Schulen bekommen neue Quarantäneregelung

14. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Eine neue Quarantäneregelung für Schulen soll laut Martin Netzer, Generalsekretär des Bildungsministeriums, bereits heute, Dienstag, kommen.

Nach einer Debatte rund um die Quarantäneregeln für Schüler, scheint eine neue Regelung nun fixiert zu sein. Martin Netzer, Generalsekretär des Bildungsministeriums, geht davon aus, dass die dazugehörige Verordnung "noch heute erlassen" wird, wie er im "Ö1-Morgenjournal" sagt.

Die neue Regelung sieht vor, dass nur der unmittelbare Sitznachbar eines Corona-positiven Kindes als K1 Person eingestuft wird. Diese Kinder haben dann nach fünf Tagen die Möglichkeit sich mittels PCR-Test freizutesten. Die Regelung soll dann bundesweit gelten – bisher hat die Gesundheitsbehörde darüber entschieden, wer in Quarantäne gehen muss.

Unterschiedliche Voraussetzungen in Schulen

"Wir haben ein ambitioniertes Programm", sagt Netzer gegenüber "Ö1" und verweist darauf, dass Österreichs Teststrategie europaweit einzigartig sei. Startschwierigkeiten seien laut Netzer aufgrund der Größe des Projektes zu erwarten gewesen. Dennoch seine die "Voraussetzungen in den Schulen unterschiedlich", wie Netzer selbst erklärt. Man setzte hier auf die Schulleiter, dass diese "ihr Bestes geben".

Man pflege auch den Austausch mit den Schülern, versichert der Generalsekretär des Bildungsministeriums. "Wir verstehen uns als Anwälte der Kinder und Jugendlichen", so Netzer, Er sieht die Erwachsenen in der Verantwortung Rücksicht auf die Jüngeren zu nehmen und sich impfen zu lassen. Netzer richtet auch einen Impfapell an die Jugendlichen. Bei einer Durchimpfungsrate von 60 Prozent an den Oberstufen, müssen diese "einen Zahn zulegen", sagt Netzer.

Faßmann und Wiederkehr für Änderung

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte sich befreits für eine Änderung der Regelung ausgesprochen. Man orientiere sich an Deutschland und wolle die Zeitspanne, für ein Freitesten, von zehn auf fünf Tage verkürzen. Dem stehe man im Gesundheitsministerium positiv gegenüber, hieß es bereits im "Ö1-Mittagsjournal". Man wolle dies nun gemeinsam prüfen. Auch Wiens Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) sprach sich für eine Verkürzung der Quarantäne aus. Er halte das in Kombination mit Freitesten nach fünf Tagen für sinnvoll, sagte er in "Wien heute" Montagabend. Auch sollen Volksschulklassen bei einem positiven Fall nicht gleich ganz geschlossen werden, sondern nur Kinder in unmittelbarer Nähe des Betroffenen in Quarantäne geschickt werden. Man sollte alle Fälle genau anschauen und abwägen, so Wiederkehr.

Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) spricht mit PULS 24 über den Schulbeginn.

Ablehnend stehen die Virologin Dorothee von Laer und der Mikrobiologe Michael Wagner dem Vorschlag des Bildungsministers gegenüber. Dieser hatte angeregt, nur die unmittelbaren Sitznachbarn eines positiv getesteten Kinds in Quarantäne zu schicken. Angesichts der deutlich ansteckenderen Delta-Variante sei eine Absonderung der gesamten Klasse unumgänglich, meinte Von Laer im "Ö1-Morgenjournal". Wagner verglich die Übertragung von Aerosolen mit dem Rauchen: "Wenn jemand in der Klasse irgendwo rauchen würde, würde man es auch im ganzen Klassenzimmer riechen und so ist es hier auch."

"Das mit den Nachbarn halte ich für keine gute Idee", sagt auch Virologe Norbert Nowotny gegenüber PULS 24. Dafür gäbe es zu intensivem Kontakt zwischen den Schülern. Er begrüße allerdings die Verkürzung der Quarantäne auf fünf Tage und das Freitesten mittels PCR-Test.

Virologe Norbert Nowotny spricht im Interview mit PULS 24 u.a. über die Corona-Maßnahmen an den Schulen.

Unterdessen fordern Wiener Gymnasiums-Schulsprecher in einem Offenen Brief unter anderem die flächendeckende Einführung von Luftfiltern, eine Impfpflicht für Kindergarten- und Lehrpersonal, die Streichung von Lehr- und Maturastoff sowie die Rückkehr der FFP2-Maskenpflicht im Schulgebäude. Unterzeichnet ist der Brief von 32 Schulsprechern, das ist ein Drittel aller Wiener Gymnasien.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea