APA - Austria Presse Agentur

WHO will weiter mit den USA zusammenarbeiten

Juni 01, 2020 · Lesedauer 2 min

Nach der Ankündigung des US-Austritts aus der Weltgesundheitsorganisation will diese dennoch weiter mit den USA zusammenarbeiten. Die US-Mitgliedschaft in der UNO-Unterorganisation sei in den vergangenen Jahrzehnten sehr wichtig gewesen, so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. US-Präsident Donald Trump wirft der WHO "Missmanagement" in der Corona-Krise sowie Einseitigkeit zugunsten Chinas vor.

Dort war das Virus Ende 2019 erstmals bei Menschen festgestellt worden war. Trotz der Entscheidung von Trump für den Austritt sei es "der Wunsch der WHO, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt wird", sagte Tedros. "Die Beiträge und die Großzügigkeit der US-Regierung und des amerikanischen Volkes zugunsten der Weltgesundheit während vieler Jahrzehnte waren immens und haben für die öffentliche Gesundheit in der Welt einen großen Unterschied gemacht."

Trump hatte am Freitag den Bruch seines Landes mit der WHO verkündet. Da sie nicht die von ihm geforderten und "äußerst notwendigen" Reformen umgesetzt habe, "werden wir unsere Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation heute beenden", sagte der US-Präsident. Im Streit um den Umgang mit der Corona-Pandemie hatte er bereits Mitte April die US-Zahlungen an die WHO eingestellt. Vor zwei Wochen hatte Trump mit einem dauerhaften Zahlungsstopp und dem Austritt aus der WHO gedroht und diese als "Marionette Chinas" bezeichnet.

Europäische Staaten reagierten mit Bedauern und Unverständnis auf Trumps Austrittsentscheidung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell riefen ihn auf, seinen Schritt zu "überdenken".

Die 1948 gegründete WHO ist abhängig von Beiträgen ihrer mehr als 190 Mitgliedsländer sowie von Spenden von Regierungen und nicht-staatlichen Akteuren. Die USA waren bisher der größte Geldgeber. Im Finanzjahr 2018/2019 unterstützten sie die WHO mit 893 Millionen Dollar (801,90 Mio. Euro) und stemmten damit rund 15 Prozent des Gesamtbudgets. China zahlte hingegen nur 86 Millionen Dollar.

Ein Großteil der US-Zahlungen an die WHO floss nach Afrika und in den Nahen Osten. Rund ein Drittel des Geldes wurde für den Umgang mit Gesundheitsnotfällen verwendet, der Rest für Programme wie etwa für die Ausrottung der Kinderlähmung durch Impfungen und für die Vermeidung und Bekämpfung von Epidemien.

Mit einer scharfen Warnung wies die WHO unterdessen die Äußerung eines italienischen Arztes zurück, wonach das Coronavirus in Italien nicht mehr existiere. "Wir müssen ganz besonders vorsichtig sein, nicht den Eindruck zu vermitteln, dass das Virus von sich aus plötzlich beschlossen hat, weniger krank zu machen", sagte der WHO-Experte Michael Ryan.

Quelle: Agenturen