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Suche nach Überlebenden in Dnipro eingestellt

17. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Die ukrainischen Rettungskräfte haben am Dienstag die Suche nach Überlebenden in den Trümmern eines zerbombten Wohnblocks in Dnipro eingestellt. Dem Katastrophenschutz zufolge starben als Folge des Einschlags einer russischen Rakete am Samstag mindestens 44 Menschen, darunter fünf Kinder. Die Zahl der Vermissten wurde mit 20 angegeben, 39 Menschen seien gerettet worden und 79 verletzt.

Es war der folgenschwerste Angriff dieser Art, seitdem Russland vor drei Monaten damit begann, in Wellen ukrainische Städte auch weit von der Front mit Raketen zu überziehen. Nach ukrainischer Darstellung wurde der Gebäudekomplex von einer russischen Kh-22 getroffen, die eigentlich für die Angriffe auf Schiffe gedacht ist. Der genaue Ablauf war auch nach dem Abschluss der Rettungsarbeiten unklar.

Präsidialberater Olexij Arestowytsch bot seinen Rücktritt an, nachdem er erklärt hatte, möglicherweise sei die Rakete von der Flugabwehr getroffen worden und dann in das Wohngebäude gestürzt. Seiner Aussage folgte ein Aufschrei, da die ukrainischen Streitkräfte nach eigener Darstellung nicht in der Lage sind, diese Art von Raketen abzufangen. Russland hat ebenfalls erklärt, dass die Zerstörung des Wohnblocks möglicherweise eine Folge der ukrainischen Verteidigung sei.

Die Regierung in Moskau hat wiederholt beteuert, keine zivilen Ziele ins Visier zu nehmen. Nach ukrainischer Darstellung sind allerdings seit der Invasion vor elf Monaten mehr als 9.000 Zivilisten getötet worden. Darunter seien 453 Kinder, sagte der Stabschef des Präsidenten, Andrij Jermak, in Davos. Sein Land habe zudem mehr als 80.000 russische Kriegsverbrechen verzeichnet.

Der russische Raketenangriff vom vergangenen Samstag ist ukrainischen Angaben zufolge auch mit Blick auf die Energieversorgung einer der verheerendsten seit Kriegsbeginn gewesen. Durch den Angriff seien acht Blöcke von Wärmekraftwerken im Westen und einer im Osten des Landes beschädigt worden, teilte Regierungschef Denys Schmyhal am Dienstag in Kiew mit. Darüber hinaus seien drei Umspannwerke und eine Hochspannungsleitung getroffen worden. Die Folge seien Notabschaltungen aufgrund eines erhöhten Energiedefizits. "Dennoch hat das Energiesystem standgehalten, bleibt zusammenhängend und lenkbar", betonte der 47-Jährige. Die Reparaturarbeiten liefen rund um die Uhr.

Die russischen Luftangriffe finden zu einer Zeit statt, in der nur vergleichsweise geringe Veränderungen von der Front gemeldet werden. Die Militärführung in Russland steht deswegen ungeachtet der staatlichen Medienkontrolle in der Kritik etwa von Militärbloggern. Das Verteidigungsministerium kündigte am Dienstag eine umfangreiche Reform der Streitkräfte an, einschließlich Änderungen an der Verwaltung. Im Dezember hatte es erklärt, die Zahl der Militärangehörigen auf 1,5 Millionen erhöhen zu wollen. Der Sprecher des Präsidialamts, Dmitri Peskow, sagte, die Reform sei wegen des "Stellvertreterkriegs" des Westens in der Ukraine notwendig geworden.

Quelle: Agenturen