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Selenskyj: Lage an der Front "schmerzhaft und schwierig"

27. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein dramatisches Bild der Lage im Verteidigungskrieg gegen den russischen Aggressor gezeichnet. Die Situation an der Front in Donbass sei "schwierig und schmerzhaft" und erfordere die ganze "Kraft und Konzentration" des Landes, sagte Selenskyj am Montagabend in seiner täglichen Videoansprache. Der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte indes die Forderungen des Kreml nach einer "Entmilitarisierung" der Ukraine.

"Zuallererst, die Situation an der Front: Bachmut, Kreminna und andere Gebiete im Donbass, die ein Höchstmaß an Kraft und Konzentration erfordern. Die Situation dort ist schwierig und schmerzhaft. Die Besatzer setzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein - und das sind beträchtliche Ressourcen - um irgendeinen Vorstoß zu machen", sagte der ukrainische Präsident. Er beklagte, dass weiterhin Millionen Ukrainer von Stromausfällen betroffen seien.

Der russische Chefdiplomat Lawrow machte unterdessen klar, dass sein Land zu keinen Konzessionen bereit ist. "Unsere Vorschläge zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung der vom Regime kontrollierten Gebiete, zur Beseitigung der von dort ausgehenden Bedrohungen für die Sicherheit Russlands, einschließlich unserer neuen Gebiete, sind dem Feind sehr wohl bekannt", sagte er in der Nacht auf Dienstag gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS. "Der Punkt ist ganz einfach: Erfüllen Sie sie zu Ihrem eigenen Besten. Andernfalls wird die Frage von der russischen Armee beantwortet werden."

Der russische Außenminister warf der Ukraine zudem vor, die USA und andere NATO-Mitglieder "tiefer in den Strudel des Konflikts zu ziehen, in der Hoffnung, einen überstürzten Zusammenstoß mit der russischen Armee unvermeidlich zu machen." Lawrow erinnerte in diesem Zusammenhang an den Einschlag einer Rakete Mitte November in Polen und bezeichnete die ukrainische Reaktion darauf als Provokation. Selenskyj habe nämlich versucht, das Geschoß "als russische Rakete auszugeben". "Es ist gut, dass Washington und Brüssel damals die Weisheit hatten, nicht darauf hereinzufallen."

Lawrow warf zudem dem Westen vor, Russland vernichten zu wollen. "Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass das strategische Ziel der Vereinigten Staaten und ihrer NATO-Verbündeten darin besteht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, um unser Land erheblich zu schwächen oder sogar zu zerstören", sagte er in dem Interview. Für die gespannten Beziehungen zu den USA machte er die Regierung von Präsident Joe Biden verantwortlich. Neue Initiativen zur Rüstungskontrolle von Atomwaffen oder für Sicherheitsgarantien seien nicht geplant. Lawrow forderte den Westen auch zu maximaler Zurückhaltung in dem "hochsensiblen" Nuklearbereich auf.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Sonntag erklärt, Russland sei zu Verhandlungen mit allen in dem Konflikt beteiligten Parteien bereit. Allerdings hätten die Führung in Kiew und ihre westlichen Unterstützer Gespräche verweigert. Dem widersprach die Ukraine umgehend. Sie fordert den Abzug aller russischen Truppen, auch von der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim.

Nachdem sich Russland bereits im Jahr 2014 die Krim einverleibt hatte und Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk von Separatisten besetzen ließ, startete die Atommacht am 24. Februar einen umfassenden Angriffskrieg gegen das Nachbarland. Der Versuch, die pro-westliche Regierung in Kiew zu stürzen, misslang. Mit massiver Unterstützung von EU und NATO konnte die Ukraine den Angriffen nicht nur standhalten, sondern auch zunächst verlorene Gebiete in den Regionen Charkiw und Cherson zurückerobern. Nachdem die Erfolge auf dem Schlachtfeld ausgeblieben waren, ließ Kreml-Chef Putin die ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja nach Scheinreferenden annektieren.

Quelle: Agenturen