APA/APA/AFP/MARCO LONGARI

Gaza-"Friedensrat": Trump lud mehrere Staatschefs ein

17. Jan. 2026 · Lesedauer 6 min

Mehrere Staats- und Regierungschefs sind von US-Präsident Donald Trump eingeladen worden, am sogenannten "Friedensrat" für den Gazastreifen mitzuwirken. Darunter befinden sich nach eigenen Angaben etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi oder Argentiniens Präsident Javier Milei. Trumps Friedensplan für Gaza sieht ein dauerhaftes Kriegsende und die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas vor, was diese ablehnt.

Das internationale Gremium soll als "zweite Phase" dieses Friedensplans die neue Übergangsregierung des im Krieg zwischen der Hamas und Israel weitgehend zerstörten Küstenstreifens beaufsichtigen. Trump selbst hat den Vorsitz.

Die Einladungen für Erdoğan und al-Sisi gaben das Kommunikationsbüro der türkischen Präsidentschaft und Ägyptens Außenminister Badr Abdel-Atti bekannt. Es gab keine weiteren offiziellen Kommentare dazu, ob Erdoğan bereits geantwortet hat; Ägypten prüfe die Angelegenheit derzeit in all ihren Aspekten, hieß es vom Staatsinformationsdienst.

Argentiniens Präsident Javier Milei erklärte auf X, es sei "eine Ehre, an einer so großen Verantwortung mitwirken zu dürfen". Der kanadische Ministerpräsident Mark Carney habe ebenfalls eine Einladung erhalten und wolle diese annehmen, berichtete der Sender CBC unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten. Laut BBC erwägt auch der britische Premierminister Keir Starmer einen Beitritt.

Zuletzt hatte Trump bereits die Besetzung eines Exekutivkomitees verkündet, das die Ziele des Friedensrats umsetzen und Wiederaufbau und Verwaltung im Gazastreifen steuern soll. Dem Gremium gehören nach Angaben des Weißen Hauses unter anderem der frühere britische Premier Tony Blair, US-Außenminister Marco Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff an.

Der Rat soll die Übergangsverwaltung des Gazastreifens überwachen, wo seit Oktober eine brüchige Waffenruhe in Kraft ist. Die kürzliche Ernennung der neuen Gaza-Verwaltung aus Technokraten und der Aufbau des Friedensrats markieren die zweite Phase eines von US-Präsident Donald Trump unterstützten Plans zur Beendigung des Krieges zwischen Israel und der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Hamas.

Mladenow soll Umsetzung des Friedensplans überwachen

Der frühere UNO-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow soll künftig als Vertreter des "Friedensrats" die Umsetzung von Trumps Friedensplan in dem Küstengebiet überwachen. Der Bulgare werde als Verbindungsmann zwischen dem "Friedensrat" und der Technokratenregierung vor Ort fungieren, teilte das Weiße Haus mit.

Zu ihrer Unterstützung werde ein weiteres Gremium namens "Gaza Executive Board" eingerichtet, hieß es. Auch ihm gehören Witkoff, Kushner, Mladenow und Blair an. Zu den anderen Mitgliedern zählen der türkische Außenminister Hakan Fidan, der katarische Diplomat Ali Thawadi sowie der ägyptische Geheimdienstchef Hassan Rashad.

Endgültige Zusammensetzung des "Friedensrats" noch offen

Weitere Mitglieder der beiden Gremien würden in den kommenden Wochen ernannt, teilte das Weiße Haus mit. Bisher nicht bekanntgegeben wurde die Zusammensetzung des sogenannten "Friedensrats", hielt die "Times of Israel" fest. Dieser solle kommende Woche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zusammentreten.

Unter Blair hatten britische Truppen an der Seite der USA an den Kriegen in Afghanistan und im Irak teilgenommen. Insbesondere der Irak-Einsatz sorgte damals innenpolitisch für große Kritik. Witkoff und Kushner wiederum spielten eine große Rolle in den Bemühungen um die Freilassung der letzten Geiseln der Hamas, der Waffenruhe und der Einführung des Trump-Friedensplans.

