"Ständiges Aufflammen" im Kosovo: Kann Nehammer im Konflikt vermitteln?

12. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Durch die guten Beziehungen sowohl zum Kosovo als auch zu Serbien, könnte Österreich dazu beitragen, dass weitere Eskalationen vermieden werden. Das meinen sowohl Vedran Dzihic vom OIIP als auch Sebastian Schäffer vom IDM.

Die Situation im Kosovo sei in den letzten Monaten "extrem angespannt" gewesen, so Vedran Dzihic, Senior Researcher am Österreichisches Institut für Internationale Politik (OIIP). Nachdem die Eskalationsstufe "sehr sehr hoch" gewesen sei, sei es nun etwas ruhiger geworden. Weitere Spannungen seien trotzdem nicht ausgeschlossen.

Ständiges Aufflammen

Auch Sebastian Schäffer, Geschäftsführer des Instituts für Donauraum und Mitteleuropa (IDM), bezeichnet die Lage als ein "ständiges Aufflammen und dann gegenseitig aufeinander zugehen". Schäffer geht jedoch nicht davon aus, dass es zu einer größeren Eskalation kommen wird.

Eskalation wäre "Horrorszenario"

Der Westen versuche nun "beide Seiten an einen Tisch" zu bringen und Gespräche über konkrete politische Lösungen zu starten, so Dzihic. Das Ziel sei es, eine Eskalation im Kosovo unbedingt zu verhindern, da eine offene Konfrontation zwischen der NATO und Serbien, mit Russland im Hintergrund, ein "Horrorszenario" wäre. Sie würde eine "neue geopolitische Flanke im Südosten Europas aufmachen, die in diesem Moment wirklich niemand braucht", warnt Dzihic.

Für eine längerfristige Lösung des Konflikts brauche es von allen drei Seiten, also von Serbien, dem Kosovo und der EU, Bereitschaft, Modelle auch umzusetzen, erklärt Schäffer. Die EU-Mitgliedstaaten seien sich nicht einmal einig darüber, wie mit der Situation umgegangen werden soll.

Fünf EU-Staaten haben den Kosovo immer noch nicht anerkannt. Vor allem aus diesem Grund sehen sowohl Dzihic als auch Schäffer einen baldigen EU-Beitritt des Kosovo als unwahrscheinlich an.

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Schäffer zu Kosovo: Keine größeren Eskalationen zu erwarten

Österreich als Vermittler?

Österreich könne durch seine gute Beziehung sowohl zu Serbien als auch zum Kosovo dazu beitragen, dass "hier zumindest die Eskalation nicht wieder hochkommt", so Schäffer. Für den österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) könnte es jedoch schwer werden, einerseits die kosovarische Position zu unterstützen und zugleich die stabile, pragmatische Beziehung zu Serbien" aufrecht zu erhalten, schätzt Dzihic.

Der Regierungschef des Kosovo, Albin Kurti, kam am Donnerstag zu einem offiziellen Besuch nach Wien. Dabei betonte Bundeskanzler Nehammer, dass Österreich zu einer stärkeren Truppenpräsenz im Kosovo bereit sei, sollte die NATO-geführte Schutztruppe KFOR eine Aufstockung entscheiden. 

Quelle: Redaktion / ddj