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Siegfried Wolf: Rätsel um Gemeindewohnung des Multimillionärs

28. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Eigentlich sollten die Wiener Gemeindewohnungen leistbaren Wohnraum für Menschen mit geringeren Einkommen garantieren. Nun stellte sich heraus, dass Multimillionär Siegried Wolf bis vor Kurzem in einer solchen Gemeindewohnung in Favoriten gemeldet war.

Wie Recherchen des "Profils" zeigen, soll Siegfried Wolf bis vor Kurzem in einem Gemeindebau in Wien-Favoriten gemeldet gewesen sein. Die amtliche Meldung soll seit 1978 bestanden haben, bis 2003 soll dort sogar der Hauptwohnsitz gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wolf aber schon hochrangige Managerfunktionen inne, wie das "Profil" berichtet. Erst im November 2021 erfolgte die Abmeldung des angeblichen Wohnsitzes. An der Türe hängt aber immer noch ein Schild mit dem Namen "Wolf". 

Als Manager im Gemeindebau?

Siegfried Wolf war von 1995 bis 2010 im Top-Management von Magna tätig. Danach arbeitete er im Unternehmensimperium des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Entsprechend hoch dürfte sein Einkommen in den vergangenen Jahrzehnten gewesen sein. Im Vorjahr übernahm Wolf dann ein Werk des Lastwagenherstellers MAN in Oberösterreich und forderte von den Angetsellten Lohnreduzierungen ein. Er selbst war im Gemeindebau gemeldet. 

Gleichzeitig soll Wolf laut "Profil" über ein "Immobilienvermögen" verfügen und einen großen Bauernhof mit 50.000 Quadratmetern Grund in Niederösterreich besitzen - und das seit 1986. In Wien soll er ebenso mehrere Wohnungen - darunter welche im ersten Bezirk haben. Eine davon mietet der Millionär laut "Profil" um 39.500 Euro monatlich. 

Regierungskritik an der Tür

Besonders skurril: Ein Lokalaugenschein des Nachrichtenmagazins zeigt, dass an der Tür der Wohnung in Favoriten ein Sticker mit Kritik am ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angebracht ist. Wie Wolf dazu steht, wollte er dem "Profil" nicht beantworten. In der Vergangenheit hatte er sich jedenfalls positiv über Kurz geäußert.

"Vor mehr als 50 Jahren bezogen"

Auch warum er dort bis 2021 gemeldet war, ließ Wolf offen. Sein Sprecher soll nur mitgeteilt haben, dass Wolf die Wohnung "vor mehr als 50 Jahren als Lehrling bezogen" habe, aber "schon sehr lange nicht mehr" dort wohne. Wolf beendete seine Ausbildung zum Werkzeugmachermeister im Jahr 1981. Es sollen auch andere Mitglieder der Familie schon in der Wohnung gelebt haben -"Profil" stellt die Vermutung an, dass die Wohnung in der Familie weitergegeben werde. 

Gleichzeitig wird gegen den Multimillionär Wolf auch ermittelt: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft ihm vor, einer Finanzbeamtin mit Hilfe des damaligen Generalsekretärs im Finanzministerium Thomas Schmid zu einem Wunschjob verholfen zu haben. Im Gegenzug soll Wolf einen einen Steuernachlass von mehr als 600.000 Euro bekommen haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Quelle: Redaktion / koa