Immer wieder tödliche Zwischenfälle

Seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober 2025 kommt es jedoch immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen. Erst in dieser Woche nahm Israels Armee nach eigenen Angaben nach einer Attacke bewaffneter Palästinenser auf israelische Soldaten Kommandeure der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) im gesamten Küstenstreifen ins Visier.

Der Erfolg des Friedensplans hänge nach Angaben von US-Beamten weitgehend davon ab, dass die Hamas ihre Waffen niederlegt und bereitwillig die Kontrolle über das Küstengebiet abgibt, schrieb das "Wall Street Journal". Die islamistische Palästinenserorganisation hat zwar der Einrichtung der Übergangsregierung aus unpolitischen Fachleuten ohne Hamas-Verbindungen zugestimmt. Eine Entwaffnung lehnt die Terrororganisation aber weiterhin ab.

Israel schätzt der Zeitung zufolge, dass die Hamas über 60.000 Gewehre und 20.000 Kämpfer verfügt. Sie bleibe nach Einschätzung von US-Beamten sowohl für die Menschen in Gaza als auch für Israel eine Bedrohung. Viele Länder, die an einer Beteiligung an der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe interessiert seien, wollten nicht, dass ihre Soldaten die Hamas entwaffnen sollen. Dies erschwert die Aufstellung der geplanten internationalen Truppe.

Furcht vor neuem Konflikt

"Die Hamas hat sich als viel widerstandsfähiger erwiesen, als die meisten zu Beginn des Kriegs erwartet hatten", zitierte die US-Zeitung Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel. "Ich befürchte, dass die Hamas aus dieser ganzen Episode zwar angeschlagen und mit Blessuren, aber dennoch an der Macht festhaltend, weiterhin eine Bedrohung darstellend und jede Opposition aus Gaza unterdrückend hervorgehen wird", sagte er der Zeitung und fügte hinzu: "Das würde die Uhr für eine nächste Konfliktrunde ticken lassen."

Die noch zu gründende internationale Stabilisierungstruppe (ISF) soll für die Sicherheit im Gazastreifen sorgen und die israelische Armee schrittweise ablösen. Zu ihrem Kommandeur wurde Generalmajor Jasper Jeffers ernannt, wie das Weiße Haus weiter mitteilte. Die Trump-Regierung gehe davon aus, dass die Hamas letztlich die Macht verlieren und einer neuen Regierungsstruktur in Gaza weichen werde, schrieb das "Wall Street Journal".

Die israelische Regierung hat die Gründung eines palästinensischen Staates wiederholt vehement abgelehnt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte sich in der Vergangenheit zudem dagegen ausgesprochen, dass die Palästinensische Autonomiebehörde eine Rolle in Gaza spielen könnte. Auch hatte Israel erklärt, dass der US-Plan nicht über die erste Phase hinausgehen könne, solange die Hamas nicht die letzte Geiselleiche in Gaza übergeben hat.

Der Gaza-Krieg war vom beispiellosen Massaker der Hamas und anderer extremistischer Organisationen am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Damals töteten die Terroristen in Israel rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 weitere in den Gazastreifen. Israel griff daraufhin eigenen Angaben zufolge Stellungen der Hamas in dem abgeriegelten Küstengebiet an.

In zwei Kriegsjahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71.000 Palästinenser im Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Trump hatte seinen Friedensplan im September 2025 vorgestellt.

Zusammenfassung
  • US-Präsident Donald Trump hat mehrere internationale Staats- und Regierungschefs, darunter Erdoğan, al-Sisi und Milei, zum Gaza-Friedensrat eingeladen, um eine dauerhafte Friedenslösung zu fördern.
  • Der Friedensrat soll als zweite Phase von Trumps Plan die neue Übergangsregierung im weitgehend zerstörten Gazastreifen beaufsichtigen und den Wiederaufbau koordinieren.
  • Die Hamas lehnt weiterhin die geforderte Entwaffnung ab, obwohl sie einer technokratischen Übergangsregierung ohne eigene Beteiligung zugestimmt hat.
  • Laut israelischen Schätzungen verfügt die Hamas über rund 60.000 Gewehre und 20.000 Kämpfer, was die Umsetzung des Friedensplans erschwert.
  • Seit Beginn des Gaza-Kriegs wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71.000 Palästinenser getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.