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Ringen um höheres Uni-Budget geht weiter

27. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Ein Uni-Studium rentiert sich nicht nur für Absolventen, sondern auch für den Staat, wie eine am Dienstag präsentierte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo erneut gezeigt hat. Durch die aktuelle Teuerung sieht Sabine Seidler, Chefin der Universitätenkonferenz (uniko), die Unis aber in Gefahr: 1,2 Mrd Euro fehlten für die Jahre 2022 bis 2024. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) will sich in den Verhandlungen mit dem Finanzministerium für die Unis "stark machen".

"Unis bringen deutlich mehr Geld als sie kosten", fasste Polaschek die Ergebnisse der aktualisierten Studie "Wirtschaftliche Effekte von Universitäten" vor Journalisten zusammen und räumte selbst ein, dass diese durch die Teuerung vor überproportionalen Herausforderungen stünden. Im Bildungsministerium sei man sich des Problems bewusst, man sei diesbezüglich in engem Austausch mit uniko und Finanzministerium. Auch dort gebe es Verständnis für die Bedürfnisse der Unis. Wie viel mehr Geld es für diese geben wird, wollte Polaschek mit Verweis auf die laufenden Budgetverhandlungen allerdings nicht sagen.

Das aktuelle Finanzierungsloch von 1,2 Mrd. Euro sei extrem groß, so Seidler. Immerhin bedeute die aktuelle Leistungsvereinbarungsperiode mit 12,3 Mrd. Euro in vielen Bereichen nach vorherigem Ausbau lediglich einen Konsolidierungskurs. Sollte es keinen Teuerungsausgleich geben, müsse man den Erfolg der vergangenen drei Jahre zurückbauen. Allein die Hälfte des Betrags entfalle auf Personalkosten für die kommenden zwei Jahre - in der Praxis würde das bedeuten, dass Stellen beim wissenschaftlichen Nachwuchs (Doktorandinnnen und Doktoranden, Postdocs) rückgebaut werden müssen.

Derzeit würden in allen Unis Krisenpläne mit möglichen Einsparungsmaßnahmen erarbeitet, so Seidler. Sie stellte allerdings auch klar: Strom- und Energiesparen oder auch von Seidler skeptisch gesehene partielle Schließungen der Unis mit Umstellung auf Distance Learning würden nicht reichen, um die Mehrkosten abzufangen.

Es sei überraschend, wie weit und in wie viele Dimensionen der Wirtschaft die Effekte der Universitäten hineinreichten, betonte Studien-Mitautor Jürgen Janger vom Wifo bei der Vorstellung der Resultate. Klar sei, dass es sich bei den Unis um ein nachhaltiges Investment im Sinne der Steuerzahler handle: So stehen etwa den 3,5 Mrd. Bundesmitteln für die Unis von 2020 innerhalb von drei bis fünf Jahren Steuern von 3,9 Mrd. und eine Wertschöpfung von 7 Mrd Euro gegenüber.

Zu diesen schnell wirksamen Effekten kommen noch geringere Arbeitslosenraten, höhere Einkommen und damit höhere Steuern der Absolventinnen und Absolventen. Janger betonte auch die Rolle der Unis bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme wie dem Klimawandel, sie kooperieren in Österreich auch besonders intensiv mit Unternehmen (49 Prozent der Großunternehmen und 27 Prozent der KMUs gegenüber 33 bzw. 16 in den EU-28). Dazu kämen die positiven Auswirkungen auf die Ansiedlung von Unternehmen, das Wachstum wissensintensiver Branchen und auf die Radikalität von Innovation. Unis seien damit zentral für das Ziel der Bundesregierung, zu einem führenden europäischen Innovationsland zu werden, so Janger.

Auch die Fachhochschulen (FH) machten am Dienstag erneut auf ihre Budgetprobleme aufmerksam. "Wir brauchen eine sofortige Erhöhung der Fördersätze dringender denn je", so die Präsidentin der FH-Konferenz Ulrike Prommer in einer Aussendung. "Neben den fehlenden Mitteln macht den Fachhochschulen vor allem die Ungewissheit zu schaffen. Wir brauchen jetzt Klarheit, wie es mit der Finanzierung der Fachhochschulen weitergeht." Fachhochschulen werden anders als die Universitäten vom Bund durch Förderungen pro besetztem Studienplatz finanziert. Diese Fördersätze müssten um mindestens 20 Prozent ab Anfang 2023 erhöht werden.

Quelle: Agenturen