APA/MARION & REINHARD HÖRMANDINGER

Sternsinger unterstützen 2022/23 Frauen und Mädchen in Kenia

18. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Schwerpunkt der nächsten Sternsingeraktion 2022/23 der Dreikönigsaktion (DKA) liegt im nördlichen Kenia, in den Regionen Marsabit und Samburu. In dieser wüstenähnlichen Region leben 80 Prozent der Menschen als Hirtenvölker. Überfälle auf Viehherden durch rivalisierende Stämme, Kinderheirat und Genitalverstümmelung sind nach wie vor gesellschaftliche Probleme in der Region, berichtete eine Gruppe der "Yarumal Missionaries" aus der Region Samburu im Interview mit Kathpress.

Das Ziel der DKA-Partnerorganisation sei es, durch Bildung und Ermächtigungsarbeit die Lebensumstände von Frauen und Mädchen zu verbessern. Der Projektleiter von "Yarumal Missionaries", der aus Lateinamerika stammende Pfarrer Fr. Guillermo Alvarez, ist derzeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Österreich unterwegs, um die Arbeit der Organisation vorzustellen. Bildung als Basis für nachhaltige Entwicklung sei dabei der Schlüsselfaktor, sagte Alvarez. Für die Hirtenkinder, die tagsüber auf die Herden aufpassten, seien insgesamt neun Abendschulen in der gesamten Region eingerichtet worden, in denen sie Englisch, Kiswahili, Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Außerdem würden die Kinder vor dem Beginn des Unterrichts eine Mahlzeit erhalten- für viele sei es oft die Erste nach einem langen Tag in der Hitze, so Alvarez.

Sozialarbeiterin Irene Naanyu Lenawuatoop, die selbst aus dem Samburu-Gebiet stammt, erzählte, dass insbesondere die Verheiratung von jungen Mädchen - im Durchschnitt seien diese nicht älter zwölf Jahre - mit deutlich älteren Männern, aber auch die weibliche Genitalverstümmelung nach wie vor tief in der Gesellschaft verankert seien. Ziel ihrer Arbeit mit Frauen und Mädchen sei es, diese innerhalb der patriarchal geprägten Gesellschaft zu ermächtigen, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Die Frauen würden von Kindheit an erzogen, sich selbst zu organisieren und für die Familien zu sorgen, "Afrika liegt auf den Schultern der Frauen", so Lenawuatoop. Es fehle ihnen aber an formaler Bildung, die wenigsten haben die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Die Analphabetenrate liege bei den Frauen in der Region bei über 80 Prozent.

Außerdem würden die Frauen über negativen Folgen von Kinderheirat und Genitalverstümmelung aufgeklärt, erklärte Projektmitarbeiterin Victoria Njeri Wanjiku. Sie würden ermutigt, ihre Töchter vor einem solchen Schicksal zu bewahren und gegen ihre Männer und Familien aufzustehen. Das gehe besonders gut, wenn die Frauen selbstständig seien und über eigene Einkommen verfügten, so Wanjiku.

Bei Buben und jungen Männern rücke neben der Alphabetisierung auch die Friedenssicherung in den Fokus, berichtet Projektmitarbeiter Silvester Tukai Adero. Dieser dienten Friedensgruppen in Schulen und Dörfern, Trainings mit unterschiedlichen Zielgruppen und die Durchführung verbindender Sportevents. Nach wie vor gehöre dazu auch das berüchtigte "Cattle Raiding", also Angriffe auf die Viehherden rivalisierender Nomadenstämme. Dieses gehe immer weiter zurück, berichtete Pfarrer Alvarez, was damit zu tun habe, dass man gezielt die jungen Männer mit den erwähnten Maßnahmen anspreche.

Das Horn von Afrika gehört zu den von der globalen Erderhitzung am schwersten betroffenen Regionen. Derzeit erlebe das Land die schlimmste Dürre seit über 40 Jahren. Für die Nomaden bedeute das konkret, dass sie immer weitere Strecken zurücklegen müssten, um in fruchtbare Gebiete für ihre Herden zu kommen, so Alvarez. Das bedeute auch, dass es öfter zu Konflikten unter den Nomadengruppen komme, etwa bei Anspruch auf fruchtbares Land.

Quelle: Agenturen