Kurz in Richtung EMA: "Irgendwann reißt mir der Geduldsfaden"

18. Jan 2021 · Lesedauer 2 min

Im Interview mit PULS-4-Infochefin Corinna Milborn sagt Kurz, dass die Impfstoffbeschaffung der EU schneller gehen hätte müssen. Bei der noch ausstehenden Zulassung von Astra-Zeneca würde ihm zudem "irgendwann der Geduldsfaden reißen".

Österreich blickt nach Amsterdam. Genauer gesagt auf die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die Zulassung des dritten Corona-Impfstoffs AstraZeneca. Denn nur mit diesem lässt sich die österreichische Impfstrategie auch durchführen. Das bestätigt auch Bundeskanzler Sebastian Kurz im Interview bei PULS-24-Infochefin Corinna Milborn. "Von diesem Anbieter würden wir im ersten Quartal bis zu zwei Millionen Dosen bekommen. Das bedeutet, wenn diese Zulassung jetzt endlich stattfindet – und irgendwann reißt mir der Geduldsfaden – ich hoffe sie kommt jetzt bald", dann könne man eine Million Menschen mehr im ersten Quartal impfen, sagt Kurz.

Testprozesse will Kurz damit nicht anschieben, erklärt er auf Rückfrage. "Das eine sind die wissenschaftlichen Standards, die müssen immer auf Punkt und Beistrich eingehalten werden. Da darf sich die Politik auch nicht einmischen. Das Zweite ist aber das Prozedere, und die Frage wie schnell und wie unbürokratisch es stattfindet", sagt der Bundeskanzler. Er hoffe, wie "alle Regierungschefs in Europa, dass in der EMA Tag und Nacht gearbeitet wird, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu überprüfen und dann eine Entscheidung zu treffen". Sebastian Kurz weist darauf hin, dass der Impfstoff unter anderem bereits in Großbritannien und Brasilien verimpft wird.

Gemeinsame Impfstoffbeschaffung

Hinsichtlich der gemeinsamen Impfstoffbeschaffung innerhalb der EU sagt der Kanzler: "Ende Juni hat die EU ihre Mitgliedsstaaten verpflichtet, keine bilateralen Gespräche mit Impfstoffherstellern zu führen, da die EU das Verhandlungsmandat für alle Mitgliedsstaaten geschlossen übernimmt. Und den Abschluss hat die EU im November erzielt, Österreich sei deshalb gebunden gewesen, nicht selbst mit Impfstoffherstellern bis November zu verhandeln."

Rückblickend wären aber andere Staaten wie Israel viel schneller gewesen. Kurz räumt aber ein, dass es fatal gewesen wäre, "hätte das kleine Österreich gesagt, alle anderen 26 EU Ländern beschaffen gemeinsam und wir in Österreich machen das ganz alleine."

Kurz will aber nach der Pandemie die Entscheidungsprozesse der EU genau hinterfragen: "Denn viele Entscheidungen, die Reiseregelungen und Vertragsabschlüsse mit Pharmakonzernen betreffen, hätten natürlich deutlich schneller gehen sollen."

Quelle: Redaktion / ska/moe