Rendi-Wagner: "Das Impfen ist ein Drama"

24. Feb 2021 · Lesedauer 4 min

Die SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner wirft der Regierung vor, den Sommer verschlafen zu haben. Die Folgeschäden für Schüler seien enorm. Bei regionalen Maßnahmen in Tirol sei aktuell zu langsam reagiert worden. Und auch bei der Impfstrategie spart sie nicht mit Kritik.

Pamela Rendi-Wagner ist nicht nur SPÖ-Parteivorsitzende sondern auch Epidemiologin. Im Interview mit PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner erinnert sie sich an den Moment, als ihr zum ersten Mal klar wurde, wie gefährlich Corona sei. "Als die Chinesen dieses große Feldspital in Wuhan errichtet haben, binnen sieben Tagen Anfang November, für 1.000 Patientinnen und Patienten, da war mir klar: Das hat eine größere Dimension und das lässt sich auch nicht aufhalten." Anfangs sei in der Reaktion auf die Krise viel verschlafen worden. Aber der Lockdown in Österreich Anfang März sei richtig gesetzt worden. "Das war notwendig", ist sich die SPÖ-Parteivorsitzende sicher. 

Regierung hat "den Sommer verschlafen": "Extreme Folgeschäden" für Schüler

In anderen Fällen kritisiert Rendi-Wagner die Regierung aber scharf: "Diese Krise ist ja nicht nur eine Gesundheitskrise, sonst wäre sie ja überschaubar. Sie wurde zur größten Wirtschaftskrise seit 1946 mit einer Rekord-Arbeitslosigkeit von über 500.000 Menschen, die arbeitslos sind." Ein großer Fehler wäre gewesen, "dass man den Sommer verschlafen hat." Den Vorsprung, den man sich im Frühling erarbeitet hätte, habe man innerhalb von zwei Monaten verspielt. Österreich sei dann im November eines der ersten Länder mit einer stark steigenden Fallzahl gewesen. Man habe mit dem Lockdown zu spät reagiert. "Damals ist der Bundesregierung die Situation in den Spitälern fast entglitten. Alle hätten gewusst, dass das Virus wiederkommt. Man hätte Sicherheitskonzepte für die Schulen vorbereiten müssen. Sie hätte schon im August nach regelmäßigen Tests für Lehrer und Lehrerinnen verlangt, nach Masken und Lüftungskonzepten. Die Schüler hätten jetzt "extreme Folgeschäden, was die Bildung und das Soziale betrifft. Auch gesundheitliche" Schäden würden auftreten auf Grund der fehlenden Bewegung. 

Die Bundesregierung hätte den Unternehmern bei der ersten Welle das Sicherheitsnetz weggenommen, "indem sie einen Tag vor dem Lockdown aus dem Epidemie-Gesetz die Entschädigungszahlungen gestrichen haben." Das hätte verunsichert und 200.000 Leute seien arbeitslos geworden. 

"Allergrößte Vorsicht" als Reaktion auf Virusmutationen

"Die Zahlen sind hoch, sie sind besorgniserregend und sie steigen. Allein um 40 Prozent in den letzten Tagen." Jetzt bräuchte man aller größte Vorsicht, um zu verhindern, dass Zustände wie im November zurückkämen. Man müsse mitberücksichtigen, dass man es nun mit ansteckenderen Virusmutationen zu tun hätte. Das erfordere "absolute Vorsicht". 

Regionale Maßnahmen sinnvoll, in Tirol aber zu spät

"Ich glaube, dass regional gesetzte Maßnahmen" auf jeden Fall Sinn machen würden. Vor allem in Hinsicht auf die Virusmutationen. In Tirol sei das "auf jeden Fall" zu langsam passiert. Man brauche einen Plan und ein Ziel. Das hätte die Bundesregierung aufgegeben, als sie das Ziel fallen ließ, erst zu öffnen, wenn die Infektionszahlen unter 50 fallen. "Sie haben geöffnet bei 100 und jetzt sind wir bei 140." Sie selbst würde erst bei niedrigeren, kontrollierbaren Zahlen und nach einer Durchimpfung der Risikogruppen öffnen. 

 

"Impfen, impfen, impfen. Das ist der Weg in unsere Freiheit" 

"Das Impfen ist das wahre Drama", beklagt die SPÖ-Chefin. "Das was jetzt abgeht ist inakzeptabel." Vor ein paar Monaten hätte die Regierung versprochen, im Jänner alle 80-Jährigen geimpft zu haben. Jetzt sei Anfang März "und es sind noch immer nicht alle 80-Jährigen geimpft". "Diese Regierung ist am Reagieren, aber sicher nicht im Kampf gegen dieses Virus", kritisierte die SPÖ-Chefin. Ihren Schlachtplan, der so dringend nötig wäre, habe die Regierung aufgegeben. Die SPÖ-Chefin plädierte vehement dafür, sich mit einem der drei zur Verfügung stehenden Impfstoffe impfen zu lassen. Sie hätten eine gute Wirkung. "Wir müssen impfen, impfen, impfen. Das ist der Weg in unsere Freiheit." 

Mehr Freiheiten für Geimpfte findet Rendi-Wagner nur angebracht, wenn klar sei, dass es keine Virusweitergabe durch Geimpfte gebe und wenn jeder, der geimpft werden will das auch erreichen könne. Rendi-Wagner wirft hier der Regierung eine Verschleppung der Impfstrategie vor. 

"Wer zahlt die Kosten?"

"Eine Frage wird sich in einem Jahr lauter stellen: Wer zahlt die Kosten?" Die würden nicht nur in Österreich enorm sein. Man bräuchte dahingehend eine Gerechtigkeitsdebatte. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam