Strompreisbremse: Was Sie wissen müssen

30. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Ab dem 1. Dezember bekommt jeder Haushalt ein Kontingent von 2.900 Kilowattstunden im Jahr zum staatlich subventionierten Preis. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Regierung will mit ihrer Strompreisbremse die Folgen der Energiekrise abfedern und soziale Verwerfungen verhindern. Hier gibt es Antworten auf zentrale Fragen.

Was bewirkt die Strompreisbremse?

Die Strompreisbremse ist ein staatlicher Zuschuss an die Privathaushalte angesichts der explodierenden Stromkosten.

Kund:innen müssen damit in der Regel nur 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh) bezahlen, die Differenz erstattet der Staat. Dies gilt allerdings nur bis zu einem Verbrauch von 2.900 kWh im Jahr. Auch sponsert der Staat nur maximal 30 Cent je kWh. Wenn ein Stromkonzern mehr als 40 Cent pro kWh verlangt, wird es für den/die Kund:in daher trotzdem teurer als 10 Cent.

Wie viel Strom verbraucht ein durchschnittlicher Haushalt?

Der Stromverbrauch hängt unter anderem davon ab, wie viele Mitglieder ein Haushalt hat.

Die Statistik Austria gab im Jahr 2017 den Jahresverbrauch eines Single-Haushalts mit 3.230 kWh an. Die niederösterreichische EVN bezifferte heuer den jährlichen Stromverbrauch einer Familie aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern mit 4.725 kWh.

Die türkis-grüne Regierung sagt, der Strompreisdeckel für 2.900 kWh subventioniere 80 Prozent des Durchschnittsverbrauchs eines Haushalts. Der gesamte Stromverbrauch liegt nach dieser Berechnung im Schnitt bei 3.625 kWh.

Die Statistik Austria wies in ihrer Publikation "Haushaltsenergie und Einkommen mit besonderem Fokus auf Energiearmut" im Jahr 2017 darauf hin, dass der Stromverbrauch zwischen Haushalten mit kleinen und großen Einkommen stark schwankt - Haushalte mit höheren Einkommen verbrauchen deutlich mehr.

PULS 24 Reporterin Manuela Raidl über die Strompreisbremse der Bundesregierung

Was sind die Makel des Modells?

Die Regierung lobt ihre Bremse als schnell und einfach. Das bringt auch ein paar Nachteile mit sich.

Die Volkshilfe kritisierte zum Beispiel, dass die Haushaltsgröße nicht Eingang ins Modell gefunden habe. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr bezeichnete es ebenfalls bereits im September als "Kardinalfehler", dass die Haushaltsgröße nicht automatisch berücksichtigt wurde. "Es macht einen riesigen Unterschied, ob eine oder fünf Personen in einem Haushalt leben", hatte er bereits im August in der Tageszeitung "Die Presse" gesagt. Der Ökonom war im Sommer zum Ideengeber für die Regierung avanciert, eine Strompreisbremse in Österreich überhaupt einzuführen.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace hätten im Modell gerne stärkere Anreize zum Energiesparen gesehen.

Außerdem: Die ebenfalls enorm steigenden Netzgebühren werden von der Strompreisbremse nicht gedämpft - mehr dazu hier.

Gibt es für größere Haushalte, meist Familien, also keine Chance, auch mehr als 2.900 kWh zum "Vorzugspreis" zu verbrauchen?

Für Haushalte mit mehr als drei Personen soll es in einem zweiten Schritt die Möglichkeit geben, einen Antrag auf ein zusätzliches gefördertes Kontingent zu stellen, heißt es auf der Homepage des Finanzministeriums. Wie und wo dieses Zusatz-Kontingent beantragt werden kann, ist aber noch unklar.

Wie lange gilt die Strompreisbremse?

Die Strompreisbremse gilt laut Beschluss des Nationalrats bis 30. Juni 2024.

Lukas KapellerQuelle: Agenturen / Redaktion / kap