoreanischen Flugplätzen mit taktischen Nuklearwaffen simuliert werden. UNO-Resolutionen untersagen Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf befördern können.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag berichtete, habe Machthaber Kim Jong-un bereits am Mittwoch dem Abschuss zweier Langstrecken-Marschflugkörper beigewohnt. Am Freitag (Ortszeit) meldete das südkoreanische Militär dann nach Angaben der Agentur Yonhap, Nordkorea habe eine Kurzstreckenrakete in Richtung des Japanischen Meeres geschossen.

Demnach startete die ballistische Rakete in der Nacht in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Die am Mittwoch abgeschossenen Marschflugkörper seien von der westlichen Provinz Süd-Pyongan in Richtung Gelbes Meer gestartet und hätten nach einer Flugdauer von 10.234 Sekunden ihre 2.000 Kilometer entfernten Ziele genau getroffen, hieß es bei KCNA weiter. Machthaber Kim Jong-un sprach demnach von einer "deutlichen Warnung an die Feinde", ohne diese jedoch konkret zu benennen.

Mit dem Start sollte laut KCNA zudem die "schnelle Reaktionsfähigkeit der nuklearen Kampftruppe" getestet werden. Ob die am Mittwoch abgefeuerten Flugkörper tatsächlich technisch in der Lage sind, nukleare Sprengköpfe zu führen, wird von Experten infrage gestellt.

Die japanische Regierung verurteilte den jüngsten Raketenstart. Verteidigungsminister Yasukazu Hamada nannte das Vorgehen am Freitag "völlig inakzeptabel", wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Die Rakete sei offensichtlich rund 650 Kilometer weit geflogen und außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Japans ins Meer gestürzt. Das Geschoß habe eine Flughöhe von 50 Kilometer erreicht. Es sei möglich, dass die Rakete eine ungeregelte Flugbahn genommen habe, sagte der Minister, ohne Details zu nennen.

Bei den Waffentests, die von Kim persönlich überwacht wurden, sollen Attrappen nuklearer Sprengköpfe zum Einsatz gekommen sein. Bereits zuvor hatte die Regierung laut KCNA ihre Raketentests als Reaktion auf die jüngsten Seemanöver der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte gerechtfertigt, an denen auch erstmals seit vier Jahren wieder der nukleargetriebene Flugzeugträger "USS Ronald Reagan" teilgenommen hatte.

Zu Beginn des Monats hat Pjöngjang zudem erstmals seit fünf Jahren eine Mittelstreckenrakete über die japanische Inselgruppe fliegen lassen. Das letzte Mal, als Nordkorea 2017 eine Rakete über Japan fliegen ließ, führte das Land nur wenige Tage später einen Atomwaffentest durch.

Laut Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums soll Nordkorea derzeit den Abschuss einer ballistischen U-Boot-Rakete sowie einer Interkontinentalrakete vorbereiten. Experten rechnen auch damit, dass Nordkorea in den kommenden Wochen seinen ersten Atomtest seit 2017 durchführen könnte.

Eine gemeinsame Haltung des UNO-Sicherheitsrates zu den nordkoreanischen Raketenstarts ist weiterhin nicht in Sicht. Insbesondere China, der wichtigste Partner Nordkoreas, gibt den USA eine Mitschuld am Verhalten Pjöngjangs. Washington habe in der Vergangenheit auf Maßnahmen des Landes zur Denuklearisierung nicht angemessen reagiert.

Quelle: Agenturen