APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Skurriler Prozess um Privatanklage von Egisto Ott

10. März 2026 · Lesedauer 3 min

Skurrile Szenen hat es am Dienstag am Wiener Landesgericht in einem vom ehemaligen Chefinspektor des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Egisto Ott, angestrengten Prozess gegen "profil"-Chefredakteurin Anna Thalhammer gegeben. Zuerst wurde Ott des Saales verwiesen, weil sich die Richterin an seinem wiederholten Dazwischenreden störte. Später wollte Ott nicht erklären, weshalb er die Klage eingereicht hatte.

Als Ott als Zeuge befragt werden sollte, beantwortete er keine einzige Frage. "Ich entschlage mich der Aussage", erwiderte Ott, als Richterin Nicole Baczak zu ergründen versuchte, weshalb der Ex-BVT-Chefinspektor eine Klage wegen übler Nachrede gegen Thalhammer eingereicht hatte. "Warum sitzen wir dann da, wenn Sie nicht reden wollen? Was soll das dann da?", reagierte die Richterin verdutzt. "Ich entschlage mich der Aussage. Nach der StPO", beharrte Ott.

Gegen Ott ist am Wiener Landesgericht ein Prozess wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeiten zugunsten Russlands, Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit, Verletzung des Amtsgeheimnisses und weiterer Delikte anhängig. Er weist sämtliche gegen ihn gerichteten Vorwürfe kategorisch zurück. Der Spionage-Prozess ist vorerst bis 20. Mai anberaumt. Das dürfte der Hintergrund sein, weshalb er sich in dem von ihm gegen Thalhammer betriebenen Verfahren so schweigsam zeigte. Als Zeuge wäre Ott zur Wahrheit verpflichtet und müsste sämtliche an ihn gerichtete Fragen wahrheitsgemäß beantworten.

"Was ist der Entschlagungsgrund?", wollte Baczak wissen. "Die StPO", sagte Ott. "Was wollen Sie mit diesem Strafverfahren? Warum sitz ich hier?" hakte Baczak nach. - "Ich entschlage mich der Aussage."

Schließlich wurde die Verhandlung auf den 20. Oktober vertagt. Die Richterin will bis dahin den gesamten Gerichtsakt zu Otts Spionage-Verfahren beischaffen lassen und mit Hilfe dessen klären, ob Ott überhaupt ein Entschlagungsrecht zukommt. Sollte er im Herbst weiter darauf beharren und sich zeigen, dass er kein Entschlagungsrecht hat, gäbe es Mittel, ihn zum Reden zu bewegen, deutete Baczak an: "Ordnungsstrafen. Lassen Sie sich überraschen."

Thalhammer hatte zwei Tweets geteilt

Thalhammer, die seit 2017 zum BVT recherchiert und in weiterer Folge auch immer wieder über Egisto Ott berichtet hatte, teilte am 27. Juni 2025 und am 23. Juli 2025 über ihren X-Account zwei Tweets des bulgarischen Investigativjournalisten Christo Grozev. Dieser dürfte von einem Agenten-Ring im Interesse des russischen Geheimdiensts an seiner Wiener Adresse beschattet und ausspioniert worden sein, wobei der Staatsanwaltschaft Wien zufolge Ott dabei seine Finger im Spiel gehabt haben soll. Im ersten Tweet empörte sich Grozev, dass Ott bei der Präsentation einer Dokumentation, an der er mitgewirkt hatte, als Ehrengast behandelt wurde, obwohl Ott ihn und dutzende andere Personen für Russland ausspioniert habe. Thalhammer teilte diesen Tweet mit einem knappen "Jup." Dadurch und durch einen zweiten Grozev-Tweet, den Thalhammer ebenfalls mit ihren 37.000 Followern teilte, sieht Ott seine Menschenwürde und die Unschuldsvermutung verletzt und begehrt dafür Thalhammers Verurteilung und den Zuspruch einer Entschädigung.

Thalhammer und ihr Anwalt Michael Borksy erblicken in diesem Vorgang den Versuch, die Presse einzuschüchtern bzw. mundtot zu machen. Sie sei "nicht schuldig", wies Thalhammer in ihrer Einvernahme als Beschuldigte Otts Behauptung zurück, sie habe diesen einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung geziehen oder eines unehrenhaften Verhaltens beschuldigt, indem sie Grozevs Aussagen verbreitete. Sie sei "überzeugt", dass dessen Vorwürfe "sehr schwer wiegen und Substrat haben", sagte Thalhammer.

Zusammenfassung
  • Im skurrilen Prozess am Wiener Landesgericht gegen profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer verweigerte der Kläger Egisto Ott jede Aussage und wurde zeitweise des Saals verwiesen.
  • Hintergrund der Klage ist das Teilen von zwei Tweets des Journalisten Christo Grozev durch Thalhammer am 27. Juni 2025 und 23. Juli 2025, in denen Ott schwere Spionage-Vorwürfe gemacht werden und die sie mit ihren 37.000 Followern verbreitete.
  • Die Verhandlung wurde auf den 20. Oktober vertagt, um zu klären, ob Ott ein Entschlagungsrecht zusteht; bei weiterer Aussageverweigerung drohen ihm laut Richterin Ordnungsstrafen.