Seifert für Afghanistan-Hilfe, "sonst verhungern die Menschen"

19. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Mit den Akteuren in Afghanistan wolle im Westen niemand etwas zu tun haben, sie seien "ungustiöse Gestalten" und hätten "Blut an ihren Händen", analysiert Journalist Thomas Seifert. Trotzdem müsse die Hilfe weitergehen, die Afghanen könnten nichts für ihre Regierung.

Die Lage in Afghanistan sei "sehr verzwackt" und schwierig, fasst Seifert von der "Wiener Zeitung" im PULS 24 Interview die Lage in einem Satz zusammen. Die Sorge und Angst der Menschen wären sehr groß. Besonders Verbündete der Westmächte wären in Gefahr. Diese hätten auf die EU und die Amerikaner gezählt und fühlen sich jetzt im Stich gelassen. Das Verhalten der Westmächte sei "schändlich". Weil die Situation am Flughafen von Kabul auch sehr chaotisch gewesen sei, stehe man natürlich auch vor logistischen Problemen. Frauen und Kinder werden von den Taliban teilweise auch gar nicht zum Flughafen durchgelassen. 

Die Zusicherungen der Taliban seien nicht sehr viel wert, wenn sie nicht durchgesetzt werden, so Seifert. Selbst Menschen mit deutschen Pässen berichteten von Schwierigkeiten. 

Alle Akteure mit "Blut an den Händen"

"Selbstverständlich hat es weitreichende Absprachen zwischen den Taliban und den Amerikanern gegeben, anders wäre der Abzug so gar nicht möglich gewesen", eine Zusammenarbeit besteht laut Seifert also. Aber auch Pakistan hätte Einfluss und auch Zusammenarbeiten mit Terrornetzwerken würden bestehen. All das sei für den Westen schwierig. "Es gibt keine Akteure, mit denen jemand etwas zu tun haben will" in Afghanistan, alle hätten "Blut an ihren Händen", sie wären "radioaktiv", analysiert der Journalist. 

"Dort will niemand geboren sein"

Aber man müsse auch die andere Seite sehen. "Wollen wir die Menschen in Afghanistan bestrafen, indem wir unsere Hilfe kappen?" Wenn Lieferungen und Unterstützung eingestellt werden würde, "verhungern dort die Menschen". Afghanistan sei ein Land, "wo Gott zum Weinen hingeht. Dort will niemand geboren sein". 

Leider würden diese Menschen von den Taliban regiert, dafür könnten sie aber nichts. 

Einige NGOs wären bereit, ihre Hilfe fortzusetzen. "Wir hoffen, dass es einige Figuren gibt, mit denen man irgendwie zusammenarbeiten kann."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam