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Russland fürchtet ukrainische Krim-Offensive

28. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Beinahe im Monatstakt fallen strategisch wichtige Städte wieder an die Ukraine zurück. Nun dürfte sich alles auf die seit 2014 von Russland besetzte Halbinsel Krim fokussieren.

Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus Cherson, ruht die ukrainische Gegenoffensive derzeit, doch laut dem täglichen Lagebericht des Institute for the Study of War (ISW), stünde für die Überquerung des Dnjepr schon alles bereit. Bedroht sind demnach sämtliche wichtige russische Versorgungslinien, von der Krim bis Melitopol, in der Nähe des AKW Saporischschja.

Russland beunruhigt

Russland bereitet sich unterdessen bereits auf ein mögliches Vorstoßen der ukrainischen Streitkräfte vor. Satellitenbilder zeigen, wie russische Streitkräfte Schützengräben im Norden der Krim graben. Für den schwedischen Oberstleutnant Joakim Paasikivi ein Zeichen dafür, dass man über eine ukrainische Offensive beunruhigt sei, wie er gegenüber dem schwedischen Sender "SVT" erklärt. Russland dürfte damit rechnen, dass die Ukraine über den Ort Chonhar eindringt, deshalb würden dort Schützengräben errichtet, meint Paasikivi.

"Aufwendige Straßensperren"

Im Osten der Region Cherson arbeitet Russland bereits seit Oktober an Verteidigungslinien und Stützpunkten, auf die es sich beim Abzug vom Westufer des Flusses Dnipro zurückziehen konnte, wie das ISW weiter berichtet. Die Verteidigungsstellungen befinden sich fast ausschließlich an russischen Versorgungsrouten und sind für das ISW eher "aufwendige Straßensperren". Sie reichten häufig nicht weit über die für Russland relevante Straße hinaus und böten eine offene Flanke. Jeweilige Einheiten in den Stellungen könnte sich aufgrund der großen Entfernung auch nicht gegenseitig unterstützen.

"Ernsthafte Gefahr"

Das ISW geht aufgrund der schlechten Verteidigung auch davon aus, dass die russischen Truppen die Ukraine nicht vom Überschreiten des Dnjepr abhalten kann.  Dabei könnte das Überqueren dieser natürlichen Barriere durch die ukrainische Armee für Russland eine ernsthafte Gefahr darstellen. Denn die Nachschubwege östlich des Dnjepr sind für Russland von großer Bedeutung über die Region Cherson hinaus. Sie verbinden weite Teile des von Russland im Südosten der Ukraine besetzen Gebietes. Sie reichen demnach vom Ostufer des Dnjepr bis zur südlich davon gelegenen Krim und bis zum weiter östlichen Melitopol im Oblast Saporischschja.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp