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Start eines nordkoreanischen Spionagesatelliten gescheitert

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Der zweite Versuch Nordkoreas, einen Spionagesatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA gescheitert. "Die erste und zweite Stufe verliefen normal, aber der Flug schlug wegen eines Fehlers im Notzündungssystem während der dritten Stufe fehl", berichtete KCNA am Donnerstag. Der Start löste in Japan eine Notfallwarnung aus.

Die staatlichen nordkoreanischen Medien berichteten, die mehrstufige Trägerrakete mit dem Aufklärungssatelliten "Malligyong-1" sei in der Nacht auf Donnerstag von einem Raketenstartplatz in der westlichen Provinz Nord-Pyongan abgehoben. Danach habe es ein Problem mit dem "Notfall-Zündsystem" der dritten Stufe gegeben, weshalb der geplante Flug ins All gescheitert sei. Sofort kündigte das von Kim Jong-un streng autoritär regierte Land für Oktober einen dritten Versuch an. Die Ursache für das Scheitern sei "kein großes Problem".

Der Raketenstart wurde von den Nachbarn Südkorea und Japan erfasst. Trotz des Fehlschlags verurteilten sie wie auch ihr Verbündeter USA den jüngsten Start einer nordkoreanischen Weltraumrakete. Sie warfen dem Land vor, Technologie zu verwenden, die in direktem Zusammenhang mit seinem Programm für ballistische Raketen stehe. Das Verhalten Nordkoreas erhöhe "die Spannungen und riskiert, die Sicherheitslage in der Region und darüber hinaus zu destabilisieren", hieß es in einer Erklärung des Indo-Pazifik-Kommandos der US-Streitkräfte.

Der Start löste in Japan kurz vor 4.00 Uhr früh (Ortszeit/19.00 GMT) eine Notfallwarnung aus, die die Bewohner der südlichsten Präfektur Okinawa aufforderte, in ihren Häusern Schutz zu suchen. Etwa 20 Minuten nach der Warnung gab die japanische Regierung bekannt, dass die Rakete den Pazifik erreicht habe, und hob die Warnung auf. Der japanische Kabinettschef Hirokazu Matsuno erklärte, die wiederholten Raketenstarts seien eine Bedrohung für die regionale Sicherheit. "Wir werden scharf protestieren und Nordkorea auf das Schärfste verurteilen", sagte er im japanischen Fernsehen. Teile der Rakete seien ins Gelbe Meer, ins Ostchinesische Meer und in den Pazifik gestürzt.

Das südkoreanische Militär verurteilte den Start als Provokation und Verstoß gegen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates, die dem Norden den Einsatz ballistischer Raketentechnologie verbieten. Ein US-Regierungsvertreter bestätigte unter dem Schutz der Anonymität, dass das US-Militär über den nordkoreanischen Start informiert gewesen sei, lehnte es aber ab, Details zu nennen.

UNO-Resolutionen verbieten der Führung Pjöngjangs den Start ballistischer Raketen jeder Reichweite. Solche Raketen können - je nach Bauart - mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Die Technologie von Weltraumraketen und militärischen Langstreckenraketen unterscheidet sich kaum.

Wie andere Staaten auch will Nordkorea, das wegen seines Atomwaffenprogramms internationalen Sanktionen unterliegt, den Weltraum militärisch nutzen. Machthaber Kim hatte im April gefordert, in Zukunft nacheinander mehrere Aufklärungssatelliten auszusetzen, um den "Bedrohungen" der USA und Südkoreas besser begegnen zu können. Beiden Ländern wirft Pjöngjang eine feindselige Politik vor.

Schon Ende Mai war Pjöngjang in dem Bemühen gescheitert, einen Aufklärungssatelliten auszusetzen. Nach der Bergung von Wrackteilen der damals benutzten Rakete aus dem Gelben Meer war Südkoreas Militär später zu der Einschätzung gekommen, dass der mitgeführte Satellit keinen Nutzen für die militärische Aufklärung habe.

Japan hatte die eigene Bevölkerung über das J-Alert-Warnsystem über den Raketenstart informiert. Nordkorea hatte das Nachbarland zuvor von dem geplanten Start in Kenntnis gesetzt und dabei ein Startfenster zwischen Donnerstag und Ende August angegeben. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den Generalstab in Seoul berichtete, flog die Trägerrakete 33 Kilometer westlich der südkoreanischen Insel Baengnyeong im Gelben Meer vorbei in Richtung Süden. In dem Meer werden Trümmerteile der Rakete vermutet, nach denen Südkoreas Militär auch diesmal wieder suchen will. Die Bergungsaktion sei im Gang, sagte ein Regierungsbeamter in Seoul. Von der Analyse der Teile versprechen sich Südkorea und die USA Hinweise auf mögliche Fortschritte in der Satellitenentwicklung Nordkoreas.

Es sei keine große Überraschung, dass auch der Start am Donnerstag fehlgeschlagen sei, aber die Berichte der staatlichen Medien deuteten darauf hin, dass Nordkorea seit dem Absturz im Mai einige Fortschritte gemacht habe, sagte Ankit Panda von der Carnegie Endowment for International Peace (CEIP), einer der unparteiischen Denkfabriken für internationale Angelegenheiten.

ribbon Zusammenfassung
  • Der zweite Versuch Nordkoreas, einen Spionagesatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA gescheitert.
  • "Die erste und zweite Stufe verliefen normal, aber der Flug schlug wegen eines Fehlers im Notzündungssystem während der dritten Stufe fehl", berichtete KCNA über den Start am Donnerstag.
  • Teile der Rakete seien ins Gelbe Meer, ins Ostchinesische Meer und in den Pazifik gestürzt.

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