Strache: "Ich war ja die FPÖ" - Gudenus: Er lebt in "einer schrägen Scheinwelt"

06. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Strache rechnet ab: Norbert Hofer biedere sich der ÖVP an, Kickl sei empathielos und Gudenus traue er nicht mehr über den Weg - dieser reagiert und attestiert Strache, er lebe "in einer schrägen Scheinwelt".

Der ehemalige FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sieht sich weiter als einziger Vertreter blauer Politik. "Ich war ja die FPÖ", sagte er im APA-Interview. An seinen einstigen Weggefährten lässt er kein gutes Haar: FPÖ-Chef Norbert Hofer wirft er Anbiederung an die ÖVP vor, Herbert Kickl sei empathielos. Und Johann Gudenus traut er weiterhin nicht über den Weg, schließt aber ein Treffen nicht aus.

Gudenus selbst äußert sich gegenüber PULS 24 zu den Aussagen Straches: "Dieser Rundumschlag eines Ertrinkenden richtet sich von selbst. Die Menschen merken in was für einer schrägen Scheinwelt er leben muss. Das brauche ich nicht weiter kommentieren."

"Original"

"Die Bürger wissen, auf den HC Strache ist Verlass. Und genau das ist heute bei meiner ehemaligen Partei, ehemaligen Wegbegleitern ja nicht der Fall", findet Strache, denn: "Man sieht ja, wie da ein Schlingerkurs eingezogen ist, wie man da eine Anbiederung gegenüber der ÖVP auch gelebt hat. Und da sagen viele, da gehen sie lieber zum Original." Den FPÖ-Spitzenkandidaten in Wien, Dominik Nepp, "kennt man nicht einmal und so gesehen ist es eine verlorene Stimme".

Hofer & Kickl

Die freiheitlichen Werte sieht Strache von der jetzigen Parteispitze nicht vertreten. "Ich habe mich ja für den Wiedereinstieg in die Politik entschieden, weil ich gesehen habe, wie meine Nachfolger das alles über Bord geworfen haben." Hofers Anbiederung an die ÖVP erinnere an die einstige Fernsehshow "Wer will mich?", wo dieser "Hund und Katzerl" spiele. Kickl wiederum habe zwar viele Themen kopiert, stoße jedoch in seiner "übersteigerten, fast schon empathielosen Art und Weise" Menschen ab.

"Wem kann man überhaupt trauen?"

Nachdem ehemalige Leibwächter Straches diesen in der Spesen-Affäre belastet haben, fragt er sich nun: "Wem kann man überhaupt trauen?" "Das ist eine organisierte Bandenstruktur gewesen", glaubt er auch in Bezug auf das Ibiza-Video. "Und die Frage stellt sich, wer sind da noch aller Mittäter, die da mitgewirkt haben? Die da vielleicht in Abhängigkeiten gebracht worden sind", deutet er abermals an, dass Drogendealer ehemalige Weggefährten unter Druck gebracht haben könnten.

Von Gudenus "zutiefst enttäuscht"

Von Gudenus zeigt sich Strache weiterhin "zutiefst enttäuscht", da dieser "vieles nicht gesagt hat, verheimlicht hat oder da und dort auch die Unwahrheit gesagt hat". Dennoch kann er sich irgendwann ein Treffen durchaus vorstellen. "Grundsätzlich sollte man im Leben nie etwas ausschließen." Nun gelte es aber einmal, die Ermittlungen in der Causa Ibiza abzuwarten, denn: "Es gibt halt sehr viele Widersprüche, die mich halt wirklich stutzig gemacht haben."

Gudenus soll ihm Marsalek vorgestellt haben

Auch den per Haftbefehl gesuchten Wirecard-Manager Jan Marsalek habe Gudenus - er soll ein Schulfreund gewesen sein - Strache vorgestellt. "Der Herr hat bei mir nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen", so Strache. Marsalek habe bei dem Gespräch von Interessenslagen der EU erzählt, die Südgrenze Libyens mit Sicherheitsteams und Aufnahmezentren zu schützen. "Was ja grundsätzlich eine interessante Idee ist", so Strache, der aber skeptisch gewesen sei.

"Natürlich erinnere ich mich an den (Ibiza-)Abend"

Zum Ibiza-Video selbst sagt Strache, der nach wie vor kein Vergehen seinerseits sieht: "Natürlich erinnere ich mich an den Abend und ich weiß, dass man eine Stunde lang versucht hat, mich dort offenbar als Antisemiten zu überführen und das nicht gelungen ist. Die vermeintliche Oligarchin habe auch "mehrere 100.000 Euro angeboten" - was Strache laut eigener Aussage mehrfach zurückgewiesen hat. "Und dass der Herr Haselsteiner nie mein Freund war, das ist auch heute so. Ich mag ihn bis heute nicht."

Strache & Schmitt

Besser versteht sich Strache mit Ex-Krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt, der ihn wegen der Gründung eines Online-Mediums angesprochen hatte, wie der Standard berichtet hatte. "Was ist daran verwerflich?", so Strache. Schmitt sei vor der Situation gestanden, aus der Kronen Zeitung hinaus komplimentiert zu werden. "Da hat er mit mir auch einmal darüber gesprochen und hat gefragt, ob es nicht vielleicht allfällige mögliche Investoren gibt. Das war's." Geworden sei bekanntlich nichts daraus.

Ob Strache weiterhin Urlaub auf Ibiza machen will? "Na, wenn man vom Pferd fällt, sollte man wieder aufsteigen", meint dieser dazu. "So wie ich es auch letztes Jahr nach meinem Rücktritt gehandhabt habe, und ich war dort." In diesem Jahr zieht es Strache aber nicht auf die Insel. Er plant - wenn es der Wahlkampf überhaupt zulässt - "ein paar Tage in Österreich mit Familie".

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe