APA - Austria Presse Agentur

Schule beginnt erst nach Semesterferien in Schichtbetrieb

17. Jan 2021 · Lesedauer 4 min

Die Schulen werden statt am 25. Jänner erst nach den Semesterferien wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren - und zwar im Schichtbetrieb. Das kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Sonntag bei einer Pressekonferenz an. In Wien und Niederösterreich ist das am 8. Februar, in den restlichen Ländern am 15. Februar. Die Steiermark und Oberösterreich verlegen dafür die Semesterferien um eine Woche vor.

Unverändert wird an den Schulen für Kinder bis 14 Jahren für die Zeit des Distance Learning Betreuung für jene angeboten, deren Eltern Bedarf anmelden. Er ersuche die Eltern aber, tatsächlich ihre Kinder nur dann in die Schule zu schicken, wenn dies auch wirklich nötig sei, so Faßmann.

Kritik daran übte der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger: Er verlangt eine Einschränkung der Möglichkeit zur Betreuung auf Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen. Wenn die Ziele des Lockdowns an den Schulen nicht konterkariert werden sollen, müsse dort die Betreuungsquote deutlich geringer werden. Dagegen wehren sich wiederum die Elternvertreter: Sie verstehe schon, dass volle Klassen bei der Bekämpfung der Pandemie ein Problem darstellen, meinte etwa die Vorsitzende der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Elisabeth Rosenberger. Viele Eltern seien allerdings schon über der Belastungsgrenze angekommen.

Unverändert bleibt der Semesterabschluss: Die Schüler sollen Schulnachrichten, also die Semesterzeugnisse, erhalten. Faßmann appellierte dabei an die Lehrer: "Derzeit ist nicht die Zeit der Härte, sondern die Zeit der Milde." Das gelte auch für die Übertritte etwa nach der Volksschule, die anhand der Noten in der Schulnachricht erfolgen. Kimberger erwartet sich hier nun eine Richtlinie des Bildungsministeriums, unter welchen Gesichtspunkten und nach welchen Schwerpunkten die Leistungsbeurteilung ohne Präsenzunterricht stattfinden soll.

Wie der Schichtbetrieb nach den Semesterferien aussehen soll, wird laut Faßmann noch geklärt. Grundsätzlich spreche viel für ein "1:1"-Modell mit einem Tag Schule gefolgt von einem Tag für Hausübungen für die erste Gruppe und umgekehrt für die zweite Gruppe. Inwieweit auch an den Schulen eine FFP2-Maske getragen werden muss, müsse noch geklärt werden, betonte der Minister. Vorerst festgehalten wird an den Maturaterminen - auch hier fordern nun die Eltern weitere Erleichterungen.

Zur Abfederung der langen Zeit des Distance Learning verwies Faßmann erneut auf ein geplantes Förderpaket. Dieses soll nun rund 200 Mio. Euro umfassen und sofort nach der Rückkehr an die Schulen starten. Im Schnitt sollen dafür pro Klasse zwei zusätzliche Wochenstunden zur Verfügung stehen, die vor allem schwächeren Schülern zugutekommen sollen. In welchen Fächern und in welcher Form diese Förderung organisiert wird, entscheiden die Schulen. Das könne entweder zusätzlicher Unterricht am Nachmittag sein oder auch eine Klassenteilung in manchen Fächern. Ein besonderer Schwerpunkt werde auch auf außerordentliche Schüler gelegt - also jene, die in Deutschförderklassen oder Deutschförderkursen gehen.

Die SPÖ fordert, zum Ausgleich für den Entfall des Präsenzunterrichts auch über Unterricht im Sommer nachzudenken. "Zum Aufholen für alle SchülerInnen soll daher auch der Juli genutzt werden", so Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid in einer Aussendung. "Diese Möglichkeit darf kein Tabu mehr sein und muss mit den Schulpartnern geklärt werden." Auch den Maturastart ab 19. Mai hält sie für "kaum haltbar". Die FPÖ will die Schulen bereits morgen wieder öffnen - "und zwar für den Unterricht und nicht bloß als Betreuungseinrichtung", so Bildungssprecher Hermann Brückl.

Sonderprobleme gibt es durch die Vorverlegung der Semesterferien in Oberösterreich und der Steiermark: Einerseits erfolgt dort der Notenschluss eine Woche früher als geplant - die Elternvertreter fürchten hier deshalb noch zusätzlichen Druck durch die Vorverlegung von Schularbeiten. Andererseits müssen Eltern nun eventuell ihren Urlaub zur Betreuung der Kinder verlegen - was zu Problemen mit den Arbeitgebern führen könnte. Zur Lösung des Betreuungsproblems soll laut den Bildungslandesrätinnen der beiden Länder ein Ergänzungsunterricht angeboten werden, außerdem arbeite man an zusätzlichen Betreuungsangeboten, hieß es auf APA-Anfrage.

Quelle: Agenturen