Anschober widerspricht Kurz-Schlagzeilen: "Ich kenne die Wirklichkeiten"

07. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigt sich im PULS 24 Interview wenig beeindruckt von den Boulevard-Aussagen von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Ich weiß, wie solche Entscheidungsprozesse in der Bundesregierung zustandekommen", sagt er.

Bundeskanzler Sebatian Kurz ließ sich Anfang der Woche in mehreren Boulevard-Schlagzeilen als derjenige feiern, der eingeschritten sei und den Impfstart bereits auf diese Woche vorverlegt habe. Das widerspricht der Darstellung von Gesundheitsminister Anschober, der im Interview mit Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz erklärte, der Impfstart sei vorgezogen worden, weil die Pilotphase so erfolgreich gewesen sei.

Ob ihn das nicht ärgere, dass Kanzler Kurz sich als derjenige darstellen lasse, der eingreifen müsse, weil das Gesundheitsministerium zu untätig sei, wurde Anschober gefragt. "Ich schätze die Presse in Österreich sehr, sie ist ein wichtiger Teil der österreichischen Demokratie", betonte der Gesundheitsminister. "Aber ich kenne die Wirklichkeiten, ich weiß, wie diese Entscheidungsprozesse in der Bunderegierung zustande kommen", so Anschober.

Für ihn sei das Wichtigste, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie möglichst gut umgesetzt werden, "da hab' ich keine Eitelkeit", so der Minister. "Da bin ich froh, dass wir in der Bundesregierung und als Bunderegierung - als Team - sehr gut funktionieren", sagte Anschober.

30.000 Impfungen noch diese Woche

Anschober betonte, "bis Ende des Sonntags" auf fast 30.000 Corona-Impfungen in Österreich kommen zu wollen. 200.000 Dosen des am Vortag von der EU zugelassenen Moderna-Vakzins kommen im ersten Quartal zusätzlich zu den laufenden Lieferungen von Biontech/Pfizer nach Österreich. Ein Mengenproblem gebe es nicht, "nur noch ein Lieferproblem" sagte der Sonderbeauftragte des Gesundheitsministeriums, Clemens Martin Auer.

"Dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und jetzt von Moderna überhaupt zugelassen werden, weiß man erst seit Ende November, Anfang Dezember", betonte Auer den Umstand, dass diese Impfstoffe früher als erwartet Anwendung finden konnten. Für die 450 Millionen EU-Bürger bestehe jetzt das Problem, "dass die Liefermengen noch nicht ausreichend sind", sagte der Sonderbeauftragte, jedoch gebe es insgesamt rund zwei Milliarden Dosen, die vertraglich zugesichert sind. Zwar wisse man auch heute noch nicht, ob es für alle sechs Vertragspartner der EU eine Marktzulassung geben wird, aber im Grund sei Sanofi der einzige Wackelkandidat, bei dem jedoch ohnehin eine spätere Zulassung erwartet wurde. Das Lieferproblem werde "von Tag zu Tag kleiner", so Auer.

Pilotphase verlaufe "recht gut"

Biontech/Pfizer liefern rund eine Million Dosen im ersten Quartal, sagte Anschober, und derzeit rund 61.000 pro Woche. Über die dezentrale Impfstrategie sagte der Gesundheitsminister, dass "diese Pilotphase recht gut verlaufe". "Ziel ist, dass wir bis Ende des Sonntags auf fast 30.000 Impfungen kommen werden", für den kommenden Montag würden bereits 30.000 Bestellungen aus den Alters- und Pflegeheimen vorliegen.

Die Bewohner und Mitarbeiterinnen in den Alters- und Pflegeheimen haben weiterhin erste Priorität, wie auch die Mitarbeiter der Covid-Stationen in den Krankenhäusern, erläuterte der Gesundheitsminister noch einmal den Impfplan mit dem Hauptziel, dann während des Sommers "ein konkretes Impfangebot" für alle Menschen in Österreich zu ermöglichen. Im Herbst 2021 solle durch die Immunisierungen keine Situation wie 2020 mehr entstehen können.

"Niemand hat Impfdosen herumliegen lassen"

"Niemand hat Impfdosen herumliegen lassen, ganz im Gegenteil", betonte Anschober zur Kritik am Impfstart in Österreich. Nach der "guten Phase des Pilotbetriebs" werde man "Schritt für Schritt rasch sehr konsequent in die Breite gehen". Die zweite Lieferung von Biontech/Pfizer mit 61.000 Dosen sei auch erst am heutigen Donnerstag in Österreich angekommen und verteilt worden, erläuterte Auer. Es sei "das legitime Anrecht aller", zu fordern, dass es schneller gehen sollte, sagte Anschober. "Mir sind die Parteien lieber, die das fordern, als die, die an der Impfung zweifeln."

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Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos